Schloss Sanssouci erhält zehn Bilder nach 65 Jahren zurück.

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Die pralle barocke Maria wurde 1614 in der Werkstatt von Peter Paul Rubens gemalt.

Die pralle barocke Maria wurde 1614 in der Werkstatt von Peter Paul Rubens gemalt.

dpa

Die pralle barocke Maria wurde 1614 in der Werkstatt von Peter Paul Rubens gemalt.

Potsdam. In einem Kinofilm würde man über eine solche Szene den Kopf schütteln: Zu unwahrscheinlich! Doch Samuel Wittwer, bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zuständig für die Ausstattung der Schlösser, ist sie tatsächlich widerfahren: Er konnte am Donnerstag zehn kostbare Gemälde präsentieren, die 65 Jahre verschollen waren und fast unversehrt wieder aufgetaucht sind.

Im März fuhr ein junger Mann in Potsdam vor und hob vier Gemälde aus dem Auto, darunter eine stillende Maria aus der Rubens-Werkstatt sowie eine Kopie seiner Düsseldorfer "Himmelfahrt Mariä". Der Mann hatte laut Wittwer "gar keine richtige Vorstellung, von dem, was er uns brachte".

Die Ehefrau des Kastellans hat die zehn Gemälde 1945 mitgenommen

Diese vier Bilder sowie sechs weitere u.a. von Antoine Pesne, Jean Raoux, Hendrik van Limborch, die noch dazukommen sollten, hingen mit anderen Meisterwerken der flämischen und italienischen Malerei in der Bildergalerie auf Schloss Sanssouci.

Friedrich der Große hatte sie anlegen lassen. 1942 wurden große Teile des Bestandes in Schloss Rheinsberg eingelagert, seit 1945 galten die zehn Gemälde als verschollen.

Nun stellte sich heraus: Die Ehefrau des damaligen Kastellans von Rheinsberg hatte die Werke nach dem Eintreffen der Roten Armee mitgenommen. In ihrer neuen Wohnung hatte sie dafür keinen Platz, gab sie ihrer Schwester in Ost-Berlin zur Verwahrung, sagte aber nicht, was das für Bilder sind.

Als die Schwester 1960 nach Westberlin floh, blieben die Gemälde bei deren Tochter zurück. "Es war eine Erinnerung an die alte Tante, die einst in Rheinsberg lebte", sagte Wittwer.

Die Nachkommen nahmen nun Kontakt zum Berliner Auktionshaus Historia auf. Dort sei anhand der Inventarnummer auf der Rückseite die Herkunft schnell erkannt worden.

Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, appellierte auch an andere Besitzer, bei denen Objekte nach den Kriegswirren gelandet sind. Die Stiftung freue sich über jedes kleine Fragment, "jede Plastiktüte an der Pforte ist uns recht."

Juristische Schwierigkeiten habe man nicht zu befürchten. Und Finderlohn gebe es auch.

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