Löwenkopf (ca. 2. Jahrhundert n. Chr.) aus Najran im Pergamonmuseum in Berlin. Foto: Stephanie Pilick
Löwenkopf (ca. 2. Jahrhundert n. Chr.) aus Najran im Pergamonmuseum in Berlin. Foto: Stephanie Pilick

Löwenkopf (ca. 2. Jahrhundert n. Chr.) aus Najran im Pergamonmuseum in Berlin. Foto: Stephanie Pilick

Kopf eines Mannes aus Bronze (Qaryat al-Faw, 1. Jh. v. Chr. - 2. Jhr. n. Chr.) im Pergamonmuseum in Berlin. Foto: Stephanie Pilick

Statuette des Herakles (1.-3. Jh. n. Chr.). Foto: Stephanie Pilick

Statue eines Mannes und der Kopf einer Statue (beide 3.- 4. Jh.v.Chr.). Foto: Stephanie Pilick

Frühe Menschenbilder aus Stein (4. Jahrtausend v.u.Z.) im Pergamonmuseum in Berlin. Foto: Stephanie Pilick

dpa, Bild 1 von 5

Löwenkopf (ca. 2. Jahrhundert n. Chr.) aus Najran im Pergamonmuseum in Berlin. Foto: Stephanie Pilick

Berlin (dpa) - Saudi-Arabien war lange ein Buch mit sieben Siegeln. Für das islamisch-konservative Königreich begann die eigene Kulturgeschichte erst mit dem Wirken des Propheten Mohammed im 7. Jahrhundert.

Jetzt zeigt das einst so verschlossene Land erstmals den ganzen Reichtum seiner Geschichte. In der Ausstellung «Roads of Arabia» im Berliner Pergamonmuseum sind fast 350 wertvolle Artefakte von der saudischen Halbinsel zu sehen, ergänzt um Kunstschätze aus deutschen Museen.

«Die Ausstellung ist kulturpolitisch eine Sensation und präsentiert bisher völlig unbekannte Zeugnisse der Vor- und Frühgeschichte, des antiken Saudi-Arabiens und der islamischen Zeit», erklärte Michael Eissenhauer als Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin vor der feierlichen Eröffnung am Mittwochabend.

Und der stellvertretende Vorsitzende der saudischen Tourismus- und Antikenkommission, Ali al-Ghabban, versicherte, sein Land sei stolz auf jede Epoche seiner Geschichte. «Was wir heute sind, hat seinen Grund in der Vergangenheit.» Nach den intensiven Ausgrabungsarbeiten der vergangenen Jahre wolle man nun auch die Ergebnisse zeigen: «Es ist nie zu spät.»

Zu den besonderen Schätzen gehören etwa eine goldene Grabmaske aus dem 1. Jahrhundert vor Christus, der in Bronze gegossene Kopf eines Mannes aus der antiken Handelsstadt Qaryat al-Faw und mehrere 6000 Jahre alte Stein- und Grabstelen. Als besonderer Höhepunkt gelten Objekte aus den Heiligtümern des Islam, die erstmals Saudi-Arabien verlassen durften: eine wahrscheinlich aus der Türkei stammende Silberblechtür der Kaaba in Mekka, ein prachtvoll bestickter Vorhang dieses zentralen Heiligtums und wertvolle Goldschriften.

Die Ausstellung war zuvor schon in Paris, Barcelona und Petersburg gezeigt worden. Für Berlin, die einzige Station in Deutschland, wurde sie um wichtige Exponate ergänzt und neu gestaltet. Bundespräsident Christian Wulff und der saudische König Abdullah ibn Abd al-Aziz übernahmen die Schirmherrschaft. «Für mich ist es eine andere, eine neue Ausstellung», sagte Al-Ghabban und machte deutlich, dass Saudi-Arabien vor allem auf eine Ankurbelung des Tourismus hofft.

Nach Einschätzung von Stefan Weber, dem Direktor des federführenden Berliner Museums für Islamische Kunst, ist die neue Offenheit des Landes ein «Riesenmeilenstein». Saudi-Arabien habe sehr viel später als andere mit archäologischen Arbeiten begonnen, viele Zusammenhänge seien noch gar nicht «ergraben«. «Erst in den letzten 40 Jahren gewinnen wir langsam Kenntnis von der Region.»

Im Pergamonmuseum werden die Schätze nun chronologisch und nach ihren Fundstellen geordnet gezeigt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die alten Handels- und Pilgerrouten («Roads of Arabia»), die einst auch für den kulturellen Austausch sorgten. Der Architekt Youssef El Khoury schuf für die Präsentation eine «Ausstellungs-Landschaft», die die Vielfalt Saudi-Arabiens illustrieren soll. Sogar der Fußboden wurde absichtlich rau gestaltet. «Wir hoffen», so Direktor Weber, «dass auch hier Geschichte weiterläuft und Spuren der Ausstellung sich abzeichnen im Boden.»

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer