Hilla Becher spricht über ihr Leben mit ihrem verstorbenen Mann Bernd Becher und ihre neuen Projekte.

Düsseldorf/Bottrop Hilla Becher hat mit Bernd Becher Fotogeschichte gemacht. Die "Becherschule" machte Düsseldorf berühmt. Seit dem Tod ihres Mannes 2007 war es still um sie geworden. Erst jetzt wird bekannt, dass sie auch mit 75 Jahren anstrengende Foto-Reisen auf sich nimmt oder Ausstellungen organisiert. Im Gespräch berichtet sie über ihr Leben mit Bernd Becher.

"In den 60er Jahren hatten wir ein Polizei-Auto. Das war ein ganz alter Wagen, - der sah aus wie aus Stalingrad, in militärgrün." Im Ausland sei es oft passiert, besonders in England und Frankreich, dass die Leute "Heil Hitler" riefen, "weil der Wagen an die Bilder aus der Wochenschau erinnerte". Das Auto hatte Einsteckfenster. Der Wind fegte durch. "Wir waren ständig erkältet. Dann kam der erste VW-Bus."

Ab Sonntag zeigt Hilla Becher im Museum Bottrop eine erste, eigene Auswahl von Landschaften aus verschiedenen Industrie-Gegenden, die sie mit ihrem Mann gemacht hat. Es sind wunderbare, glasklare Bilder. Dazu sagt sie: "Fotografie ist dem Auge in mancher Beziehung überlegen. Wir sehen nur einen kleinen Ausschnitt scharf." Mit dem Auge könne man niemals eine so große Sache gleichzeitig erfassen. "Wir müssen uns dauernd bewegen, um die Gegend abzutasten."

Wenn Hilla und Bernd die Erlaubnis zum Fotografieren auf den Zechen nur für eine kurze Zeitspanne erhielten, zogen sie mit zwei Kameras los und kabbelten sich bei der Auswertung der Bilder. Sie beschreibt einen der vielen Dialoge mit Bernd: "Ja, siehst du das denn nicht, da ist doch der Mast. Das sieht doch furchtbar aus." Da sagte der andere: "Ja, das stört mich aber nicht. Es ist doch nicht so schlimm wie wenn der Ast da reinhängt." Arbeiten aus dieser Zeit zeigt Becher auch in der Galerie Fischer in Düsseldorf.

Sie pflegten ihre Bilder stets gemeinsam zu signieren. Die Begründung klingt praktisch: "Das hätte gar keinen Zweck gehabt, das auseinander zu halten. Das hätte Mord und Totschlag gegeben."

2008 und 2009 fuhr sie erstmals ohne Bernd Becher, dafür mit dem ehemaligen Meisterschüler ihres Mannes, dem Fotokünstler Chris Durham, nach England. Sie hatten sich beide gut vorbereitet. Becher schildert das Unterfangen so: "Die großen Leitern, die Bernd mitzunehmen pflegte, blieben zu Hause. Wir hatten nur eine kleine Leiter dabei. Manchmal braucht man eben nur ein paar Stufen, um über den Zaun zu gucken. Ich würde jetzt nichts mehr machen, was über ganz lange Zeit entbehrungsreich und schwierig ist. Ich bin gemütlicher geworden."

Warum sie überhaupt noch fahre, wo sie doch fast die ganze Industriewelt im Visier gehabt habe? "Das Reisen und Fotografieren ist nicht nur ein Alptraum, sondern ein Abenteuer. Das macht Spaß."

Im Ruhrgebiet haben Bernd und Hilla Becher ausführlich fotografiert. Ob sie noch einmal in dieser Gegend, gleichsam vor der Haustür, fotografieren würde? "Was mich nach wie vor interessiert, sind Details, Stillleben. Kleine Einheiten. Auch Innenaufnahmen. Da war immer das Problem, dass man uns entweder gar nicht eingelassen hat oder nur sehr kurz." Aber inzwischen müsste doch der Name Becher jedem bekannt sein? Ihre Antwort: "Nicht überall. Also, Michael Jackson sind wir nicht." Ausstellungen: Josef Albers Museum, Im Stadtgarten, Bottrop; Galerie Fischer, Platanenstraße, Düsseldorf.

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