Mehr als 200 internationale Künstler werden in den Pavillons und im Arsenal erwartet.

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dpa

Venedig. Ab Dienstag werden sich Journalisten aus aller Welt am Canal Grande in Venedig tummeln und in den Pavillons und Palästen nach Trends in der Kunst der Gegenwart Ausschau halten. Am 13. Mai öffnen sich die Türen für das Publikum. Dann hoffen der Biennale-Präsident Paolo Baratta und die Künstlerische Leiterin Christine Macel, dass die Kreativen mit ihrem Werk in eine bessere, friedlichere und humanere Welt verweisen. Mehr als 200 Künstler hinterfragen in allen Medien die Vergangenheit in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Die Biennale-Leitung will sich nicht noch einmal sagen lassen, sie bediene das große Geschäft. 103 der 120 Künstler sind erstmals in der Hauptausstellung vertreten. Die meisten Aussteller im Arsenale kommen aus fremden Ländern, arbeiten höchstens in Deutschland wie Olafur Eliasson oder Kader Attia. Die Ehemaligen der Becher-Schule, die in Frankfurt ihren großen Auftritt haben, bleiben in Venedig außen vor.

Selbst in den nationalen Pavillons backt man oft kleine Brötchen. Oder in kleineren Pavillons versucht man, die Größe subversiv zu unterwandern. Vielleicht ist Vajiko Chachkhiani das beste Beispiel dafür. Er vertritt Georgien und baut ein verlassenes Holzhaus ins Arsenale, bestückt mit simplen Alltagsmöbeln. Aber er stellt die Installation unter Dauerregen, der die Dinge des Lebens wegspülen wird.

Zwischenzeile: Bekannte Kuratoren mischen mit

Der Pavillon wird von Julian Heynen kuratiert, der lange Zeit an den Museen in Krefeld und Düsseldorf gearbeitet hat. Auch andernorts mischen bekannte Kuratoren mit. So betreut Martin Roth, Ex-Direktor des Victoria-Albert-Museums, derzeit Präsident des Ifa-Instituts für Auswärtige Kultur, den Pavillon von Aserbaidschan, einem Land unter einer eher korrupten Regierung. Der Auftritt in Venedig wird von Aserbaidschans First Lady als Präsidentin einer Stiftung finanziert. Man darf gespannt sein, wie Roth mit der Künstlergruppe „Hypnotica“ die Toleranz im Lande wachküssen will.

Viele Künstler betreiben Aufklärungsarbeit. Leonard Qylafi etwa setzt sich mit dem Kommunismus in seiner albanischen Heimat auseinander. Interessant dürfte der Beitrag von Wendelien van Oldenborgh im Rietveld Pavillon der Niederlande sein. Die Künstlerin reflektiert die aktuelle Situation zwischen Weltoffenheit und klein kariertem Nationalismus, die vielfach die Politik bestimmt.

Eine Besonderheit verspricht Irak, indem es in einem Palast bei San Marco 7000 Jahre alte Exponate aus dem Nationalmuseum präsentiert, das nach der Invasion durch amerikanische Truppen 2003 geplündert wurde und erst 2015 wieder eröffnet wurde. Auch Francis Alys ist dort eingeladen, hatte er doch im vergangenen Jahr in Flüchtlichtslagern gearbeitet. Der Künstler im Krieg, der Künstler als Nomade, das ist die traurige Wirklichkeit von heute. Der Pavillon von Österreich schert aus den Zeitgeschichten aus. Hier wird Erwin Wurm Skulpturen präsentieren, die auf keinem Sockel stehen, sondern die benutzt werden können. Wurm teilt den Pavillon mit Brigitte Kowanz, der großen Dame der Lichtkunst, die Kunstlicht mithilfe von Morsezeichen und Codierungssystemen in poetische Räume überführt.

Das deutsche Publikum aber wartet auf Anne Imhof, die den deutschen Pavillon in eine Bühne für die Obsessionen unserer Zeit verwandeln will. Sie ist die erste Performerin in diesen Hallen.

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