'Fundsache:Kramer'
Figur des documenta-Künstlers Harry Kramer im Theaterfiguren-Museum in Lübeck. Foto: Angelika Warmuth

Figur des documenta-Künstlers Harry Kramer im Theaterfiguren-Museum in Lübeck. Foto: Angelika Warmuth

"Gelber Dosenmann" des documenta-Künstlers Harry Kramer im Theaterfiguren-Museum in Lübeck. Foto: Angelika Warmuth

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Figur des documenta-Künstlers Harry Kramer im Theaterfiguren-Museum in Lübeck. Foto: Angelika Warmuth

Lübeck (dpa) - Jahrelang hat das Theaterfigurenmuseum Lübeck Skulpturen des Künstlers Harry Kramer (1925-1997) gezeigt, ohne zu wissen, was für einen Schatz das Haus beherbergt. Dann kam heraus: Die 17 zum Teil skurril anmutenden Figuren galten als verschollen.

Jetzt widmet das Museum den Fundstücken und ihrem Schöpfer eine Sonderausstellung, die am 5. Februar eröffnet wird. Ergänzt werden die Lübecker Exponate durch Leihgaben von Privatsammlern und Museen. Parallel zur Ausstellung veranstalten das Figurentheatermuseum und das Günter-Grass-Haus am 4. und 5. Februar ein Symposium über Kramer, der bis 1992 an der Kunsthochschule Kassel lehrte.

Kramer wurde 1925 in Lingen an der Ems geboren. Er machte zunächst eine Friseurlehre, schlug sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst als Tänzer durch und begann 1952 damit, erste Theaterfiguren aus Draht, Holz und Papier zu konstruieren. Daraus wurde später sein Mechanisches Theater, das er 1956 beim Pariser Festival d'art avantgarde vorstellte.

«Kramer war von Anfang an mehr an der Mechanik der Figuren interessiert als daran, Geschichten zu erzählen. Die deutsche Puppenspielerszene hat er damit eher irritiert», sagte Silke Techau vom Figurentheater in Lübeck am Freitag. In Paris dagegen, wo sich damals die künstlerische Avantgarde traf, war die Szene begeistert von seinen skurril-abstrakten Figuren und Stücken.

Dort lernte Kramer auch Günter Grass kennen, der Ende der 1950er Jahre in Paris am Manuskript für seinen Roman «Die Blechtrommel» arbeitete. Beide wurden Freunde, und Kramers Skulpturen dienten Grass als Anregung für ein Kapitel der Blechtrommel und für das Vogelscheuchenballett in «Hundejahre».

Im Werkverzeichnis galten die Figuren als verschollen. Die Leiterin des Museums, Martina Wagner, sagte: «Der Gründer des Theaterfigurenmuseums, Fritz Fey junior, hatte die Skulpturen von Kramer geschenkt bekommen. Sie waren seither in der Dauerausstellung zu sehen, doch das wusste wohl der Verfasser des Werkverzeichnisses nicht.»

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