Marie Marcks gilt als Vorreiterin der Emanzipation. Am Freitag wird die Karikaturistin 90 Jahre alt.

Zeichnungen
Marie Marcks hat fünf Kinder und thematisierte schon früh die Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf.

Marie Marcks hat fünf Kinder und thematisierte schon früh die Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf.

Auch diese Karikatur ist in der Ausstellung zu sehen. Quelle: Caricatura Museum

dpa, Bild 1 von 2

Marie Marcks hat fünf Kinder und thematisierte schon früh die Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf.

Frankfurt. Der Mann hat es buchstäblich schwer, er trägt nichts Geringeres als die Weltkugel auf seinen Schultern. Dass er sich so abmüht, kann seine Frau nicht verstehen. „Roll doch das Ding, Blödmann!“, rät sie ihm mit einer Mischung aus Unbekümmertheit und Pragmatismus. Die Zeichnung stammt aus der Feder von Marie Marcks, die sich mit Witz und Ironie den Ruf der bekanntesten deutschen Karikaturistin ermalt hat. Freitag feiert die „Meisterin der komischen Kunst“ ihren 90. Geburtstag. Das Caricatura Museum Frankfurt zeigt bis zum 21. Oktober eine Ausstellung mit mehr als 350 Blätter aus ihrem Werk.

Sie wurde vor allem mit Emanzipationsthemen bekannt

Marcks, die 1922 in Berlin als Tochter eines Architekten und der Leiterin einer privaten Kunstschule geboren wurde, hatte zunächst als Grafikerin gearbeitet, machte sich aber zunehmend mit politischen Karikaturen einen Namen. 1965 begann sie für Zeitungen und Zeitschriften zu arbeiten, unter anderem für die „Süddeutsche Zeitung“, „Die Zeit“ und die „Titanic“.

Zeichnungen
Marie Marcks hat fünf Kinder und thematisierte schon früh die Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf.

Marie Marcks hat fünf Kinder und thematisierte schon früh die Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf.

Auch diese Karikatur ist in der Ausstellung zu sehen. Quelle: Caricatura Museum

nn, Bild 1 von 2

Auch diese Karikatur ist in der Ausstellung zu sehen. Quelle: Caricatura Museum

Zwar wurde sie mit Emanzipationsthemen bekannt, für die Zeitschrift „Emma“ war sie aber wohl nicht entschieden genug. „Alice Schwarzer fragte mich für die Emma an. Mein Cartoon war ihr dann doch zu männerfreundlich“, sagte sie dem „Zeit Magazin“. Sie habe sich nie nur auf Frauenthemen beschränken wollen. In der „Süddeutschen Zeitung“ habe sie die gesamte Tagespolitik abdecken können.

„Mein Cartoon war Alice Schwarzer dann doch zu männerfreundlich.“

Marie Marcks

Es gibt kaum ein Feld, zu dem Marcks nicht eine ihrer fein gezeichneten Karikaturen abgeliefert hat – sie wurde zu einer Chronistin der Bundesrepublik, wie es in einer Würdigung des Museums heißt. Die Themenspanne reicht von Rüstung, Militär und Rechtsextremismus über Bildung und Erziehung bis zu Emanzipation sowie Alter und Jugend. Nicht nur mit ihren Zeichnungen, auch mit ihrem Leben sei die Mutter von fünf Kindern ihrer Zeit voraus gewesen. So befasste sie sich schon früh mit der Doppelbelastung zwischen Familie und dem Beruf.

Gern nimmt Marcks auch Autoritäten aufs Korn und stellt sich auf die Seite der Kleinen – etwa in dem Cartoon, in dem ein Junge vor einem gelehrt wirkenden Herrn sitzt, der ihn fragt: „So. Wir machen also noch in die Hose!“. Die Antwort des Jungen: „du auch?“

Das Caricatura Museum Frankfurt stellt noch bis zum 21. Oktober mehr als 350 Werke von Marie Marcks aus.

Das Kurpfälzische Museum der Stadt Heidelberg zeigt anlässlich des Geburtstags noch bis zum 16. September eine Auswahl ihrer Werke.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer