«Feininger & Marcks»
Gerhard Marcks und Lyonel Feininger - zwei Bauhäusler in Bremen.

Gerhard Marcks und Lyonel Feininger - zwei Bauhäusler in Bremen.

dpa

Gerhard Marcks und Lyonel Feininger - zwei Bauhäusler in Bremen.

Bremen (dpa) - Was haben der Maler Feininger und der Bildhauer Marcks gemeinsam? «Nichts!», würde der Betrachter auf den ersten Blick sagen. Doch die beiden Bauhaus-Meister verbindet mehr als nur eine enge Freundschaft, wie eine Ausstellung im Bremer Gerhard-Marcks-Haus zeigt.

Thüringische Dörfer, gotische Kathedralen und Segelschiffe auf der Ostsee: Den Maler Lyonel Feininger begleiteten diese Motive sein Leben lang. Seine Gemälde entstanden aber nicht auf Staffeleien im Freien. Als Vorlage dienten dem deutsch-amerikanischen Künstler Naturskizzen, die er oft Jahre zuvor angefertigt hatte - oder er malte gleich aus der Erinnerung.

Eine Technik, die auch dem Bildhauer Gerhard Marcks half, sich von den Motiven zu lösen und sie vereinfacht darzustellen. Aber selbst wenn sich die Methoden ähneln, auf den ersten Blick könnten die Werke der beiden Bauhaus-Meister nicht unterschiedlicher sein. In Feiningers Prismenbildern steht die Architektur im Vordergrund, Marcks' Skulpturen zeigen vor allem Menschen.

Doch es gibt Gemeinsamkeiten, wie die neue Ausstellung «Feininger & Marcks: Tradition aus dem Bauhaus» im Bremer Gerhard-Marcks-Haus zeigt. «Beide hatten eine sehr starke Verbindung zur Natur und haben Anregungen aus der dörflichen Umgebung gezogen», erläutert Kuratorin Veronika Wiegartz. Die Ausstellung zeigt vom 23. Januar bis zum 25. April rund 130 Skulpturen, Gemälde, Aquarelle, Holzschnitte und Zeichnungen, die das Schaffen beider Künstler von der frühen Bauhaus-Zeit bis in die 1950er Jahre abbilden.

Feininger (1871-1956) und Marcks (1889-1981) lernen sich 1919 am gerade gegründeten Bauhaus in Weimar kennen, an das sie Walter Gropius als Meister berufen hatte. Feininger hat sich bereits einen Namen als Maler gemacht. Der 18 Jahre jüngere Marcks steht noch am Anfang. Feiningers Naturstudien und Auffassungen von Form inspirieren Marcks, der sich nun ebenfalls den Holzschnitten widmet. In der Ausstellung hängen einige dieser Arbeiten nebeneinander. Die Motive ähneln sich, auch wenn Feininger flächiger und expressionistischer arbeitete und Marcks mehr auf geschlossene Linien setzt.

«Eine Gemeinsamkeit ist der Versuch, das Gesehene in eine vereinfachte Form zu bringen. Beide verlassen das Gegenständliche jedoch nicht», meint Björn Egging, Leiter der Lyonel-Feininger-Galerie in Quedlinburg. Rund 30 Werke hat sein Museum zu der Ausstellung in Bremen beigesteuert.

In den 1950er Jahren vollziehen beide einen stilistischen Wechsel. «Bei Feininger lösen sich die Formen auf, Linien treten zurück», beschreibt Wiegartz. Marcks' Figuren werden kantiger, ornamentaler. Feininger lebt zu dieser Zeit bereits in New York, wohin er 1937 vor den Nazis geflüchtet war. Marcks zog sich damals an die Ostsee zurück und wurde nach dem Krieg zum gefragten Bildhauer - auch in den USA.

Die Freunde bleiben aber in Kontakt. In Briefen erinnern sie sich an ihre gemeinsame Zeit am Bauhaus, schicken sich Fotografien und Skizzen zu und kommentieren die Arbeiten des anderen. «Die Bauhäusler haben sich wunderbar bewährt muss ich sagen! Sie halten zusammen wie Pech», schreibt Marcks in einem Brief an Feiningers Frau Julia.

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