Heinz Mack (l-r), Otto Piene und Günther Uecker 2006 in Düsseldorf. Foto: Horst Ossinger
Heinz Mack (l-r), Otto Piene und Günther Uecker 2006 in Düsseldorf. Foto: Horst Ossinger

Heinz Mack (l-r), Otto Piene und Günther Uecker 2006 in Düsseldorf. Foto: Horst Ossinger

dpa

Heinz Mack (l-r), Otto Piene und Günther Uecker 2006 in Düsseldorf. Foto: Horst Ossinger

Berlin (dpa) - Sie arbeiteten mit Feuer und Wasser, Licht und Rauch, schufen Kunstwerke aus Nägeln, Aluplatten oder Glas.

Die Düsseldorfer Avantgardegruppe ZERO revolutionierte in den 50er und 60er Jahren mit ihrer puristischen Ästhetik das moderne Selbstverständnis von Kunst und entwickelte sich schnell zu einer der international einflussreichsten Kunstbewegungen der Nachkriegszeit.

In einer ungewöhnlichen Gemeinschaftsaktion zwischen New York, Berlin und Amsterdam soll die ZERO-Bewegung jetzt neu gewürdigt werden. «Basierend auf einem mehrjährigen Forschungsprojekt können wir die größte und umfangreichste Ausstellung präsentieren, die es je zu dieser Bewegung gegeben hat», sagt der Direktor der Düsseldorfer ZERO Foundation, Mattijs Visser, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Den Auftakt macht vom 10. Oktober an das renommierte Guggenheim Museum in New York, am 20. März folgt der Martin-Gropius-Bau in Berlin und ab dem 4. Juli ist das Stedelijk in Amsterdam letzte Station. Jede Ausstellung setzt nach Angaben der Veranstalter unterschiedliche Schwerpunkte und soll die Bewegung aus verschiedenen Blickwinkeln vorstellen. Im Gropius-Bau werden auf 3000 Quadratmetern rund 200 Werke von mehr als 40 Künstlern zu sehen sein.

Für Berlin ist die Schau auch eine Wiederbegegnung mit dem großen Lichtmagier Otto Piene, der im Juli mitten in den Vorarbeiten für eine Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie mit 86 Jahren gestorben war. 1957 hatte Piene mit dem heute 83-jährigen Heinz Mack ZERO gegründet. 1961 stieß Günther Uecker (heute 84) dazu. Mit einer Ausstellung des Trios in New York hatte deutsche Kunst 1964 erstmals seit dem Ende der Nazizeit wieder internationales Parkett betreten.

Die Vision des Netzwerks: Nach den Schrecken des Krieges suchten die Künstler einen Neuanfang, eine «Stunde Null» - daher der programmatische Name ZERO. Sie wollten der Vergangenheit eine reinere, hellere Welt entgegensetzen. So entstanden die bekannten «Lichtballette» und andere bewegliche Lichtinstallationen der Gruppe, die mit Licht und Schatten spielenden Nagelbilder von Uecker und später Macks leuchtend bunte «Farbkonstellationen».

Die ZERO-Stiftung hatte 2008 mit einer Galerie-Präsentation in New York die Aufmerksamkeit großer US-Museumsdirektoren für die dort wenig bekannte Kunstrichtung gewonnen. «Als mich dann Richard Armstrong vom Guggenheim Museum auf eine gemeinsame Ausstellung ansprach, haben wir ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen und das Stedelijk Museum als dritten Partner dazu gewonnen», erinnert sich Stiftungsdirektor Visser.

Die Stadt Düsseldorf unterstützt die Forschung und Projektentwicklung der Stiftung langfristig mit insgesamt neun Millionen Euro. Experten besuchten in den vergangenen fünf Jahren Künstler und ihre Archive in ganz Europa. «Wir sind dabei auf viele für uns neue Netzwerke gestoßen», so Visser. «Deshalb können wir in Berlin auch zum Teil völlig in Vergessenheit geratene Namen und Werke präsentieren. Wie zum Beispiel Hermann Goepfert, oder Künstler wie Hans Haacke, die man allgemein nicht ZERO zuordnet.»

Ein Highlight in Berlin wird die raumgreifende historische Gemeinschaftsinstallation «Lichtraum (Hommage à Fontana)», die Mack, Piene & Uecker erstmals 1964 bei der documenta III vorstellten. «ZERO war für die Geschichte der zeitgenössischen Kunst eine der wichtigsten Bewegungen», sagt der Direktor des Gropius-Baus, Gereon Sievernich. «Wir freuen uns, sie in unserem Haus zeigen zu können.»

Für Visser hat die Gruppe noch aus einem anderen Grund große Aktualität. «Den ZERO-Künstlern kam es nicht darauf an zu verkaufen. Ihnen war das Experiment und der Austausch untereinander wichtig», so der Stiftungsdirektor. «Angesichts der heutigen Mechanismen auf dem Kunstmarkt und dem immer stärkeren Konkurrenzdenken kann man bis heute viel von dieser Haltung lernen.»

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