Die Witwe möchte das Archiv und die Sammlung von Beuys nach Düsseldorf holen.

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Kommt das Werk des größten Künstlers des Landes in die Landeshauptstadt zurück? Dies ist der Vorschlag der Familie Beuys.

Kommt das Werk des größten Künstlers des Landes in die Landeshauptstadt zurück? Dies ist der Vorschlag der Familie Beuys.

dpa

Kommt das Werk des größten Künstlers des Landes in die Landeshauptstadt zurück? Dies ist der Vorschlag der Familie Beuys.

Düsseldorf/Bedburg-Hau. In der Staatskanzlei schlug der Brief von Rechtsanwalt Gerhard Pfennig im Auftrag der Familie Eva, Wenzel und Jessyka Beuys wie eine Bombe ein. 19 Jahre nach Gründung der Stiftung Museum Schloss Moyland fordert die Witwe das Beuys-Archiv und einen Teil der Beuys-Arbeiten zurück. Kultur-Staatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff reagiert "erstaunt und bestürzt". Eva Beuys hätte besser daran getan, dies mit der damaligen Regierung zu klären. Er lehnt zugleich den Wunsch der Familie ab, die Schätze von Moyland nach Düsseldorf zu verlagern. Stattdessen will Grosse-Brockhoff "die Angelegenheit juristisch prüfen lassen".

Im Gespräch mit dieser Zeitung gibt der Beuys-Jurist Pfennig die Hauptvorwürfe bekannt. "Die Struktur in Moyland funktioniert nicht. Das fängt damit an, dass man dort ein Archiv und ein Museum unter kompletter Ausschaltung der Familie Beuys betreibt, aber mit den Materialien und Dokumenten des Künstlers."

Ein weiterer Vorwurf sind die "Machtstrukturen". Das Land zahle die Gesamtkosten, immerhin rund drei Millionen Euro im Jahr, der Ministerpräsident werde aber zum zehnjährigen Bestehen des Museums ausgeladen. Es herrsche eine Drittelparität zwischen Schloss-Besitzer, Sammlern und Land, was zur Immobilität in der Leitung des Hauses führe. Es gebe seit Jahren keine Leitung.

Das Fass zum Überlaufen brachte die Schau von Lehmbruck- und Beuys-Zeichnungen in Duisburg, dabei geht es um Urheberrechts-Verletzungen und falsche Werktitel. Eva Beuys und Pfennig folgern daraus, dass die wissenschaftliche Qualität nicht dem Standard entspreche, der heute üblich sei. Außerdem sei das Archiv der Stiftung Museum Schloss Moyland, das schon 1991 eröffnet worden war, noch immer nicht erschlossen, jedenfalls nicht so, wie es sich Forscher und Sammler wünschen.

Überall auf der Welt gebe es große Ausstellungen zu Beuys, im Hamburger Bahnhof, demnächst in K20 und im Guggenheim-Museum, nur in Moyland nicht. Dort dürfe noch nicht einmal die Hängung verändert werden.

Der Vorschlag der Familie Beuys ist eine Chance für Düsseldorf. Eva Beuys möchte das Archiv nach Düsseldorf holen, wo es besser zugänglich wäre. Moyland liege zu dezentral. Die Akademie sollte besser mit dem Archiv zusammenarbeiten. Und Eva Beuys wäre bereit, ihr eigenes Archiv gleichfalls in Düsseldorf zu lassen, unter der Obhut der Kunstsammlung NRW. Das sei der Wille von Joseph Beuys gewesen. Außerdem habe dies schon die Experten-Kommission, die die Landesregierung einberufen hat, ausdrücklich vorgeschlagen. Das Werk des vielleicht wichtigsten Künstlers aus NRW gehöre in die Landeshauptstadt.

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