Der Kunstwissenschaftler Stephan Klingen mit dem Titelblatt der Panofsky-Habilitation. Foto: Andreas Gebert
Der Kunstwissenschaftler Stephan Klingen mit dem Titelblatt der Panofsky-Habilitation. Foto: Andreas Gebert

Der Kunstwissenschaftler Stephan Klingen mit dem Titelblatt der Panofsky-Habilitation. Foto: Andreas Gebert

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Der Kunstwissenschaftler Stephan Klingen mit dem Titelblatt der Panofsky-Habilitation. Foto: Andreas Gebert

München (dpa) - Zwei Jahre nach dem Sensationsfund von München ist die Habilitationsschrift des berühmten jüdischen Kunsthistorikers Erwin Panofsky (1892-1968) auf dem Markt.

Die Arbeit mit dem Titel «Die Gestaltungsprincipien Michelangelos, besonders in ihrem Verhältnis zu denen Raffaels» war 2012 zufällig im Keller des Münchner Zentralinstituts für Kunstgeschichte gefunden worden.

Panofsky gilt als einer der wichtigsten und einflussreichsten Kunstwissenschaftler des 20. Jahrhunderts und als «Einstein der Kunstgeschichte». Seine Witwe Gerda Panofsky hat das Manuskript bearbeitet, das Werk herausgegeben und mit einem Vorwort versehen. Sie will auch eine Biografie über ihren verstorbenen Mann auf den Markt bringen.

Schenkt man den Wissenschaftlern Glauben, gehörte die Habilitationsschrift jahrzehntelang zu den großen Mythen der Kunstwissenschaft. Gesehen hatte sie nämlich kaum jemand - geschweige denn gelesen. Jetzt kann jeder sie kaufen, der knapp 100 Euro dafür hinlegen will.

«Es ist nicht der Panofsky, wie man ihn gewohnt ist aus seiner amerikanischen Zeit», sagte Kunsthistoriker Stephan Klingen, der die Arbeit vor zwei Jahren fand, der Nachrichtenagentur dpa. «Die Arbeit ist ein wahnsinnig wichtiger Baustein für seine intellektuelle Biografie.»

Gerda Panofsky schreibt in ihrer Einführung: «In der nachfolgenden Geschichte verflechten sich mehrere story-lines: das Schicksal
eines jüdischen Gelehrten, der mysteriöse Fall einer scheinbaren Veruntreuung und die spektakuläre Trouvaille einer verschollenen Handschrift im Verlies einer süddeutschen Bibliothek.»

Denn nicht nur die Schrift an sich ist von großer Bedeutung, auch ihr Fund war spektakulär: Die Arbeit, mit der Panofsky die Lehrbefähigung als Professor erlangte, lag in einem einstigen Panzerschrank der NSDAP. Für den Schrank gab es keinen Schlüssel, er musste aufgebrochen werden.

Das Zentralinstitut befindet sich in einem ehemaligen Verwaltungsbau der NSDAP und in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen «Führerbau» am Münchner Königsplatz. Wie Panofskys an der Hamburger Universität eingereichte Arbeit in einem dieser Schränke landete, stellt die Wissenschaftler heute noch vor ein Rätsel.

In einer Sache aber sind sie sich sicher: Der 1978 gestorbene Ludwig Heinrich Heydenreich, Gründungsdirektor des Zentralinstitutes, der einst bei Panofsky in Hamburg promovierte, soll dabei eine Schlüsselrolle gespielt haben. In seinem Nachlass nämlich wurde Panofskys Arbeit nun gefunden. «Heydenreichs Rolle wird vermutlich nie ganz aufgeklärt werden», meint Klingen.

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