Ai Weiwei
Der chinesische Künstler Ai Weiwei am 09.10.2009 in München im Haus der Kunst bei einer Pressekonferenz.

Der chinesische Künstler Ai Weiwei am 09.10.2009 in München im Haus der Kunst bei einer Pressekonferenz.

dpa

Der chinesische Künstler Ai Weiwei am 09.10.2009 in München im Haus der Kunst bei einer Pressekonferenz.

Peking (dpa) - Der Abriss seines neuen Studios in Shanghai ist aus Sicht des berühmten chinesischen Künstlers Ai Weiwei eine Strafe für seine politischen Aktivitäten gewesen. Die Behörden der Hafenstadt hatten das Atelier des Regimekritikers am Dienstag innerhalb eines Tages einreißen lassen.

Nach seinen Informationen ist die Anweisung von der Pekinger Zentralregierung gekommen. Es sei traurig, dass China inzwischen so stark sei, «aber trotzdem keine Kritik vertragen kann», sagte der 53-jährige Künstler. Er stellte Bilder vom Abriss ins Internet, die aber von der Zensur blockiert wurden.

Ai Weiwei war im Oktober vorgeworfen worden, nicht die nötigen Baugenehmigungen zu haben. Vor gut zwei Jahren hatten ihn Shanghaier Stadtfunktionäre noch ausdrücklich aufgefordert, das Studio in einem neuen Künstlerviertel am Stadtrand zu errichten, da sie sich mit dem wohl berühmtesten chinesischen Gegenwartskünstler schmücken wollten. Seither hat sich Ai Weiwei mit Kritik an Menschenrechtsverletzungen in China und seinem Engagement den Zorn des Regimes zugezogen.

Als er am Dienstag hörte, dass die Bagger kommen, war der 53-Jährige sofort nach Shanghai geflogen. Bislang hatten ihm die Behörden mitgeteilt, das Studio erst nach dem chinesischen Neujahrsfest Anfang Februar abreißen zu wollen. «Sie dachten möglicherweise, sie müssten mich nicht mehr informieren, weil sie schon Entschädigung gezahlt haben», sagte Ai Weiwei dem US-Sender Radio Free Asia. Die Entschädigung wurde gezahlt, nachdem lokale Behörden eine Mitschuld an dem Bau eingeräumt hatten. Er soll nach unbestätigten Berichten eine Million US-Dollar gekostet haben.

Schon als er im Herbst von dem geplanten Abriss gehört hatte, lud der Aktionskünstler einige hundert Freunde und Bekannte ins Studio ein, um Flusskrebse zu verspeisen. Auf Chinesisch heißen diese Krebse «Hexie», ähnlich wie das ideologische Konzept von Staats- und Parteichef Hu Jintao von der «Harmonie» (Hexie) in der Gesellschaft. Kritiker benutzen das Wort «harmonisieren» inzwischen im übertragenen Sinne für «zensieren» oder «unterdrückt werden». Die Behörden in Peking, wo Ai Weiwei gewöhnlich wohnt, setzten ihn allerdings mehrere Tage unter Hausarrest, um sein geplantes Fest zu verhindern.

Der bekannte Künstler und Architekt hat auch das «Vogelnest» genannte Olympiastadion mitentworfen, sich aber aus Protest gegen die Propaganda um die Spiele 2008 von seiner Mitarbeit distanziert. Den Behörden ist ferner ein Dorn im Auge, dass Ai Weiwei nach dem verheerenden Erdbeben 2008 in Sichuan die Namen von mehr als 5000 Schulkindern dokumentiert hat, die beim Einsturz von Schulen ums Leben gekommen waren, die meist wegen Pfusch am Bau und Korruption schlecht und unsicher gebaut worden waren.

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