Damien Rice
Damien Rice hat den Kopf Freigeräumt. Foto: WMG

Damien Rice hat den Kopf Freigeräumt. Foto: WMG

dpa

Damien Rice hat den Kopf Freigeräumt. Foto: WMG

Berlin (dpa) - Für Damien Rice muss man sich Zeit nehmen. Nur einer der acht Songs auf seinem neuen Album bleibt unter fünf Minuten. Einer kratzt gar an der Zehn-Minuten-Marke.

Der öffentlichkeitsscheue Ire war aber noch nie einer, der seine Lieder auf einen schnellen Hit oder gar Radiotauglichkeit hin komponierte. Und das ganz bewusst.

Mit «My Favourite Faded Fantasy» kommt jetzt die dritte Platte des 40-Jährigen in die Läden. Wenn man seine neuen Lieder hört, ist es, als habe sich ein alter Bekannter nach vielen Jahren endlich wieder einmal auf einen Kaffee angekündigt.

Lange Zeit war Rice von der Oberfläche verschwunden. Als ihn kürzlich ein Reporter des britischen «Guardian» fragt, was er in den acht Jahren seit seinem letzten Album gemacht hat, spricht er in Metaphern: «Ich bin im Meer geschwommen.» Doch das Meer sei sein Kopf gewesen. Therapie? Das sei das falsche Wort. «Ich habe Unterricht genommen, um meinen Geist zu reinigen», sagt er.

Vor rund zwölf Jahren macht ihn sein Debüt «O» berühmt - in seiner Heimat Irland, in Norwegen, den USA und in Großbritannien wird Rice mehrfach mit Platin und Gold ausgezeichnet. Seinen vielleicht bekanntesten Hit «The Blower's Daughter» mit den anbetenden Worten «I can't take my eyes off you» («Ich kann meine Augen nicht von dir abwenden») bekommt man so schnell nicht aus dem Ohr. Rice zeigt: Die Liebe ist sein Thema.

Auch wenn er in englischsprachigen Ländern zu Erfolg kommt, so bleibt er in Deutschland weitgehend unbekannt. «O» klettert 2004 gerade einmal auf Platz 76 der Charts. «Ich bin nicht der Typ, der berühmt sein, viel Geld verdienen und jede Menge Platten verkaufen möchte», hat Rice einmal zugegeben. Mit seinem zweiten Album «9» ist das nicht anders: Verbiegen lässt er sich auch hier nicht.

Doch irgendwann ist ihm dennoch alles zu viel. «Leute, mit denen ich arbeitete, haben Dinge von mir verlangt, die ich nie tun wollte - wie zum Beispiel Radioversionen meiner Songs einzuspielen», erklärt Rice. Deshalb habe er sich zurückgezogen. Er wollte frei sein.

Im Jahr 2007 fordert er seine Band auf, sich besser nach anderen Jobs umzuschauen. Er und seine Freundin Lisa Hannigan, die auf «O» und «9» noch eine zentrale musikalische Rolle spielte, gehen getrennte Wege. «Ich hatte die Liebe verloren», sagt er Jahre später.

Nun ist Rice mit «My Favourite Faded Fantasy» wieder da, für das er Produzentenlegende Rick Rubin ins Studio holte. Dieser hatte unter anderem schon den späten Johnny Cash neu erfunden.

«Ich empfinde es als ein fröhliches Album, tatsächlich fröhlich», sagt Rice über seine neue Platte. Wenn er sie aber als «vollkommen anders» als die bisherigen Arbeiten bezeichnet, so ist das doch etwas irreführend: Wie damals singt er auch jetzt ausschließlich von der Liebe. Meist ist die Instrumentierung dazu da, seine sanfte, klare Stimme zu untermalen.

Wenn das Lied «The Greatest Bastard» beginnt, könnte man meinen, der Ire stimmt eine Fortsetzung seines «O»-Hits «Amie» an. Der wirklich wunderbare Piano-Popsong «It Takes a Lot To Know a Man» driftet trotz seiner orchestralen Begleitung nie ins Kitschige ab. Zudem hat Rice keine Scheu davor, den Neuneinhalb-Minuten-Song mit einem mehr als halb so langen Outro ausklingen zu lassen.

Was auffällt: Die Wut von «9» ist verflogen. Rice' Songs sind fragil und unvorhersehbar. Ob die neue Platte nun ein Erfolg wird oder nicht, ficht ihn nicht an. «Ich habe sehr, sehr, sehr deutlich festgestellt, dass Geld weder etwas mit Glück noch etwas mit Sicherheit zu tun hat.» Wenn es keine Erwartungen gibt, dann bleibt allein die Musik.

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