Mit seinem zweiten Album geht das britische Indie-Quintett Foals in die Vollen und schafft den Spagat zwischen Kunst und Kommerz.

Düsseldorf. Von Ewigkeit und dem Ende des Tods singt Yannis Philippakis. Und das in einer zur Gesangskabine umgebauten Dusche. Doch die noch junge englische Indie-Rockband Foals (zu Deutsch: Fohlen) experimentiert nicht naiv mit abgedrehten Fantasien und unkommerziellen Aufnahmetechniken, sondern weiß ganz genau, worüber sie spricht und was sie damit erreichen kann.

Auf ihrem zweiten vollwertigen Album zeigt sich die Combo aus Oxford erwachsener. Allzu spleenige Eskapaden, die das von Fans wie auch Fachpresse gefeierte Debüt "Antidotes" (2008) noch schmückten, lassen sie beiseite und bedienen sich versiert am Reichtum ihres unverkennbaren Stils.

Daraus schöpft die Band nun mit vollen Händen: "Total Life Forever" kanalisiert die irre Energie ihrer Klangmuster in atemberaubende Nummern - elf Songs, die das Zeug zu Klassikern eines schwer definierbaren Genres irgendwo zwischen tanzbarem Punk, minimalistischer Elektro-Klassik und melodiösem Pop haben.

Doch bis dahin war es ein holpriger Weg. Kennengelernt haben sich die zwei Köpfe der Foals schon als Kinder. Vor der Gründung im Jahr 2005 spielten Yannis Philippakis (Gesang, Gitarre) und Jack Bevan (Schlagzeug) in einigen Bands, zuletzt bei The Edmund Fitzgerald. Deren abgehackter, dissonanter Math Rock - wie experimenteller, zusammengepuzzleter Rock gerne genannt wird - kam in der Szene gut an und diente den beiden als Grundlage für die eigene Entwicklung.

Während der eine Teil der Gruppe zur Sache ging, suchten Philippakis und Bevan den puren Spaß, und als sie ihn nicht mehr fanden, verließen sie The Edmund Fitzgerald. Kurz danach stießen sie auf ihre künftigen Bandmitglieder: Gitarrist Jimmy Smith, Keyboarder und Saxophonist Edwin Congreave sowie Bassist Walter Gervers, die damals schon ein Team waren, jedoch keinen Sänger hatten. Da kam ihnen das Doppelpack aus Philippakis und Bevan gerade recht.

Der wichtigste Konsens der Kreativgemeinschaft war, dass die Chemie untereinander stimmte. "Das attraktivste Argument, in einer Band zu spielen, ist für uns immer gewesen, dass man seine eigene Gemeinschaft und Kultur schaffen kann - quasi unsere eigene Dynastie", erklärt der 24-jährige Philippakis. "Irgendetwas passiert und es berührt eine ganze Gruppe von Leuten."

Der musikalische Schmelztiegel Foals entstand schließlich aus vielen verschiedenen Zutaten, die systematisch ineinander flossen. Als Fans von US-Bands wie Fugazi oder Sonic Youth bastelten die Foals an einem weiterentwickelten Sound aus Art Rock, Psychedelic, Funk, Jazz und Techno mit Unstimmigkeiten, die sich an der Minimal Music des beispiellosen US-Komponisten Steve Reich inspirieren.

"Wir wollten Musik machen, die auch technisch anspruchsvoll ist. Mehr als nur Partymusik, aber trotzdem tanzbar", erklärt Philippakis und geht ins Detail: "Wir begannen mit einem ganzen Regelwerk an Vorgaben: ästhetische Parameter, eine Gitarre, die im Stakkato in den hohen Tonlagen gespielt wird, all dieser Kram."

Daraus entstanden vielschichtige Lieder mit Melodien, die sich nach mehrmaligem Hören angenehm einprägen, Songs wie "Cassius", "Red Socks Pugie" oder "Balloons", deren rhythmische Gitarren und laute Drums zum Tanzen einladen - trotz oder gerade wegen des schrägen, beschwörenden Gesangs. "Total Life Forever" (Kritik siehe Kasten) macht dort weiter. "Die ganze bewusste Auseinandersetzung haben wir versucht rauszulassen", resümiert Philippakis. "Es geht uns nun vor allem um den Ausdruck. Das ist einfach ehrlicher."

Ein Ergebnis, das sich hören lassen kann: relaxed bis auf die Knochen, außergewöhnlich instrumentiert und selbstverständlich frisch und neu - eben so, wie es sich für Fohlen gehört.

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