Konzertkritik: Das amerikanische Duo spielt im vollen Kölner Luxor mit Melancholie und Humor.

adam green und Binki Shapiro
Zwei Musiker, die sich verstehen: Adam Green (l.) und Binki Shapiro.

Zwei Musiker, die sich verstehen: Adam Green (l.) und Binki Shapiro.

Concord Music Group

Zwei Musiker, die sich verstehen: Adam Green (l.) und Binki Shapiro.

Köln. Das Kölner Luxor wird am Freitagabend förmlich überrannt. Halten Adam Green und Binki Shapiro live das, was sie mit ihrer selbstbetitelten, gut 27-minütigen Pop-Platte versprochen haben? Green war ja eigentlich raus. Nachdem der Urenkel der Kafka-Verlobten Felice Bauer 2003 mit seinen absurden Geschichten begeistert hatte, floppte vor drei Jahren die Scheibe "Minor Love". Melancholie und Adam Green - das wollte nicht funktionieren. In Shapiro, der eher unbekannten Schönen mit Schlafzimmerblick, fand er dann aber die dafür passende Mitstreiterin.

Im schlauchartigen Luxor, das ist gleich beim ersten Ton klar, wird mindestens ein Drittel der mehr als 400 Zuschauer die beiden nur sporadisch sehen können. Und hören war auch schon mal einfacher: Der Sound ist deutlich zu leise. Was schade ist, weil gerade das Zusammenspiel von Greens Bariton und Shapiros aus der Zeit gefallenen Stimme Stücken wie "Pity love" oder "Just to make me feel good" etwas Besonderes verleiht.

Sei's drum: Das, was die beiden liefern, ist gut - auch wenn die Band ab und zu etwas holpert und Shapiro immer mal wieder einen Ton danebensetzt. Der Großteil des Publikums scheint eh wegen Green gekommen zu sein. Seine Solostücke "Gemstones" und "Friends of mine", bei denen Shapiro zu Gitarre und Tambourin greift, reißen die Hörer deutlich mehr mit. Der 31-Jährige macht dazu den Hampelmann, tanzt wie ein Irrer von Bühnenende zu Bühnenende.

Dennoch zeigen der Little-Joy-Song "Unattainable" - von Shapiros früherer Band - und das herzzerreißende "Don't ask for more" deutlich, dass es die wortkarge Kalifornierin ist, die den Erfolg des Duos beschleunigt. Sie gönnt ihm aber den Vortritt. Und der New Yorker, der pointiert von seinen Kölner Erfahrungen berichtet ("Jeder war plötzlich ein Clown"), versprüht an diesem Abend eine sympathische Coolness, die darin gipfelt, dass er sich bei "Dance with me" vom Publikum durch den halben Laden tragen lässt. Selbst in der letzten Reihe hat man ihn jetzt gesehen.

Das urkomische "Carolina" spielt Green schließlich komplett ausgestöpselt. Das Publikum lacht. Er auch. Der Song scheint immer wieder abzubrechen, kommt dann aber doch ins Ziel. Green selbst hatte es schon vorher erreicht. Er wurde von Binki Shapiro gerettet.

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