Düsseldorf (dpa) - Lucas Cranach der Ältere (1472-1553), höchst geschäftstüchtiger deutscher Renaissance-Maler, wurde lange Zeit nur in zweiter Reihe nach Holbein und Dürer genannt. Denn Cranach lieferte mitsamt seiner Werkstatt Bilder, Porträts und Altarwerke in Massenproduktion.

Doch in jüngster Zeit wurde er wiederentdeckt und in großen Ausstellungen von Paris und London bis München gewürdigt. Seit Mittwoch ist nun die Datenbank www.lucascranach.org freigeschaltet und öffentlich zugänglich. Neun führende Museen in Europa und den USA haben sich unter der Leitung des Cranach-Forschers Gunnar Heydenreich von der Fachhochschule Köln zusammengetan, um ein digitales Werkverzeichnis des Serienmalers zu erstellen.

«Vergessen Sie Caravaggio. Der neue «heiße» Alte Meister ist Lucas Cranach der Ältere», schrieb kürzlich die britische Kunstzeitung «The Art Newspaper». Weltweit sind heute noch mehr als 1500 Gemälde aus der Cranach-Werkstatt erhalten. Allein von Martin Luther stellten Cranach und seine Helfer zahlreiche Porträts her, die in großer Stückzahl in Europa verkauft wurden und damit auch die Ideen der Reformation verbreiteten.

Mehr als 400 Gemälde, über 450 Röntgenaufnahmen, 5000 hochauflösende Abbildungen, 1600 Literaturnachweise und 2000 Textseiten helfen Forschern künftig, den echten von dem Werkstatt-Cranach zu unterscheiden, Fälschungen zu erkennen, und Informationen zu immer wieder neu auf dem Markt auftauchende Werken zu sammeln.

«Die Menge an Material passt in kein gedrucktes Werkverzeichnis», sagte Heydenreich bei der Vorstellung des Projekts im ebenfalls beteiligten Düsseldorfer Museum Kunstpalast. Die Kunsthistoriker müssten nun nicht mehr durch die Museen in London, Paris und München reisen und Aktenschränke durcharbeiten - wenige Mausklicks genügen, und sie können vom heimischen Schreibtisch aus forschen.

Übermalungen, Abschabungen, Reinigungsbeschädigungen an den Bildern können im Internet untersucht werden. Die Luther-Porträts aus diversen Museen oder Privatsammlungen zeigen im Vergleich, dass sie unmöglich aus einer Hand stammen können.

Und ist der auf dem einstigen 1000-DM-Schein abgebildete wildbärtige Mann wirklich der frühere Magdeburger Domherr Johannes Scheyring? «Infrarot-Aufnahmen auf dem Gemälde zeigen Reste einer anderen Inschrift und eines Wappens, die noch nicht zugeordnet werden können», sagt Heydenreich.

Auch die Signaturen können im Internet vergrößert werden. Dabei kommen unterschiedliche Handschriften zutage, die zeigen, dass nicht nur Cranach die Werke signieren durfte.

Die Initiatoren der Datenbank wollen bis zum Ende der Finanzierungsphase durch die New Yorker Mellon Foundation im Jahr 2014 mehr als 1000 Werke Cranachs digitalisieren und dokumentieren. Ähnliche digitale Datenbank-Projekte gibt es in London zum Werk Raffaels und in Den Haag zu Rembrandt.

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