Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum präsentiert den Maler Gustav Wiethüchter mit seinem gesamten Nachlass.

Ausstellung
„Die Ehe“ nannte Gustav Wiethüchter dieses Lackbild von 1920.

„Die Ehe“ nannte Gustav Wiethüchter dieses Lackbild von 1920.

Museum

„Die Ehe“ nannte Gustav Wiethüchter dieses Lackbild von 1920.

Wuppertal. Das Schicksal ist zuweilen launisch. Dem Maler Gustav Wiethüchter (1873 – 1946) schien sein Haus in Wuppertal-Barmen am Ende des Zweiten Weltkriegs nicht sicher genug für seine Bilder. „Nach den Bombenangriffen 1943 lagerte er seine Kunstwerke aus“, sagt Herbert Pogt, Kurator der neuen Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum. Wiethüchter hat die Bilder in alle Himmelsrichtungen verstreut. Pogt: „Sie waren vor allem in Kassel, Bielefeld und Berlin untergebracht, aber auch in der Schweiz, wo seine Tochter Gisela lebte.“

Ironie des Schicksals: Zerstört wurden die ausgelagerten Bilder

Doch im Rückblick hat Wiethüchter die falsche Entscheidung getroffen. Denn wären die Werke in Barmen geblieben, hätten sie die Kriegsjahre vermutlich unbeschadet überstanden. „Es ist schon eine Ironie des Schicksals“, sagt Pogt. „Wiethüchters Haus wurde nicht getroffen, aber die Gebäude, in denen er seine Werke in Sicherheit glaubte, wurden zerstört.“ Allein die Gemälde und Graphiken, die in der Schweiz lagerten, sind bis heute erhalten.

Nun sind sie erstmals in Wuppertal zu sehen. Seine Enkel Nikolaus und Mathias Bonert überlassen dem Museum den Wiethüchter-Nachlass: persönliche Papiere, Tagebuchaufzeichnungen und natürlich die Gemälde. Die Söhne von Wiethüchters Tochter Gisela trennen sich sogar von Familienfotos, „weil sie keine Nachkommen haben“, sagt Museums-Chef Gerhard Finckh.

Das alles soll die Erinnerung aufleben lassen an einen der führenden Köpfe des Rheinischen Expressionismus, zu dem auch August Macke (1887 – 1914) gehörte. Finckh und Pogt setzen auf eine Mischung, die in dieser Konstellation selten im Kunstmuseum zu finden ist.

Die Fotos und Hefte unterstreichen die Bedeutung des Malers

Die Fotos, Skizzenhefte und Aufsätze („Die kunstpflegerische Aufgabe der deutschen Republik“) umrahmen die eigentlichen Blickfänge: 70 Öl- und Lackbilder, darunter zahlreiche Landschaftsszenen aus den Schweizer Alpen, sind neben 80 Graphiken und Arbeiten von Wiethüchter-Schülern zu sehen.

Gustav Wiethüchter, wurde 1873 in Bielefeld geboren und kam im Jahr 1900 als Lehrer an die Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Barmen. Er hat mehr als 5000 Schüler unterrichtet, der bekannteste ist Jankel Adler. Weil die Franzosen seinen Nachnamen nicht aussprechen konnten, änderte er ihn in „Wieth“. Bis 1933 war er als Künstler erfolgreich, danach geriet er zunehmend in Vergessenheit.
 

Das Wuppertaler Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, zeigt Bilder, Skizzenhefte und Familienfotos von Gustav Wiethüchter vom 25. Januar bis zum 26. Juni. Öffnungszeiten: Di – So 11 bis 18 Uhr, Do 11 bis 20 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (111 Seiten, 15 Euro).
Infos unter Tel. 0202/563 22 23.

Das Wuppertal Museum widmete dem gebürtigen Bielefelder, der von 1900 bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Barmen unterrichtet hat, bereits 1983 eine erste Ausstellung. Diesmal aber unterstreicht der Nachlass noch die Bedeutung des Künstlers: Anleihen an Jugendstil, Expressionismus und Kubismus, aber auch Parallelen zum französischen Impressionismus und abstrakte Aquarelle zeigen, dass Wiethüchter stets im Stil der Zeit blieb.

Wegen seiner alpinen Idyllen gilt er fälschlich als „deutscher Maler“

Schon 15 Jahre vor seinen Kollegen Willi Baumeister, Oskar Schlemmer und Franz Krause habe Wiethüchter mit Lack experimentiert. „Weshalb er heute so gut wie vergessen ist, ist mir ein Rätsel“, sagt Pogt. Es dürfte nicht nur daran liegen, dass viele seiner Werke im Krieg zerstört worden sind. Auch sein Ruf als „deutscher Maler“, der am liebsten Almhütten und alpine Idyllen festhielt, könnte eine Rolle gespielt haben.

„Dabei war Wiethüchter alles andere als ein Nationalsozialist“, so Herbert Pogt. Das zeigen auch Werke, die man neben den zahlreichen leuchtenden Lackbilder leicht übersehen kann. Gerade deshalb lohnt ein Blick auf die zurückhaltenderen Werke am Rande: Ein „Schwarzer“ und ein „Arbeiter“ beweisen, dass Wiethüchter mehr im Sinn hatte als lediglich die vermeintliche Idylle in Berg und Tal.

www.wiethüchter-ausstellung.de

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