Das Museum Ludwig zeigt 120 Arbeiten von Maria Lassnig.

Maria Lassnigs skurriler „Möglichkeitsspiegel“.
Maria Lassnigs skurriler „Möglichkeitsspiegel“.

Maria Lassnigs skurriler „Möglichkeitsspiegel“.

Museum Ludwig

Maria Lassnigs skurriler „Möglichkeitsspiegel“.

Köln. Wenn sich Maria Lassnig unbeobachtet fühlt, hat sie den Mund leicht geöffnet. Ihre dicke Hornbrille verwandelt ihre Pupillen in Riesenaugen. Das Haar steht ihr meist leicht zu Berge.

Dieses Selbstporträt zeichnet sie mit wachsender Begeisterung. Ihr Ich wird zur Urform, ihr Kopf besteht aus tiefen Höhlen. Im Kölner Museum Ludwig spricht die große alte Dame aus Wien vom "Möglichkeitsspiegel", in dem der Mensch immer wieder neue An- und Aussichten, Chancen und Hoffnungen hat.

Im September wird die Wienerin 90 Jahre alt. In Köln hält sie mit 120 Aquarellen und Zeichnungen Rückschau auf 60 Schöpferjahre. 1951 lernt sie bei einem Paris-Aufenthalt das Informel kennen und deutet es für ihre Bedürfnisse um, als Brennspiegel des eigenen Ichs.

Sie wird für ihren gnadenlosen Blick auf sich selbst bekannt. Sie hat Kontakt zur "Wiener Gruppe" der Literaten um Oswald Wiener. 1968 zieht sie nach Paris, 1970 nach New York, wo sie den Zeichentrickfilm entdeckt. "Couples", "Chairs", "Kantate" und andere Filme werden in Köln gezeigt. Sie bieten einen humorvollen Zugang zu Lassnig, wobei Vorstellungen und Erinnerungen vielschichtig ineinander übergehen.

Leid als Lebensangst und Lust am Leben

Der Spiegel dient ihr als einziger Assistent. In ihm sieht sie ihr Gesicht als Maske, ihre Gestalt als hybrides Wesen, ihre Zukunft vom Sterben gezeichnet. Provokativ wirkt das Bildnis der Greisin. Neuerdings entstehen schreiend bunte psychogrammatische Selbstporträts mit fehlenden oder überbetonten Gliedmaßen. Amorphe Figuren. Z

Köln, Museum Ludwig, bis 14. Juni, di-so 10 - 18, am ersten do in Monat bis 22 Uhr. Katalog (Cantz) 39,90 Euro.

eichnen ist in ihrem Spätwerk eine Auto-Suggestion. "Irgendwann bemerkt das Körperbewusstsein, wie man sitzt. Die verschiedenen Lagen machen einen Knotenpunkt, der eine körperliche Sensation hervorruft", sagt sie.

Im Gegensatz zu den Expressionisten behandelt sie nicht nur das Leid als Lebensangst, sondern die komische Lust am Leben: Der Schrei mutiert zu "Mundgedanken". Bett-Gestalten spielen Mutter und Kind. Die "Oma im Garten" trägt Kerzen auf dem Haar.

Die Alten am Reck marschieren huckepack. Teekannen tragen einen Hitler-Bart. Die "Gartenruhe" ist ein Nachtgespenst. Das Gesicht der Lassnig ist ein Spielball der Zustände und Personen, wird zur Tante, zum Nachtgespenst oder zur "Bruderseele".

Ihre Bildsprache ist pointiert, manchmal drastisch komisch. Die Selbsterkundungen wirken trotz tragischer Züge unmittelbar wie Szenen aus einem Slapstick. Blitzschnell verbinden sich hier Hirn und Hand.

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