Susanne Gaensheimer, die designierte Leiterin der Kunstsammlung NRW, erläutert ihre Pläne für die Zukunft.

Susanne Gaensheimer wünscht sich globale Kunst, will aber auch mit den Künstlern, die in Düsseldorf leben, eng zusammenarbeiten.
Susanne Gaensheimer wünscht sich globale Kunst, will aber auch mit den Künstlern, die in Düsseldorf leben, eng zusammenarbeiten.

Susanne Gaensheimer wünscht sich globale Kunst, will aber auch mit den Künstlern, die in Düsseldorf leben, eng zusammenarbeiten.

Judith Michaelis

Susanne Gaensheimer wünscht sich globale Kunst, will aber auch mit den Künstlern, die in Düsseldorf leben, eng zusammenarbeiten.

Düsseldorf. Susanne Gaensheimer (50) startet am 1. September als Direktorin der Kunstsammlung NRW. Als Kuratorin des Deutschen Pavillons der Venedig-Biennale hat sie 2011 und 2013 ambitionierte Vorhaben souverän zum Erfolg geführt und für Christoph Schlingensief posthum den Goldenen Löwen gewonnen. Sie ist eine Global Playerin, kennt sich in der Welt der Kunst bestens aus. Im Gespräch mit dieser Zeitung deutet sie an, wohin sie die einzige Staatsgalerie des Landes führen wird.

Frau Gaensheimer, Sie haben mehr als ein halbes Jahr mit der alten Landesregierung verhandelt, bevor Sie den Vertrag unterschrieben haben. Was für Forderungen haben Sie gestellt?

Gaensheimer: (lacht) Das sage ich Ihnen nicht. Es sind auch nicht alle Forderungen erfüllt worden. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem Vertrag. Ich habe der Findungskommission eine starke Internationalisierung vorgeschlagen. Ein sehr zeitgenössisches Programm in K 21, eine stärkere Profilbildung für K 20 und K 21.

Worauf freuen Sie sich in Düsseldorf besonders?

Gaensheimer: Auf die tolle Sammlung. Sie hat Weltniveau. Dadurch kann ich auf Augenhöhe mit den besten internationalen Museen arbeiten. Aber auch die Sammlung der Gegenwartskunst ist hervorragend. K 20 und K 21 bieten ein riesiges Potenzial.

Sie haben ein großes Talent, Türen zu öffnen. War das Studienprogramm des Whitney Museums in New York, das Sie 1995 bis 1996 absolvierten, der erste Steigbügel für Ihren späteren Erfolg?

Gaensheimer: New York war in der Tat ein Türöffner zu allen Museen, Künstlerateliers und Professoren. Ich habe aus dieser Zeit ganz enge freundschaftliche Kontakte.

Man lässt Sie aus Frankfurt nur ungern gehen. Was war Ihr Markenzeichen als Chefin des Museums für Moderne Kunst?

Gaensheimer: Wir haben das Museum und die Sammlung stark erweitert. Vorher war es eine eher westliche Sammlung, jetzt ist sie global ausgerichtet. Mein Prinzip war eine enge Verzahnung von Ausstellungs- und Sammlungsprogramm, das will ich in Düsseldorf fortsetzen. Man sollte aus den Ausstellungen etwas für das Museum bewahren.

Sie haben als Kuratorin des Deutschen Pavillons in Venedig 2011 den Standort mit den Franzosen getauscht. Und Sie zeigten 2013 Künstler aus verschiedenen Ländern. Ist das Globale eines Ihrer Steckenpferde?

Gaensheimer: Es waren alles Künstler, die in Deutschland arbeiten oder einen sehr starken Bezug zu Deutschland haben. Ai Wei Wei hatte schon sein Atelier in Berlin, konnte es aber noch nicht benutzen, weil er unter Hausarrest stand.

Wo nehmen Sie die globalen Künstler her? Sie können ja nicht durch alle Kontinente reisen, um sie zu entdecken?

Gaensheimer: Ohne eine Hinführung geht es nicht. Der Austausch mit Kollegen in anderen Ländern ist wesentlich. In Frankfurt kooperieren wir derzeit mit einer Kollegin aus Buenos Aires, die Werke von uns mit Werken aus lateinamerikanischen Sammlungen zusammenbringt.

Sie werden sich auch im Rheinland umschauen?

Gaensheimer: Die Kunstakademie hat eine unglaubliche Geschichte. Es ist selbstverständlich, das zu nutzen. Ich wünsche mir eine Zusammenarbeit mit der Akademie und möchte auch mit den Künstlern, die hier leben, immer wieder etwas machen. Ich denke auch darüber nach, wie wir die Sammlungen stärker beleben können. Die Sammlung Ackermans sowie die von Konrad und Dorothee Fischer sind ja unglaubliche Schätze. Wir wollen auch das Archiv der Galerie Fischer öffentlich machen.

Werden Sie die Fotoszene ausbauen? Sie gelten als Expertin auf diesem Gebiet.

Gaensheimer: Eher für die Medien insgesamt. Wir besitzen eine sehr große Fotosammlung in Frankfurt und haben intensiv damit gearbeitet. Das würde ich auch gern hier in Düsseldorf machen. Wir werden sehen, in welcher Form die Fotografie hier einen starken Stellenwert bekommen wird.

Wie begegnen Sie der klassischen Moderne im Haus?

Gaensheimer: Düsseldorf hat eine charismatische Sammlung der westlichen klassischen Moderne. Es gibt andere Entwicklungen auf der Welt aus dieser Zeit, und die wollen wir hinzufügen, um den Horizont zu erweitern. Wir beteiligen uns seit einiger Zeit am Forschungsprojekt „Museum Global“, das von der Bundeskulturstiftung unterstützt wird. Es mündet Ende 2018 in eine Ausstellung zur nicht-westlichen Moderne in der Kunstsammlung am Grabbeplatz und ist Grundlage für eine dauerhafte, erweiterte Arbeit mit der hiesigen klassischen Sammlung.

Wie kommt neues Leben ins K 21 im Ständehaus?

Gaensheimer: Wir wollen auf der Piazza ein regelmäßiges Performance-Programm machen, mit Kooperationspartnern. Ich würde gern mit dem Schauspielhaus zusammen arbeiten oder William Forsythe einladen, damit er eine Choreografie entwickeln kann.

Was machen Sie mit dem Hauptraum im Souterrain?

Gaensheimer: Dort kann man tolle Ausstellungen im Bereich von Film und Video machen.

Unter Julian Heynen als Leiter von K 21 stand im Emporensaal der Elefant von Katharina Fritsch, man konnte ihn von der Altstadt her sehen. Ein neuer Lockvogel?

Gaensheimer: Das ist eine sehr gute Idee. Ich würde gerne den Außenraum bespielen, weiß aber noch nicht, was man dort darf und was nicht.

Wird es einen eigenen Leiter in K 21 geben?

Gaensheimer: Nein. Ich werde beide Häuser leiten und gemeinsam mit meinem Team für beide Häuser ein eigenständiges Profil entwickeln.

Das Profil von K 20 wird also eher klassischer Art sein?

Gaensheimer: Genau. Früher gab es ja die Regelung, dass die Kunst bis 1980 in K 20 gezeigt wird. Diese Regelung finde ich gar nicht schlecht.

Bleibt das Schmela-Haus ein Ort für Small Talks?

Gaensheimer: Das ambitionierte Vortragsprogramm werden wir erst einmal beibehalten.

Werden Sie an den 91 Planstellen rütteln, etwa Planstellen in Ankaufsetats umwidmen?

Gaensheimer: Das Haus ist seit den Tagen im beschaulichen Schloss Jägerhof enorm gewachsen. Wir wollen jetzt in einer Analyse feststellen, an welchen Schlüsselstellen wir eventuell sogar noch mehr Personal brauchen.

Sie haben 11,5 Millionen Etat. Und der Ankaufsetat?

Gaensheimer: Der hing und hängt auch künftig sicher jeweils von unseren Ankaufs-Vorschlägen ab. Er ist jährlich unterschiedlich. Denken Sie an die große finanzielle Hilfe des Landes unlängst beim Erwerb der umfangreichen und hochbedeutenden Sammlung Fischer.

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