Kölner Museum Ludwig zeigt Hommage an Yvonne Rainer.

Yvonne Rainer
Yvonne Rainer 1973 mit der Choreographie „Trio A“.

Yvonne Rainer 1973 mit der Choreographie „Trio A“.

© The Getty Research Institute, Los Angeles (2006.M.24)

Yvonne Rainer 1973 mit der Choreographie „Trio A“.

Köln. Yvonne Rainer ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen der vergangenen 40 Jahre. Sie ist eine Revolutionärin des modernen Tanzes und eine Ikone des experimentellen feministischen Films der 1970er Jahre.

Sie erweiterte Tanz und Choreographie, verschmolz Disziplinen – ähnlich wie die grenzüberschreitenden Ansätze der New Yorker Kunstszene, die in den 1960er und 70er Jahren mit Künstlern wie Robert Morris und Paul Thek die bis dahin gültigen Regeln der Kunst beiseite fegten und das Konzept des Kunstwerks als Einheit infrage stellten.

Kein Spektakel, kein Glamour – übliche Konventionen galten nicht

Die Tänzer agierten als lebende Skulpturen, in Straßenkleidung oder nackt, lediglich mit einer amerikanischen Flagge um den Hals, mit einem Volleyball, auf Matratzenstapeln. Sie durften improvisieren und Spaß haben.

Es gab keine Erzählung, stattdessen Wiederholung und Variation. Alltagsgegenstände kamen in den Stücken ebenso zur Anwendung wie alltägliche Handlungen, einfache Körperbewegungen und kleinste Gesten. Kein Spektakel, kein Glamour. Virtuosität, Ausdruck oder Improvisation, die üblichen Konventionen des Tanzes, hatten keine Geltung mehr.

Verweigerung und Reduktion sind die Leitmotive, die Yvonne Rainers Choreographien prägen. Manche, wie „Trio A“ (1966), dauern fünf Minuten, andere, etwa das Stück „The Mind is a Muscle“ (1968), einen Abend. 1965 schon hat sie ihr „NO-Manifest“ geschrieben, eine radikale Absage an alles, was Tanz bisher ausgemacht und bedeutet hatte.

„Yvonne Rainer. Raum. Körper, Sprache.“ Bis 29. Juni, Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Köln. Di.-So. 10 bis 18 Uhr, jeden ersten Do. 10 bis 22 Uhr. Katalog: 38 Euro.

 

Infos: museum-ludwig.de museum-ludwig.de

Geboren 1934 in San Francisco und dort aufgewachsen, war es eher Zufall, dass Yvonne Rainer Ende der 1950er Jahre in New York in eine Tanzklasse stolperte. Dann aber war es um sie geschehen. Seither, also seit den 1960er Jahren, ist sie rastlos unterwegs, hat schon mit nahezu allen großen Tanz-Performern gearbeitet, hat dann (1975) begonnen, Filme zu machen, politisch und persönlich. Und auch diese immer ein bisschen gegen den Strich. Ihre Tanzchoreographien dienen als Material.

Ausstellung zeigt unter anderem Filme, Fotos und Notizbücher

Mit der Ausstellung „Raum, Körper, Sprache“, die vorher im Kunsthaus Bregenz gezeigt wurde, richtet das Museum Ludwig der Grande Dame des postmodernen Tanzes eine wunderbare Ausstellung aus, die sich mit Hilfe von Film- und Fotodokumentationen, Partituren, Notizbüchern, Plakaten und Spielfilmen dem komplexen Werk der heute 78-Jährigen nähert.

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