Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz. Foto: Wolfgang Thieme
Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz. Foto: Wolfgang Thieme

Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz. Foto: Wolfgang Thieme

dpa

Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz. Foto: Wolfgang Thieme

Chemnitz (dpa) - Diese Ausstellung gilt schon jetzt als der nächste große Coup von Ingrid Mössinger: Die Chefin der Kunstsammlungen Chemnitz holt die russischen «Peredwischniki» - zu deutsch: Wandermaler - ab Ende Februar für drei Monate nach Deutschland.

Aus ihrer Sicht ist nun die Zeit reif für den Blick in den Osten - der einstigen DDR-Bürgern durchaus bekannt vorkommen könnte.

Frau Mössinger, ihr Museum zeigt demnächst 90 Gemälde der russischen Künstlergruppe «Peredwischniki» - als einziges Museum im deutschsprachigen Raum. Wie kam es dazu?

Mössinger: «Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Nationalgalerie Stockholm. Russische, schwedische und britische Wissenschaftler haben die Künstlergruppe seit Jahren untersucht und eine Ausstellung konzipiert. Wir hatten über den Kontakt eines deutsch-schwedischen Unternehmers davon Kenntnis erhalten und konnten nach entsprechenden Verhandlungen mit der staatlichen Tretjakow-Galerie in Moskau und dem staatlichen Russischen Museum in St. Petersburg die Ausstellung übernehmen. Verständlicherweise trennen sich diese beiden bedeutenden russischen Museen nur ungern von einer derart großen Anzahl wichtiger Gemälde. Derart umfangreich wurden die Peredwischniki noch nie im deutschsprachigen Raum präsentiert. Diese Gelegenheit wollten wir uns nicht entgehen lassen.»

Ein neuer Höhepunkt Ihrer mittlerweile 15 Chemnitzer Jahre?

Mössinger: «Die Ausstellung "Die Peredwischniki - Maler des russischen Realismus" präsentiert eine außergewöhnliche Epoche russischer Malerei des 19. Jahrhunderts. Sie gehört daher zweifellos zu den Glanzpunkten der letzten 15 Jahre. Zu sehen sein werden etwa Ilja Repins "Wolgatreidler", "Die Saporoscher Kosaken schreiben dem türkischen Sultan einen Brief" und außerdem eines seiner eindrucksvollen Porträts von Leo Tolstoi. Für viele Besucher aus den westlichen Bundesländern dürfte es von großem Interesse sein, gerade die russische Sezession mit den Sezessionsbewegungen in Paris, München und Berlin vergleichen zu können. Es gibt da wirklich einen Nachholbedarf.»

Woran liegt das?

Mössinger: «In der kunsthistorischen Literatur Westeuropas, die sich mit Epochen des 19. Jahrhunderts befasst, findet man verhältnismäßig wenig Information über russische Malerei. Dabei ist das die Epoche berühmter Schriftsteller wie Tolstoi und Dostojewski.»

Wie schwierig war die Finanzierung?

Mössinger: «Generell ist eine umfangreiche Ausstellung ohne Drittmittel unmöglich. Die Peredwischniki gehören zu den sehr aufwendigen Projekten und die Finanzierung ist daher nicht gerade einfach. Umso mehr, als zurzeit immer wieder Sparmaßnahmen drohen.»

Sie sind 1996 nach Chemnitz gekommen, haben Erfolge mit Ausstellungen zu Edvard Munch, Pablo Picasso, Georg Baselitz oder Bob Dylan gefeiert; 2010 wurden die Kunstsammlungen Chemnitz als «Museum des Jahres» geehrt. Wo sehen Sie Ihr Haus heute?

Mössinger: «Damit ist bewiesen, dass wir uns auf weltstädtischem Niveau befinden. Immerhin umfassen die vier Standorte der Kunstsammlungen Chemnitz - das Museum am Theaterplatz mit zahlreichen Werken von Karl Schmidt-Rottluff, Lyonel Feininger, Honoré Daumier, Wolfgang Mattheuer und dem Carlfriedrich-Claus-Archiv, das Museum Gunzenhauser, das Schloßbergmuseum und das Henry-van-de-Velde-Museum in der Villa Esche - rund 180 000 Kunstobjekte.»

Sie haben Ihre Vertragsverlängerung vor einem Jahr und Ihren Verbleib in Chemnitz also noch nicht bereut?

Mössinger: «Nein, bis jetzt noch nicht.»

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