Frische Tinte
Literatur zum Anfassen gibt es im Cornelia Funke Museum in Berlin.

Literatur zum Anfassen gibt es im Cornelia Funke Museum in Berlin.

dpa

Literatur zum Anfassen gibt es im Cornelia Funke Museum in Berlin.

Berlin (dpa) - Drachensteine, Zwergenschädel und Schlangenköpfe in kleinen Gläsern. In der Mitte eines Hexenhauses steht ein großer schwarzer Topf, in dem Giftfrösche schwimmen. «Die Vorstellung, das zu essen, ist ganz schön eklig», sagt der 9-jährige Yusef und grinst dabei.

Trotzdem hat dem jungen Premierenbesucher die Hütte mit dem gruseligen Inventar am besten gefallen. Yusef ist einer der wenigen, die bei der Eröffnung dabei sein durften: «Frische Tinte - Reckless und was davor geschah» ist die weltweit erste Museumsausstellung zum Werk der Schriftstellerin Cornelia Funke.

Die Schau im Berliner Kindermuseum wurde am Samstag offiziell vorgestellt, am Sonntag können dann auch Besucher zum ersten Mal in die bunte Welt von Funkes Figuren eintauchen. Die Autorin selbst konnte zur Premiere nicht nach Berlin kommen - wegen des Schneechaos hob ihr Flieger in London gar nicht erst ab.

Mit mehr als 50 Büchern gilt die 52-Jährige, die ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen stammt und heute in den USA lebt, als Deutschlands erfolgreichster Literatur-Export: Ihre Werke wurden mittlerweile in über 40 Sprachen übersetzt. Zu ihren bekanntesten Stücken zählen «Hände weg von Mississippi», «Die wilden Hühner» und die «Tintenherz»-Trilogie. Die Geschichten der beliebten Fantasyautorin waren schon im Kino und im Theater zu sehen - nun gibt es acht der Roman-Abenteuer auch zum Anfassen und Mitmachen.

In dem Museum im Berliner Stadtteil Wedding können Tafeln bemalt, Tunnel durchkrabbelt und Höhlen entdeckt werden. Im Mittelpunkt der Schau, die für Kinder im Alter von 4 bis 11 gedacht ist, steht Funkes neuester Roman «Reckless». Hier kommt auch das gruselige Hexenhaus und «Die Bar zum Menschenfresser» vor, in der kleine Holzgewehre und kuschelige Wildschweinköpfe an der Wand hängen.

In der Welt von «Emma und der blaue Dschinn» spielen Kinder mit orientalischen Sitzkissen und bunten Tüchern oder reiten auf einem riesigen Kamel. Aus Lautsprechern tönt die Geschichte von Emma und dem Flaschengeist - wahlweise auf deutsch oder englisch.

Von der ersten Idee bis zur Eröffnung seien zwei Jahre vergangen, berichtet Museums-Geschäftsführerin Roswitha von der Goltz. Am Anfang stand die Frage: «Wie kann man Bücher zu einer Ausstellung machen?» Die Antwort: «In dem man sie liest!», sagt die Leiterin lachend. «Die Bilder purzelten nur so aus unserem Kopf», schwärmt von der Goltz. Bei der Umsetzung wurden die Berliner von rund 20 Hamburger Illustrations-Studenten unterstützt - Berufskollegen von Funke also, denn die war vor ihrer Karriere als Schriftstellerin selbst Illustratorin.

Die Schau, die vom Hauptstadtkulturfonds gefördert wurde, soll noch rund anderthalb Jahre in Berlin zu sehen sein. Die Museumsbesitzer wünschen sich noch eine zweite «Premiere» - dann natürlich mit Cornelia Funke.

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