Als Caligola machen Gustaf Norén und Björn Dixgård Pause von Mando Diao. Am 2. März kommt das Album "Back to Earth" raus. Musikalisch ändert sich wenig, Spaß macht’s trotzdem.

Pop
Auch wenn Caligola als Künstlerkollektiv verkauft wird, fokussiert sich doch alles auf die beiden Frontmänner von Mando Diao, Gustaf Norén (links) und Björn Dixgård (vorne).

Auch wenn Caligola als Künstlerkollektiv verkauft wird, fokussiert sich doch alles auf die beiden Frontmänner von Mando Diao, Gustaf Norén (links) und Björn Dixgård (vorne).

Das Album Back to Earth kommt am 2. März 2012 in die Läden.

Universal, Bild 1 von 2

Auch wenn Caligola als Künstlerkollektiv verkauft wird, fokussiert sich doch alles auf die beiden Frontmänner von Mando Diao, Gustaf Norén (links) und Björn Dixgård (vorne).

Berlin, im Februar 2012: Deutschland friert. Ein sibirisches Hoch hat das Land im Griff, in der Hauptstadt ist es bereits der dritte Tag in Folge, an dem das Thermometer bis in den zweistelligen Minusbereich vordringt. Gustaf Norén amüsiert das: „Wir lachen uns hier über die Leute kaputt, die so aussehen, als könnten sie vor Kälte kaum laufen“, sagt die eine Hälfte des Frontduos von Mando Diao. Klar, für einen Schweden sind die paar Grad unter Null natürlich Killefitt. „Wir fühlen uns hier pudelwohl“, ergänzt der 31-Jährige.

Caligola bedeutet nicht das Ende von Mando Diao, versichert Norén

Norén wirkt beim Telefoninterview tatsächlich sehr entspannt. Caligola heißt das neue Projekt, mit dem er und sein Bandkollege Björn Dixgård sich eine Auszeit von Mando Diao gönnen. Oft leiten solche Nebenprojekte – erst recht, wenn sie von den maßgeblichen Köpfen angestoßen werden – das leise Sterben einer Formation ein. Bei Mando Diao muss man kein nahes Ende fürchten: „Wir haben bereits mit einem neuen Album begonnen“, versichert Norén. Aber wie kam es dann dazu, eine neue Band zu gründen?

„Caligola ist nicht einfach nur eine Band“, sagt Norén. „Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft von Künstlern, die sich gegenseitig Anstöße geben. Schauspieler, Filmemacher, Musiker, bildende Künstler – alles, was kreativ arbeitet.“ Vor dem Gespräch mit Norén hatte ein Herr, der sich als „Herr Wollter“ vorstellte, bereits einen kurzen Einblick in die Kommune gegeben: Gegründet wurde sie angeblich in den 1970ern, Initiatorin soll eine gewisse Violetta gewesen sein, der Name nehme leicht abgewandelt Bezug auf den legendären römischen Herrscher, anschließen darf sich jeder, der will. Norén und Dixgård seien vor rund drei Jahren dazugestoßen. Klingt alles nach Sekte – oder eher einem PR-Gag, ähnlich skurril wie die Mönchskutten, die die beiden Mando-Diao-Jungs tragen, wenn sie als Caligola auftreten.

Die Geschichte vom Kollektiv Caligola: Wahrheit oder PR-Gag?

Während des Interviews bleibt Norén der Geschichte treu: „Violetta ist der strahlende Mittelpunkt von Caligola.“ Ihr Einfluss sei so etwas wie eine spirituelle Führung. Also doch eine Sekte? Norén lacht, er merkt, dass die Frage nicht ernst gemeint ist, und das scheint ihm zu gefallen. Deswegen bleibt er voll in seiner Rolle: „Caligola ist weder politisch noch religiös. Es ist vergleichbar mit einem Schneeball, der mit jedem Künstler, der sich ihm anschließt, größer und größer wird.“ Aha, und was macht dann das musikalische Projekt Caligola aus? „Es ist wie eine Collage aus all den Ideen, die das Netzwerk hervorbringt.“

Um mal von dieser fast schon metaphysischen Ebene wegzukommen: Das Album, das Norén und Dixgård aufgenommen haben, klingt wie ein beschwipster Abstecher in Papas Partykeller – Alu-Aschenbecher und Vereinspokale inklusive. Das wirkt vertraut? Richtig! Auf dem letzten regulären Mando-Diao-Album „Give Me Fire“ (2009) hatten Norén und Dixgård bereits den Symphorock und die Discoseligkeit der 70er für sich entdeckt. „Björn und ich lieben diesen Kitsch. Uns ist klar, dass wir uns damit immer weiter von unseren Ursprüngen als Rockband wegbewegen, aber wir wollen auch nicht auf einem Klischee hängenbleiben. Als Musiker verändern wir uns immer mehr – in Richtung Anarchie.“

Für Mando-Diao-Fans der ersten Stunde ist Caligola eher nichts

Caligola hat keine feste Besetzung. Alles ist im Fluss, jeder, der will, darf. Einzige Konstanten sind Norén und Dixgård. An der musikalischen Ausgestaltung des Caligola-Debüts waren unter anderem Johnossi-Drummer Oskar Bonde, die Jazz-Legenden Bo Hansson und Janne Carlsson sowie Discoröhre LaGaylia Frazier beteiligt. Entsprechend überbordend klingt das Ergebnis. Die warme Harmonienseligkeit des Love Unlimited Orchestras samt Barry White ist hier genauso vertreten wie der Auf-die-Zwölf-Pop von ELO. Das Entscheidende an diesen 15 Tracks ist aber eher die geschickte Produktion, die aus dem gefälligen Melodieneinerlei zwei Handvoll potenzielle Singles zaubert – fast ein bisschen, als hätte Giorgio Moroder letzte Hand angelegt. Eigentlich ist das alles clever: Im derzeit grassierenden Neunziger-Revival-Taumel ist man als Siebziger-Wiedergänger fast schon ein Unikum.

 „Violetta’s Dance“ ist der sprichwörtliche Rhythmus, bei dem man mitmuss. Kein Wunder, dass sich DJ-Ikone Paul van Dyk bereits des Songs angenommen hat.

Nun gut, Anarchie klingt anders als das prall orchestrierte Ohrwurmsammelsurium auf „Back To Earth“. Aber die nachhaltige Veränderung, von der Norén spricht, ist bemerkbar. Viele Fans der ersten Stunde, die bei „Give Me Fire“ vom Glauben abfielen, wird das Nebenprojekt sicher nicht versöhnen – auch, wenn der ironische Einschlag deutlicher ist als 2009. Norén ist das letztlich wurscht. „Ich fände es schlimm, wenn wir immer nur das Gleiche machen würden. Kann sein, dass uns das Fans kostet. Kriegen wir eben ein paar neue.“

Konzert-Termin: 27. März, 20 Uhr, Köln, Gloria

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