Christian Megert nimmt innerhalb der Zero-Kunst eine eigenständige Position ein.

Christian Megert nimmt innerhalb der Zero-Kunst eine eigenständige Position ein.
Auf der BUGA 1987 in Düsseldorf war Megerts Werk ein Publikumsmagnet. Später ließ die Stadt die ramponierte Kunst verschrotten.

Auf der BUGA 1987 in Düsseldorf war Megerts Werk ein Publikumsmagnet. Später ließ die Stadt die ramponierte Kunst verschrotten.

Archiv Megert

Auf der BUGA 1987 in Düsseldorf war Megerts Werk ein Publikumsmagnet. Später ließ die Stadt die ramponierte Kunst verschrotten.

Düsseldorf. Am Mittwoch feiert der Spiegelkünstler Christian Megert seinen 80. Geburtstag. Was für Günther Uecker der Nagel ist, ist für ihn der Spiegel. Er ist bekannt und beliebt dafür. Seine Studenten, seine Stuttgarter Galeristin und das Museum Ritter lassen ihn dafür hochleben. Der gebürtige Schweizer nimmt innerhalb von Zero eine eigenständige Position ein. Von der Himmelskunst im Sinne von Otto Piene hält er nichts, wenn er sagt: „Ich bin völlig unromantisch, im Unterschied zu meinen deutschen und französischen Kollegen.“

Der diplomierte Maurer begann als Hochbautechniker mit der Kunst

Wie viele Schweizer ist er von der konkreten Kunst geprägt. Er sah den Aufbau der Welt nach den Maximen des Bauhauses und der Russen der 1920er und 30er Jahre sowie der Stijlgruppe. In seiner Heimat war bis in die 1970er Jahre hinein die Kunst nicht als Beruf anerkannt. Er begann daher als diplomierter Maurer und studierte Hochbautechnik. Konstruktionen sind seine Stärke.

Dennoch gehörte er mit 20 Jahren zur Avantgarde in Bern, wo Daniel Spoerri als Solotänzer agierte und Harald Szeemann im „Einmannkabarett“ auftrat, bevor er einer der berühmtesten Kuratoren wurde. 1961 verfasste Megert sein Glaubensbekenntnis als Spiegelmanifest. Er sagt noch heute: „Ich habe nichts Faszinierenderes gefunden.“

Der Spiegel drückt für ihn die Tiefe des Raumes aus. Er dekonstruiert und notiert die Bewegung. Megert betont: „Mich interessieren keine Brechungen, Beulen oder surreale Fantasiegebilde, sondern die Art, wie der umgebende Raum ins Bild kommt.“ Der Spiegel erzeuge einen „fröhlichen Raum“. Gleichzeitig erklärt er als geborener Pädagoge: „Wenn Sie einen Spiegel gegen einen Spiegel halten, finden Sie einen Raum ohne Ende und Grenzen, einen Raum mit unbeschränkten Möglichkeiten.“

„Ich bin völlig unromantisch, im Unterschied zu meinen deutschen und französischen Kollegen.“

Christian Megert, Künstler

Doch es gab auch Grenzen. Als er sich wie viele Schweizer Künstler Ende der 1950er Jahre in Paris aufhielt, musste er das Land nach dem Algerienkrieg Knall auf Fall verlassen. 3,5 Millionen Algerier drängte es nach Frankreich, weshalb de Gaulle alle Wohnungen von nicht gemeldeten Personen konfiszierte.

Hete Hünermann, die Schwester von Gabriele Henkel, gab Tipps

Christian Megert, Jahrgang 1936, machte eine Maurerlehre und besuchte anschließend von 1952 bis 1956 das Politechnikum, heute vergleichbar mit einer Kunstgewerbeschule. 1957 bis 1959 lebte er in Paris und lernte Heinz Mack kennen, der ihn nach Düsseldorf einlud. Megert lebt in Düsseldorf und Bern.

Megert ist Mitbegründer der Gruppe „Nouvelle Ecole Européenne in Lausanne und der Galerie Aktuell in Bern, die als Künstler-Kollektiv aktuelle Tendenzen in der Kunst förderte. Seit 1962 organisierte er Zero-Ausstellungen in der Schweiz.

Der Künstler nahm mit einem Spiegelraum an der Documenta IV in Kassel teil. Heute ist er international gefragt.

1973 landete Megert in Düsseldorf. Für die Schweizer Künstlerkolonie war die florierende Werbeagentur Gerstner, Gredinger und Kutter (GGK) eine Anlaufstelle. Und wie so oft in der Biografie der Kreativen war auch Hete Hünermann, Schwester von Gabriele Henkel, mit im Spiel. Sie war Empfangsdame bei GGK und gab Megert den Tipp für eine alte Schule im Schwarzbachtal, seiner ersten Adresse in Deutschland. 1976 wurde er Kunstakademie-Professor. 1979 zog er ins Düsseldorfer Atelier von Dieter Roth, der dort zuvor Schokolade und Hasenköttel in Kunst verwandelt hatte.

Wie genau Megert noch heute arbeitet, wird an seinen Zoom-Objekten deutlich. Da werden Folien in Kästen gespannt, Gebläse mit Blasebalg installiert und Motoren eingesetzt, die die Räume scheinbar vergrößern oder verkleinern. Seine begehbaren Spiegelräume scheinen den Blick unendlich in die Tiefe zu staffeln, so dass der Besucher meint, ihm werde der Boden unter den Füßen weggezogen.

Zooms verändern die Brennweite der Folien, so dass Räume wachsen und vergehen. Auch Lichtschlitze sorgen dafür, dass sich Räume potenzieren. Zu seinem technischen Equipment gehören Motoren, Pneumatik, Ventilatoren und Vorschaltgeräte.

Die Spiegel verankert er oben und unten in Kugellagern, damit sie sich um ihre eigene Achse drehen. In Stahl gerahmt, sind sie flexible Teile einer rechtwinkligen, vertikal-horizontalen Konstruktion, die in 90-Grad-Winkeln ineinandergeschachtelt ist.

Wie die Stadt Düsseldorf ein kostbares Werk verschrottete

Zur Bundesgartenschau 1987 in Düsseldorf baute er so eine Installation mit fünf beweglichen und betretbaren Spiegeltüren. Nun schienen dem Betrachter in den Spiegeln Himmel und Erde, Natur und Mensch zusammenzufallen. Rund fünf Millionen Besucher liefen begeistert durch das Gestell, bis die Spiegel durchgegriffen und der Stahlbau am Boden abgewetzt war.

Die Stadt hätte damals ganze 9000 Mark für Reparatur und Transport ausgeben müssen. Sie tat es nicht, die Kunst wurde verschrottet. Heute wäre sie Goldes wert, denn Megerts Werke sind sehr gefragt.

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