Biermösl Blosn
Stofferl (l-r), Hans und Michael von Biermösl Blosn 2004 auf dem Odeonsplatz in München. Foto: Frank Leonhardt/Archiv

Stofferl (l-r), Hans und Michael von Biermösl Blosn 2004 auf dem Odeonsplatz in München. Foto: Frank Leonhardt/Archiv

dpa

Stofferl (l-r), Hans und Michael von Biermösl Blosn 2004 auf dem Odeonsplatz in München. Foto: Frank Leonhardt/Archiv

Nach 35 Jahren haben die drei Well-Brüder von der bayerischen Kultband Biermösl Blosn die Nase voll - zumindest in dieser Formation. Am 18. Januar gibt das Trio sein letztes Konzert.

Günzlhofen (dpa) - Es ist ein bisschen wie in einer langen Ehe: Sie reden zwar noch miteinander, haben sich aber nicht mehr viel zu sagen. Bevor der Rosenkrieg droht, gehen sie sich lieber aus dem Weg. So machen es nun auch die Well-Brüder von der anarchischen bayerischen Kultband Biermösl Blosn. Hans, Michael und Christoph («Stofferl») Well wollen nach 35 Jahren mit rund 3000 Auftritten nicht mehr miteinander spielen. Ehe sie auf der Bühne in Routine zu erstarren drohten, hören sie lieber auf. Zwei Konzerte am 17. und 18. Januar markieren den Schlusspunkt einer einzigartigen Karriere.

Die Biermösl Blosn lehrte die mächtige CSU das Fürchten, prangerte aber auch das veränderte Leben vor allem auf dem Land an, die Naturzerstörung, den Wildwuchs von Industriegebieten, wo einst Kühe grasten. Egal ob bei Demonstrationen gegen die geplante atomare Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf oder die Autobahn durchs idyllische Isental - die Biermösl Blosn packte die Instrumente aus und strich es der bayerischen Regierungspartei mit einem bösen Lied mal wieder richtig dick auf.

«Immerhin haben wir die CSU mindestens unter 50 Prozent gespielt - mission impossible erfüllt», schreibt der Musiker «Stofferl» Well in einem «Wort zum Abschied», das er der Nachrichtenagentur dpa überließ. «Die Beatles haben es keine 11 Jahre miteinander ausgehalten, wir immerhin 35 Jahre.» Und urbayerisch, wie der einstige Solo-Trompeter bei den Münchner Philharmonikern nun einmal denkt, vergleicht er: «Eine Weißwurscht muss auch vor dem Zwölfeläuten gegessen werden, sonst platzt sie irgendwann.»

Für den 52 Jahre alten Gaudiburschen ist es «das Normalste auf der Welt, dass nach 35 Jahren nun Schluss ist». Doch jeder Auftritt habe ihm «einen Heidenspaß gemacht und ich möchte mich beim Publikum fürs Zuhören und für die Treue bedanken», verabschiedet er sich von seinen Fans. Auch sein Bruder Michael spricht von 35 spannenden Jahren. In dieser Zeit seien wunderbare Freundschaften entstanden, «wie mit den Toten Hosen, Jörg Hube, Lisa Fromm und natürlich Gerhard Polt, mit dem wir seit 32 Jahren künstlerisch und privat eng verbunden sind».

Nach einer so langen Zeit gemeinsamen Auftretens sei es unter Brüdern aber nachvollziehbar, «sich privat und beruflich neu zu orientieren - auch wenn es einem nicht leichtfällt», wie der feinsinnig denkende 53-Jährige das schwierig gewordene Verhältnis der Geschwister andeutet. «Ich finde es aber konsequent, dass wir nicht etwas fortführen, was sich irgendwann dahingeschleppt hätte und jetzt einen Schnitt machen, zu einem Zeitpunkt, den wir selbst bestimmen.»

Am schwersten scheint die Trennung Hans Well, dem ältesten der drei Brüder, zu fallen. Der 58-Jährige hatte bis zuletzt auf den Fortbestand des Trios gesetzt. Er ist vorübergehend auf Tauchstation gegangen, schöpft weit weg neue Kraft. Gleich nach Bekanntwerden des Auseinandergehens im August 2011 hatte das wohl am intellektuellsten veranlagte Mitglied geklagt: «Ich habe einen Stau von 30 Texten.»

Hansi, wie ihn seine 14 Geschwister der großen Well-Familie noch heute nennen, fürchtete, die Band mit Kultstatus könne ihre Identität verlieren, wenn sie nicht ständig neue Lieder schöpft. «Wenn Themen wie die radikale Kehrtwende der CSU in der Atompolitik nicht mehr in den Programmen vorkommen, fehlt genau das, was die Biermösl Blosn ausmacht», bedauerte das Arbeitstier Hans Well im vorigen Sommer.

Die Biermösl Blosn und die CSU - eine Symbiose der besonderen Art. Auf die im Freistaat zwar nicht mehr alleinregierende, aber doch immer noch mächtige Partei zielte 35 Jahre lang die Satire des Trios. «Gott mit dir, du Land der Baywa» - wenn die Well-Brüder im Bayernlied als der weiß-blauen Nationalhymne die Überdüngung der Ackerflächen im Freistaat anprangerten und das Wort Bayern durch den Namen des Agrarhändlers ersetzten, bogen sich die Zuhörer vor Lachen. Der Bayerische Rundfunk spielte das Lied mit dem subversiven Text lieber nicht. Aus Schulbüchern, in die es versehentlich gelangt war, wurde es von einem verärgerten CSU-Kultusminister verbannt.

Vor allem bei den Konzerten auf dem Land war zu beobachten, dass auch konservative Bayern ihre helle Freude daran hatten, mit welch beißendem Spott es das Trio der CSU wieder einmal heimzahlte. Franz Josef Strauß, Max Streibl, Edmund Stoiber - alle Parteigrößen bekamen zuverlässig ihr Fett weg. Auch den Missbrauchsskandal der katholischen Kirche prangerte die Biermösl Blosn an, und selbst dem aus Bayern stammenden Papst Benedikt XVI. versagte sie den Respekt.

Nach dem letzten gemeinsamen Konzert am 18. Januar in Fürth trennen sich die Wege der Brüder aus dem oberbayerischen Dorf Günzlhofen. Christoph und Michael Well starten bereits am 5. Februar an den Münchner Kammerspielen neu durch. Sie proben mit ihren Schwestern von der Band Wellküren bereits für das Programm ausgerechnet mit dem Titel «Fein sein, beinander bleibn», frei nach einem bayerischen Volkslied. Auch Bärbi, Moni und Burgi Well feiern mit hintersinnigem Humor nach dem Vorbild ihrer Brüder Erfolge auf der Bühne. Hans Well indessen plant eine gelegentliche Zusammenarbeit mit seinem kabarettistischen Vorbild Dieter Hildebrandt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer