«Sitzende Frau»
Das von den Nazis geraubte Werk «Sitzende Frau» von Henri Matisse gehörte zeitweise zur Kunstsammlung Hermann Görings und war auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt gelangt. Foto: Marc Müller

Das von den Nazis geraubte Werk «Sitzende Frau» von Henri Matisse gehörte zeitweise zur Kunstsammlung Hermann Görings und war auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt gelangt. Foto: Marc Müller

dpa

Das von den Nazis geraubte Werk «Sitzende Frau» von Henri Matisse gehörte zeitweise zur Kunstsammlung Hermann Görings und war auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt gelangt. Foto: Marc Müller

München/Augsburg (dpa) - Im Fall der Sammlung Gurlitt bahnt sich ein Durchbruch an: Das Bild «Sitzende Frau» von Henri Matisse könnte bald zu den Erben des jüdischen Kunsthändlers Paul Rosenberg zurückkehren.

Wohl schon in der kommenden Woche wollen die Anwälte des betagten Kunstsammlers eine Vereinbarung mit den Enkelinnen Rosenbergs, Marianne Rosenberg und Anne Sinclair, unterschreiben.

Das von den Nationalsozialisten geraubte Werk gehörte zeitweise zur Kunstsammlung des führenden Nazi-Politikers Hermann Göring und war auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt gelangt. Die Augsburger Staatsanwaltschaft, die seit der Beschlagnahmung der Sammlung des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt im Februar 2012 im Besitz des Bildes ist, signalisierte ihre Zustimmung zur Einigung in diesem Einzelfall.

«Die Staatsanwaltschaft wird, wenn eine entsprechende Vereinbarung vorgelegt wird, und der Betreuer des Beschuldigten mitteilt, dass aufgrund dessen das Bild herausgegeben werden darf, dies gerne tun», sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Matthias Nickolai am Donnerstag.

Verhandlungen mit weiteren Erben möglicher Nazi-Raubkunst und Gurlitts Anwaltsteam laufen. Die Berliner «Taskforce Schwabinger Kunstfund», die mit zahlreichen Experten die Herkunft der Bilder aus Gurlitts Sammlung klären soll, sei an den Verhandlungen nicht beteiligt, sagte Holzinger.

Ein Ende des Falls Gurlitt ist trotz der Entwicklungen nicht absehbar - ganz im Gegenteil. Denn nach den spektakulären Kunstfunden in München und Salzburg wurde am Mittwoch einmal mehr bekannt: Die Sammlung des 81-Jährigen ist sogar noch größer und wertvoller als bislang angenommen.

Nicht etwa 60, sondern 238 Kunstwerke lagerten in seinem verwahrlosten Anwesen in Salzburg, das viele Medien «Geisterhaus» tauften, wie Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger mitteilte. «Wir haben einen unterschiedlichen Zustand der Werke», sagte er am Donnerstag. «Wir haben Werke, die unbeschädigt sind, und Werke, die der Restaurierung bedürfen.»

Das Ausmaß der Sammlung habe auch Gurlitts Betreuer und sein Anwaltsteam überrascht, betonte er. Die Bilder seien erst Ende Februar beim Ausräumen des Hauses gefunden worden - rund zwei Wochen nachdem dort zum ersten Mal nach Kunstwerken gesucht worden war. Die Sammlung klingt spektakulär, umfasst sie doch Ölgemälde und Aquarelle von Monet, Renoir, Manet, Gauguin, Liebermann, Cézanne und Nolde sowie Zeichnungen von Picasso und Munch. Zu ihrem Wert wollte Holzinger sich nicht äußern. «Eine Spekulation über die Wertigkeit wäre zum jetzigen Zeitpunkt unseriös.» Erst einmal soll es eine solide Herkunftsforschung geben.

Die Taskforce zu Aufklärung des spektakulären Münchner Kunstfunds begrüßte Gurlitts Absicht, NS-Raubkunst an die jüdischen Erben zurückzuerstatten. «Die aktuellen Ereignisse sehe ich im Sinne einer gerechten und fairen Lösung sehr positiv», sagte die Vorsitzende Ingeborg Berggreen-Merkel der Nachrichtenagentur dpa. «Die Möglichkeit, einvernehmliche Lösungen zwischen allen Beteiligten anzustreben, begrüße ich sehr.»

Am Mittwoch hatte Gurlitts Sprecher bekanntgegeben, dass Kunstexperte Hannes Hartung, der Gurlitt bislang im Streit um mögliche Raubkunst vertrat, das Mandat kurzfristig entzogen worden sei. Weiter wollte er diesen Schritt am Donnerstag nicht kommentieren.

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