Harald Falckenberg hat 3000 Kunstwerke gehortet und hält sie als Dauerleihgabe bereit, sobald der Hamburger Senat zustimmt.

Harald Falckenberg gilt als Entdecker von Künstlern wie dem Berliner Shootingstar Jonathan Meese.
Harald Falckenberg gilt als Entdecker von Künstlern wie dem Berliner Shootingstar Jonathan Meese.

Harald Falckenberg gilt als Entdecker von Künstlern wie dem Berliner Shootingstar Jonathan Meese.

Helga Meister

Harald Falckenberg gilt als Entdecker von Künstlern wie dem Berliner Shootingstar Jonathan Meese.

Hamburg. Harald Falckenberg (68) ist ein Schwergewicht, als Unternehmer und als Sammler: Der Alleingeschäftsführer der Hamburger Firma Elaflex-Gummi Ehlers bestimmt mit seiner Betankungstechnik den europäischen Markt und hält 40 Prozent des Weltmarkts. Das Geld, das er dort einnimmt, steckt er in eine grandiose Sammlung moderner Kunst. Sofern die Hamburger Bürgerschaft unter der neuen Regierung von Olaf Scholz in diesem Monat ihr „Jawort“ gibt, erhalten die städtischen Deichtorhallen rund 3000 Werke bis zum Jahr 2023 als Dauerleihgaben. Danach werden sie aller Voraussicht nach der Hansestadt auf Dauer übergeben.

Ein Bild von Andy Warhol hat der Sammler mit Gewinn abgestoßen

Der promovierte Jurist, der erst mit 50 Jahren das erste Bild kaufte, wirkt als Sammler wie ein Süchtiger. Er rennt treppauf und treppab in seiner Phoenix-Halle in Hamburg-Harburg, damit der Gast nur ja seine künstlerischen Fischzüge begutachten kann. Auf 6500 Quadratmetern präsentiert er Kunst, schiebt die Gemälde des Dirk Skreber aus einem Regal, die heute in Dollar hochbewertet sind, berichtet über Daniel Richter, den „Millionär unter den Protestlern und Demonstranten“, und hat zu jedem seiner Favoriten eine Geschichte parat.

Er beginnt das Gespräch mit seinen Fehlern: „Als ich 1994 anfing, habe ich Andy Warhol und die Klassiker erworben, aber gute Arbeiten gab es nicht mehr auf dem Markt. Ich bekam das, was liegengeblieben war.“ Als Pädagoge, der ursprünglich Juraprofessor werden wollte, zieht er sofort Schlüsse daraus: „Man muss seiner Zeit verpflichtet sein, sonst kommt man als Sammler zu spät.“ Er stieß den Warhol sechs Jahre später wieder ab, als die Preise anzogen.

Einen „kleinen Monopolbetrieb“, als den er seine Firma mit ihren Zapfventilen, Schläuchen und elastischen Röhren bezeichnet, hält er auch als Sammler. Er liebt Künstler als „Widerständler, die andersherum denken“. Sein Profil einer humorvollen, sarkastischen, neodadaistischen Kunst hatte ihm der „Junge Wilde“ Werner Büttner eingeflüstert. Falckenberg beschreibt die Begegnung: „Büttner war anfangs eine Kneipenbekanntschaft und dann ein Scheidungsfall mit Auswirkungen. Als er sich von seiner Frau trennte, wohnte er bei mir, brauchte Geld und bot mir seine Bilder sowie die der Freunde Albert Oehlen und Martin Kippenberger an.“ Der Grundstock hätte nicht besser sein können, denn die 5000-Mark-Werke stiegen ins Unermessliche. Falckenberg besitzt Kostbarkeiten.

Für den Einstieg in die Avantgarde gab ihm Büttner, inzwischen Professor in Hamburg, einen Tipp: „Du musst eine Richtung einnehmen, die nicht in jeder Sammlung drin ist. Nimm den Faden der Groteske auf.“ Er beherzigte den Ratschlag. In den Deichtorhallen liegt ein Staubsauger des Künstlers Roman Signer unter dem Teppich und saugt, während sich Falckenberg amüsiert: „Ein absurder Typ, dieser Signer.“ Die absurden Clowns des US-Künstlers Paul McCarthy, die zugleich ihr Leiden zur Schau stellen, seien seine Lieblinge.

Bis zu seinem 70. Lebensjahr möchte Harald Falckenberg Unternehmer bleiben und die Parallelwelten seiner Künstler – Bilder, Objekte, Fotos – sammeln. Ob er von der „Sucht“ eines Kunstkäufers lassen werde, könne er nicht sagen.

 

Langfristig denke er daran, seine Schätze der Öffentlichkeit zu übergeben. Der Grund: „Meine vier Kinder haben mit Kunst wenig im Sinn. Die wollen alle etwas anderes machen als der Vater. Die sind sehr willensstark.“ Wie der Vater.

 

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