Sie wollen Gegensätze überwinden. Auf ihrem Debütalbum „Friends and Enemies“ verbinden die Wahl-Berliner selbstbewusst schwelgerische Gitarren mit elektronischer Tanzbarkeit.

Abby, das sind (von links) Henne, Philipp, Lorenzo und Filou.
Abby, das sind (von links) Henne, Philipp, Lorenzo und Filou.

Abby, das sind (von links) Henne, Philipp, Lorenzo und Filou.

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Nico Woehrle/Island Records , Bild 1 von 2

Abby, das sind (von links) Henne, Philipp, Lorenzo und Filou.

Düsseldorf. Kennengelernt haben sich die vier während ihres Studiums an der Popakademie in Mannheim. 2008 gaben sie ihr Bühnen-Debüt; drei Jahre später wagte sich das Quartett dann erstmals mit der EP „Welcome Home“ an die Öffentlichkeit. Die fünf Stücke sorgten schnell für Aufsehen in der lokalen Szene. Der Ruf als „heißeste Band Baden-Württembergs“ eilte ihnen bald voraus, Auftritte in ganz Deutschland, bei internationalen Newcomer-Festivals, in Frankreich und Großbritannien folgten.

Auch die Labels waren aufmerksam geworden. Die Zeit war reif, ins Studio zu gehen. Gemeinsam mit dem schwedischen Produzenten Andreas Olsson begab man sich in die renommierten Kensaltown Studios im gleichnamigen Londoner Stadteil. Ein Platz wie gemacht für ein erfolgreiches Album.

In London fanden Abby den perfekten Aufnahme-Ort

Eigentümer ist Hit-Produzent Martin Terefe, der dort schon mit KT Tunstall, Jason Mraz oder Ron Sexsmith arbeitete. Erst vergangenes Jahr fanden dort Aufnahme-Sessions von a-ha statt.

Auch Abby fanden in den Studios den perfekten Ort, um ihren dynamischen Klang einzufangen, der so unmittelbar aus der Konzertsituation mit den Möglichkeiten einer Aufnahmekabine weiterentwickelt wurde.

Das Debütalbum erschien jetzt beim legendären Label Island Records. Ein Majorlabel für eine Band, deren Ursprünge in der Indie-Szene liegen. Hier keine alten Fans zu verlieren und die richtige neue Zielgruppe zu finden, hat schon so manche Band herausgefordert. Ein Drahtseilakt, der nicht immer gelingt.

Ihr Klang schafft es, eine eigene Identität zu behaupten

Kurzkritik: Abby sind (passend zum Majorlabel-Deal) nach Berlin gezogen und veröffentlichen ein selbstbewusstes Debütalbum. Die vier jungen Männer, allesamt studierte Musiker, verbinden auf „Friends and Enemies“ Indie-Pop-Melancholie mit verspielten Disco-Beats und können damit in diesem Sommer ganz weit vorn landen. Synthie-Klänge bestimmen den Auftakt eines Albums, das trotz seiner unterschiedlichen musikalischen Facetten doch thematisch einen roten Faden behält. Im Opener „Monsters“ wird er eingeführt: das romantische Kräftemessen von Liebe und Schmerz. Abby sind Gefühlsmenschen, was sich nicht nur in „Streets“ durch dramatische Streicher und sehnsüchtige Texte ausdrückt. Bei „Blood And Water“ setzt ein vielstimmiger Chor ein, der dem Stück weitere Wucht verleiht. An dieser Stelle mag man an The National oder Get Well Soon denken. In „Wings & Feathers“ wiederum scheint die Melodie geradezu zu schweben und verneigt sich kurz in Richtung Phoenix. Ein Album, das viele Möglichkeiten zum Einstieg bietet.

 

Highlights: Streicher-Drama „Streets“, Sehnsuchts-Hymne „Like Kings“.

Abby indes haben alle Chancen, diesen Spagat zu meistern. Sie dürfen den scheinbaren Widerspruch sogar selbstbewusst ignorieren. Die vier jungen Männer – mittlerweile nach Berlin umgesiedelt – sind auf dem besten Weg, mit der internationalen Konkurrenz gleichzuziehen.

Ihr Klang, der elektronische Elemente mit den Mitteln einer Rockband verbindet, orientiert sich lose an seinen Vorbildern, schafft es dabei jedoch immer, eine eigene Identität zu behaupten. Geschickt werden hier musikalische Vorstellungen verknüpft, die an so unterschiedliche Bands wie The National, Foals, Snow Patrol, Delphic oder Phoenix denken lassen.

Eine klare Entscheidung zwischen der analogen und digitalen Seite der Musik vermeiden Abby bewusst, da dies immer auch den Verzicht auf spannende Ideen bedeutet. Genre-Bezeichnungen sind der Band daher gleichgültig. Verkürzt lassen sich viele der Lieder auf „Friends and Enemies“ als schwelgerischer, aber tanzbarer Indie-Pop beschreiben.

Romantik und Aufbruchstimmung sind Stichworte, die man den 13 Stücken schnell zuschreibt. Eine sehnsuchtsvolle Grundstimmung durchzieht das gesamte Album. „We Felt like Kings One Summer Day“ („Eines schönen Sommertages fühlten wir uns wie Könige“), hört man Sänger Filou in „Like Kings“ und sieht sich direkt in den beschriebenen sonnigen Nachmittag versetzt.

Im leichtfüßigen, tanzbaren „Streets“ bietet der Protagonist daraufhin seiner Liebsten an, sie auf dem Rücken heimzutragen. Abby offenbaren sich nicht nur hier als Romantiker, wenn sie zum Ende des Songs die Gewissheit versprechen, nie mehr allein nach Hause laufen zu müssen.

Wie viele weitere Lieder ist „Streets“ eine direkte Ansprache, ein Dialog mit einer Person, die umworben oder der nachgetrauert wird. Durch seine Texte vermittelt das Album so einen sehr persönlichen Eindruck, und dennoch lassen die Geschichten genug Offenheit für eigene Assoziationen.

Klassisches Instrumentarium und alte Synthesizer

Musikalisch schöpfen die Popakademie-Absolventen aus dem Vollen. Ihr Instrumentarium umfasst neben der klassischen Band-Besetzung aus Gitarre, Schlagzeug und Bass auch Cello, Piano oder Blockflöte. Hinzu kommen alte Synthesizer und andere digitale Hilfsmittel, die dazu führen, dass sich Abby nicht direkt einordnen lassen. Ihre Stilvielfalt ist eine Eigenschaft, die sich die Band noch lange bewahren sollte.

Seit gestern ist ihr Debütalbum „Friends and Enemies“ im Handel. Noch im Juli werden Abby auf dem Melt!-Festival spielen. Es sollte nicht überraschen, wenn das der nächste große Schritt für die Band wird.

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