Hermann van Veen amüsiert mit Musik und Plaudereien.

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Hermann van Veen mit den Geigerinnen Jannemien Cnossen und Dorit Oitzinger in der Düsseldorfer Tonhalle.

Hermann van Veen mit den Geigerinnen Jannemien Cnossen und Dorit Oitzinger in der Düsseldorfer Tonhalle.

Judith Michelis

Hermann van Veen mit den Geigerinnen Jannemien Cnossen und Dorit Oitzinger in der Düsseldorfer Tonhalle.

Düsseldorf. Mit einem schwarzen und einem weißen Schuh an den Füßen betritt er die Bühne der ausverkauften Tonhalle. Herman van Veen ist zwar alt geworden aber auch der Alte geblieben.

Ein Wechselbad, gefüllt mit Klamauk und Poesie, Tragödie und Komödie, mutet der 64-jährige Holländer seinem Publikum noch immer zu.

Ein Liedchen über die Unvergänglichkeit der Freundschaft, zart in Moll gehalten und mit dem Pathos eines Operntenors vorgetragen, wird von seiner legendären Striptease-Nummer abgelöst.

Roter Faden des Programms: Wie das Altern verändert

Die Unterhose mag ihm hierbei etwas unter den Achseln kneifen. "Seit mein Enkel das im Fernsehen sah, muss ich das immer machen, wenn ich ihn besuchen komme", gesteht van Veen. Seine bekanntesten Lieder, die das Publikum sicher gern gehört hätten, spielt der Kleinkünstler höchstens kurz an. "Warum bin ich so fröhlich?" lallt er als Trunkenbold ins Mikro, nimmt sich wie so oft dabei selbst nicht ernst.

Seine 22 Jahre alte Hymne für seine Tochter Anne bildet den Rahmen für ein Lied, dass die inzwischen Erwachsene selbst komponiert hat. Roter Faden des Programms ist so auch das Älterwerden. Und dabei verschont van Veen seine Zuhörer nicht: "53 Prozent meines Publikums ist inzwischen gestorben. Sie haben Glück gehabt."

Vieles aus früheren Jahren scheint nach wie vor aktuell. Und diese Bezüge schafft van Veen mit knappen Bemerkungen: "Als wir anfingen zu singen hieß Afghanistan noch Vietnam." Auch sonst ist der Sänger politischer und kämpferischer als in den letzten Jahren. "Ehrenfeld hat genug Platz" ist seine Aussage zu dem Moscheenstreit zu Köln.

Zum Jahrestag der Pogromnacht am 9.November hatte er die rechtspopulistische niederländische "Partij voor de Vrijheid" mit Nazikollaborateuren aus der Zeit der deutschen Besetzung verglichen und danach dafür viele Drohbriefe erhalten. In Düsseldorf war von diesem international beachteten Skandal nichts zu merken.

Musikalisch ist Herman van Veen inzwischen im Caféhaus angekommen. Während er früher eher wilde Arrangements nutzte und Ausflüge in Jazz, Blues und Pop nicht scheute, klingt seine Musik nun nach Salon und Kammermusiksaal. Die beiden Violinistinnen Jannemien Cnossen und Dorit Oitzinger rahmen den Holländer, der selbst auch oft zur Geige greift, ein.

Hervorragend spielt Edith Leerkes ihre Spanische Gitarre. Und auch das Urgestein Erik van der Wurff am Piano ist wie seit 40 Jahren mit von der Partie. Doch die Musik, die früher nach großer holländischer Drehorgel klang, ist inzwischen deutlich melancholischer und ernster geworden. Als höre man das Requiem auf eine mäßig erfolgreiche aber doch irgendwie glückliche Generation. Termin: Samstag, Tonhalle, 20 Uhr, Karten: 0211/8996123

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