Elf Jahre gibt es Die Happy mittlerweile, „Red Box“ ist ihr siebtes Album. Ein Besuch im Probenraum in Berlin-Marzahn.

Tour-Vorbereitung
Die Band als Familie – rund um Marta Jandová frühstücken (v.l.): Jürgen Stiehle, Ralph Rieker, Thorsten Mewes.

Die Band als Familie – rund um Marta Jandová frühstücken (v.l.): Jürgen Stiehle, Ralph Rieker, Thorsten Mewes.

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Die Band als Familie – rund um Marta Jandová frühstücken (v.l.): Jürgen Stiehle, Ralph Rieker, Thorsten Mewes.

Berlin. Hoch ins sechste Stockwerk des Berliner Plattenbaus fährt der schmale Aufzug. In jeder Etage sind Klangfetzen aus den Fluren zu hören: ein Schlagzeug, ein Gitarrenriff, eine Trompete. Damals wie heute steckt Musik im Orwo-Haus, einer ehemaligen Tonbandfabrik im Industriegebiet von Marzahn. Rund 200 Bands haben hier heute ihren Probenraum. Bassist Ralph Rieker (39) öffnet die Tür zum kleinen gemütlichen Bereich, in dem Die Happy proben.

Die anderen Bandmitglieder sitzen in der Couch-Ecke und unterhalten sich. „Marta lässt sich entschuldigen“, erklärt Gitarrist Thorsten Mewes (38) das Fehlen der Frontfrau. Es ist Donnerstagabend: Die Casting-Sendung „Popstars“ läuft im Fernsehen, und Marta Jandová (36) strahlt in die Kamera. Sie sitzt in der Jury.

Die Band ist zu ihren Wurzeln zurückgekehrt

Trotz der Abwesenheit ihres Aushängeschildes nutzt die Band die Zeit zum Üben. Noch fläzt sich Schlagzeuger Jürgen Stiehle (35) in einem Sessel und trinkt aus einer Bierflasche. Dann nehmen die Musiker ihre Instrumente in die Hand und fangen an zu spielen. Wie ausgewechselt ist die zuvor noch entspannte Atmosphäre in dem nur durch einen roten Lichtschlauch und eine Stehlampe erhellten Raum. Die Köpfe der drei wippen zu den schnellen und kräftigen Schlägen, mit denen Stiehle das Schlagzeug bearbeitet. Viel mehr ist fast nicht zu hören. Nur gedämpft das metallische Klingen der E-Gitarre und das dumpfe Zupfen der Bass-Saiten.

Die Band hat aus der Vergangenheit gelernt

„Wir proben immer mit Kopfhörern, damit wir die einzelnen Instrumente besser raushören“, erklärt Mewes kurz und steckt sich den Stöpsel wieder ins Ohr. Mit Kopfhörern entfaltet sich der volle, raue Klang der Rock-Nummer „Bang – Boom – Bang“ vom mittlerweile siebten Album der Band. „Wir sind wieder zu unseren Wurzeln zurückgekehrt, sind kompromisslos und konsequent“, sagt Rieker und unterstreicht das Gesagte mit schnellem Spiel auf seinem Bass.

„Wenn ein Lied ruhig sein soll, dann ist es ruhig. Aber wenn es rockig sein soll, dann rockt es richtig“, fügt er noch lachend hinzu. Offenbar hat die Band aus der Vergangenheit gelernt. „Wir wollten nicht wieder auf Biegen und Brechen eine radiokompatible Platte machen, wir wollten einfach wieder Die Happy sein. Hart, rockig und rau. Uns nicht mehr irgendwelchen Mainstream-Vorgaben unterwerfen, nur damit wir eventuell im Radio gespielt werden. Man kann Erfolg ohnehin nicht steuern“, erklärt Mewes und klingt erleichtert über diese Erkenntnis. Die Erleichterung schwingt auch im losgelösten Spiel der Musiker mit. Der Spaß an der Musik spiegelt sich in ihren Augen wider.

Die Happy wurden 1993 von Thorsten Mewes und Marta Jandová gegründet. 1999 wurde die Band bei BMG unter Vertrag genommen und besteht seitdem in der heutigen Formation mit Jürgen Stiehle am Schlagzeug und Ralph Rieker am Bass. Mittlerweile sind sie beim kleinen Plattenlabel Fame unter Vertrag.

Marta Jandová war bis 2008 mit Sasha liiert.

„Red Box“ ist ihr siebtes Album. Im April bringen sie die darauf enthaltenen Songs im Rahmen einer ausgedehnten Tour akustisch auf die Bühne.

9. April: Bochum, Christuskirche

12. April: Köln, Kulturkirche.

Proben finden auch ohne Jandová statt, das Mikrofon der Frontfrau bleibt unbesetzt. „Wir proben häufig ohne Marta“, räumt Mewes ein. „Sie macht eben so viele andere Dinge neben der Band: Moderation, Musical in Prag und jetzt eben noch ,Popstars’. Aber wenn wir Passagen noch einmal einüben, wie jetzt kurz vor der Tour, ist es auch nicht notwendig, dass sie dabei ist.“

Über Casting-Shows haben Die Happy ihre Meinung geändert

Mehr Spaß mache es mit der Sängerin aber schon. „Wir haben vorher als Band darüber gesprochen, wie es ist, dass Marta bei einer Casting-Show in der Jury sitzt“, erinnert sich Rieker. Die gebürtige Tschechin hatte zuvor bereits in ihrer Heimat bei einer ähnlichen Sendung mitgemacht und ihre Begeisterung dafür entdeckt. „Klar ist es merkwürdig, dass die Sängerin einer Rock-Band bei ,Popstars’ mitarbeitet. Zumal wir uns früher auf Konzerten gegen Casting-Shows ausgesprochen haben.“ Doch Jandová habe ihre Meinung darüber geändert. „Sie kann als erfahrene Sängerin den Mädchen, die dort mitmachen, einfach viel mitgeben und ihnen klarmachen, dass der Erfolg nicht garantiert ist, sondern viel Arbeit bedeutet.“

Respekt für den jeweils anderen ist das Geheimrezept

Das wissen Die Happy nur allzu gut. Deshalb wird auch gleich das nächste Lied angespielt, damit auf der Tour alles sitzt. Seit 17 Jahren ist die Band im Geschäft, seit elf in der jetzigen Formation. „Wir sind wirklich dankbar dafür, dass wir so lange dabei sind“, sagt der eher ruhige Stiehle und weist mit seinem Stick auf den Probenraum. Respekt für den jeweils anderen sei das Geheimrezept für das lange Bestehen. „Außerdem sind wir wie eine Familie“, fügt Mewes hinzu.

Wichtig sei auch, dass jeder von ihnen, nicht nur Jandová, sich neben Die Happy noch in anderen Musikprojekten ausprobiert. Rieker hat nebenbei eine kleine Werbeagentur. „Das war neben dem Rock immer mein zweiter Traum.“ Mewes wird Ende Januar als Erster in der Band Vater: „Etwas zum Ärger Martas. Sie wollte als Erste eine Familie gründen“, plaudert der Gitarrist aus dem Nähkästchen.

Aber egal, welche Wege die Band-Mitglieder einschlagen, am Ende kommen sie alle wieder zusammen: im Probenraum, auf der Bühne. „Live auf der Bühne zu stehen, dafür leben wir“, sagt Rieker und legt nach dem letzten geprobten Lied fast widerwillig den Bass zur Seite. Aber nur bis zum nächsten Auftritt. Und spätestens dann ist auch Frontfrau Jandová wieder dabei.

www.diehappy.de

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