Hartwig Fischer ist neuer Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – und hat in der Museenlandschaft einiges vor.

Interview
Der neue Generaldirektor Hartwig Fischer vor Raffaels Sixtinischer Madonna in der Gemäldegalerie Alte Meister.

Der neue Generaldirektor Hartwig Fischer vor Raffaels Sixtinischer Madonna in der Gemäldegalerie Alte Meister.

dpa

Der neue Generaldirektor Hartwig Fischer vor Raffaels Sixtinischer Madonna in der Gemäldegalerie Alte Meister.

Düsseldorf. Hartwig Fischer ist neuer Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – und hat in der Museenlandschaft einiges vor.

Herr Fischer, was hat Sie an der Aufgabe in Dresden gereizt?

Hartwig Fischer: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind einer der bedeutendsten Museumsverbünde nicht nur in Deutschland oder Europa. Hochmotivierte Kollegen, großartige Sammlungen, internationale Vernetzung, große Bauaufgaben, große wissenschaftliche Projekte – das sind alles Aspekte, die mich gereizt haben. Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass sich der Freistaat Sachsen in besonderer Weise zur Entwicklung SKD bekennt und diese fördert.

Sind Sie gut vorbereitet auf den Spagat zwischen Moderne und Barock?

Fischer: Ich habe vorher in Basel am Wiederaufbau der Alten Meister mitgewirkt, die vom 14. bis 18. Jahrhundert reichen. Insofern fühle ich mich vor Raffael, Tizian, Giorgione und Vermeer oder Poussin genauso zu Hause wie vor Courbet, Gauguin oder Kandinsky. Ich habe immer sehr offen und in verschiedenen Epochen und Sparten gearbeitet und keine Berührungsängste. Was nicht heißt, dass vor mir nicht ein großartiges Abenteuer des Kennenlernens liegt.

Hartwig Fischer, Jahrgang 1962, wuchs in Hamburg auf. Später studierte er in Bonn, Rom, Paris und Berlin. 1994 promovierte Fischer über den Dresdner Künstler Hermann Prell (1854-1922), danach begann im Kunstmuseum Bonn seine Karriere. 1993 wechselte er ins Kunstmuseum Basel, ab 2001 war er Kurator der Sammlung 19. Jahrhundert und Klassische Moderne. 2006 wurde Fischer Direktor des Museums Folkwang in Essen. Dort realisierte er den Museumsneubau und die Renovierung des Altbaus.

Mit zwölf Museen bieten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) eine große Vielfalt. Ihr Bestand umfasst unter anderem Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Möbel, Porzellan, Kostüme, Waffen und Rüstungen. Neben dem Pariser Louvre, dem Metropolitan Museum New York und der Eremitage in St. Petersburg zählen die SKD zu den bedeutendsten Museen der Welt. Inzwischen besichtigen rund zwei Millionen Menschen pro Jahr die Schätze.

Wie wichtig ist die Förderung der Gegenwartskunst?

Fischer: Die Auseinandersetzung mit der Gegenwartskunst bleibt eine vitale Aufgabe der SKD, die auch innerhalb des Museumsverbundes stattfinden muss. Die gegenwärtige Kunst muss eine wichtige Rolle spielen, jedoch nicht auf Kosten einer anderen Sammlung. Lücken in der Moderne schließen zu wollen, ist ohnehin utopisch. Sie ist in öffentlichen Sammlungen weitestgehend abgeschlossen, weil auf der Höhe der besten Sammlungsstücke zu ergänzen aus finanziellen Gründen nahezu ummöglich ist.

Welche Vision haben Sie von den SKD in zehn Jahren?

Fischer: Ziel muss sein, die Werke, die uns anvertraut sind, optimal zugänglich zu machen, dass die Institutionen ausstrahlen, dass sie einzigartige, ganz besondere Orte sind. Museen müssen Orte der Gastfreundschaft für Werke und Menschen sein, wo man hingeht und sich aufgehoben fühlt. Das betrifft die Gebäude, ihre Ausstattung, die Art und Weise des Empfangs, das Ganze.

Wie hält man das Interesse am Museum künftig wach?

Fischer: Menschen, die für das Museum begeistert sind und gesehen haben, dass es ein Ort ist, wo man in der Begegnung mit Originalen entscheidende Erfahrungen machen kann, kommen wieder. Erst in der direkten Begegnung begreift man, dass auch die Werke Alter Meister eigentlich Gegenwartskunst sind. Das ist es, was das Museum schaffen muss. Entscheidend ist, dass Bildung auf vielen Ebenen stattfindet. Ein wichtiger Aspekt dabei ist die Vermittlung durch Inszenierung. Diese Kunst muss ein gutes Museum im höchsten Maße beherrschen.

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