Die Ära Werner Lippert und Petra Wenzel geht zu Ende. Die (vor-)letzte Schau zeigt ein „A-Z“ von Pionieren der Fotografie weltweit.

Guy Bourdin (1928-1991) zeigt im Werbefoto für eine Schuhmarke einen ästhetischen Hochgenuss mit weißen Kartons und einigen Farbakzenten.
Guy Bourdin (1928-1991) zeigt im Werbefoto für eine Schuhmarke einen ästhetischen Hochgenuss mit weißen Kartons und einigen Farbakzenten.

Guy Bourdin (1928-1991) zeigt im Werbefoto für eine Schuhmarke einen ästhetischen Hochgenuss mit weißen Kartons und einigen Farbakzenten.

Guy Bourdin (1928-1991) zeigt im Werbefoto für eine Schuhmarke einen ästhetischen Hochgenuss mit weißen Kartons und einigen Farbakzenten.

Vor Tabus schreckte man im NRW-Forum nicht zurück. Philip-Lorca DiCorcia präsentiert in seinem Foto einen Strichjungen im Spiegel.

Dehniger, Jürgen JD, Bild 1 von 3

Guy Bourdin (1928-1991) zeigt im Werbefoto für eine Schuhmarke einen ästhetischen Hochgenuss mit weißen Kartons und einigen Farbakzenten.

Düsseldorf. Werner Lippert und Petra Wenzel leiteten 15 Jahre lang das NRW-Forum Kultur und Wirtschaft. Nun bereiten sie mit einer fulminanten Foto-Schau „A-Z“ das Ende ihrer Ära vor. Was haben sie nicht alles für aufregende, schillernde und glamouröse Projekte gehabt. Und wer half ihnen alles dabei! Als sie 1998 mit ihrer VW-Schau „Läuft und läuft und läuft“ das Haus im Düsseldorfer Ehrenhof eröffneten, hielt Guggenheim-Chef Thomas Krenz die Eröffnungsrede, und sein damaliger Assistent Max Hollein, heute Museumspapst in Frankfurt, legte die Dias ein. Das Publikum rannte ihnen die Türen ein. 100 000 Gäste kamen im Jahr, allein beim Rockstar Bryan Adams waren es 70 000. Und das bei nur vier fest angestellten Mitarbeitern.

Das Publikum durfte auf dem Laufsteg selbst lustwandeln

Das Duo machte es anderen Häusern vor, wie man Kultur und Wirtschaft kombiniert, ohne zu dienern. Mit einer eigenen Medienagentur im Rücken traten die beiden gar nicht erst als Direktoren auf, sondern als eigenverantwortliche und erfolgsabhängige Ausstellungsmanager. Ihr Modell machte nie Schule, die fest angestellten Museumsleute scheinen es zu fürchten.

Lippert und Wenzel zeigten Ikonen der Fotografie wie Peter Lindbergh und Robert Mappel-thorpe, Robert Capas legendäre Kriegsfotos. Sie machten die Modefotografie hoffähig. Ihr „Mutanten“-Katalog wurde zum Standardwerk der Comic-Avantgarde. Ihre Videoschauen waren im Mix von Kunst-, Werbe- und Musikvideos beispielhaft. Schubladendenken war hingegen verpönt, das Cross-over angesagt. Sie liebten es interdisziplinär und hatten dabei das Publikum vor Augen. Es durfte über den Catwalk lustwandeln, als sei es Teilhaber einer Modenschau. Doch nun ist es aus.

Das Land zieht sich aus der Finanzierung (650 000 Euro) zurück, nur die Stadt bleibt beim Zuschuss von 500 000 Euro. Von einem Foto- museum ist die Rede, dass das benachbarte Museum Kunstpalast bespielt. Aber weder das Kuratorium der Stiftung NRW-Forum noch das des Museums haben zugestimmt.

Die Botschaft aber, die Lippert & Wenzel mit ihrer (vor-)letzten Ausstellung „Foto A-Z“ an alle Gralshüter der deutschen Museumsbranche richten, lautet: Das Foto hat eine eigenständige Ästhetik, die sich nicht in Quadratmetern, nicht in kunsthistorischen Kategorien, nicht nur in der Becherschule, sondern generell in beispielhaften Augenblicken, unerwarteten und lebendigen Bildern aus der ganzen Welt präsentiert.

Wie Guy Bourdin aus einem Werbeschuh Kunst macht

NRW-Forum, Düsseldorf, Ehrenhof 2. Bis 5. Januar 2014, dem Ende des NRW-Forums. Gezeigt werden Fotografen von A wie Araki bis W wie Wall und Z wie Zeitschriften, Letzteres als Defilee von 100 stilprägenden Fotomagazinen.

Dienstag bis Sonntag 11 - 20, Freitag bis 24 Uhr. Tag der Deutschen Einheit (3.10.) 11 bis 20 Uhr. Freitag 20 Uhr kostenlose Führung.

5,80, ermäßigt 3,80, Familienkarte 15,60 Euro.

Werner Lippert kommt von der Konzeptkunst, gilt als früher Biograf von Hans-Peter Feldmann. Petra Wenzel hatte Betriebswirtschaft studiert und eine Ausbildung in der Werbung gemacht. Beide arbeiteten 15 Jahre in der Werbung, gründeten 1995 die Medien-Agentur Projects und zogen auch das NRW-Forum werbemäßig auf.

Gezeigt wurden Mode etwa von Vivienne Westwood, der „Punk-Prinzessin“, Möbel von Verner Panton aus der Pepsi-Cola-Generation, die Retrospektive von Bettina Rheims, Radikale Werbung, Albert Watson und andere.

Ihr Alphabet ist eine Empfehlung an die Nachfolger. Denn von A bis Z zeigen sie mit je einem Künstler pro Buchstaben einen Ausblick auf Fotografen, die sie „immer schon gerne gezeigt hätten“. Es ist ein Who is Who stilprägender Künstler geworden, von der Verwandlungskünstlerin Cindy Sherman zu William Eggleston, dem Erfinder der Farbfotografie und Paul Outerbridge, dem Pionier der Installativen Kunst. Beispielhaft ist Guy Bourdin, dessen Werbefoto für den Damenschuh der Nobelfirma Charles Jourdan so präzise in Szene gesetzt und so witzig ist, dass das Ergebnis ein ästhetischer Genuss ist. Lauter weiße Kartons, ein rot berockter Damenunterkörper und ein rotblauer Schuh. Kunst = Mode.

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