Georg Baselitz vor seiner Skulptur "BDM Gruppe" im Haus der Kunst in München. Foto: Andreas Gebert
Georg Baselitz vor seiner Skulptur "BDM Gruppe" im Haus der Kunst in München. Foto: Andreas Gebert

Georg Baselitz vor seiner Skulptur "BDM Gruppe" im Haus der Kunst in München. Foto: Andreas Gebert

Georg Baselitz in der Ausstellung "Georg Baselitz - Damals, dazwischen und heute" in München. Foto: Andreas Gebert

Die Skulptur "Zero Ende" von Georg Baselitz im Haus der Kunst in München. Foto: Andreas Gebert

dpa, Bild 1 von 3

Georg Baselitz vor seiner Skulptur "BDM Gruppe" im Haus der Kunst in München. Foto: Andreas Gebert

München (dpa) - Georg Baselitz wurde berühmt für Bilder, die auf dem Kopf stehen. Jetzt malt er schwarz: Das Haus der Kunst in München zeigt von diesem Freitag an eine große Ausstellung mit Werken des Künstlers. Der Titel: «Damals, dazwischen und heute».

Was nach Retrospektive klingt, soll aber keine sein. Auch wenn Werke aus den vergangenen 50 Jahren ausgestellt werden, stehen im Mittelpunkt die sogenannten «Schwarzen Bilder» aus der jüngsten Schaffensphase des Malers. Dafür hat Baselitz Farben so lange mit schwarz gemischt, bis nur noch ein Hauch von ihnen zu sehen war. Der Hintergrund und das Motiv verschwimmen fast bis zur Unkenntlichkeit.

Nach Ansicht von Kurator Ulrich Wilmes nimmt Baselitz' Schwarzmalerei «im reichen Werk eines so berühmten Künstlers eine besondere Stellung» ein, Museumsdirektor Okwui Enwezor spricht gar von einem Meilenstein. «In den "Schwarzen Bildern" hat Baselitz seine Bildsprache weiter radikalisiert: Ziel ist die Eliminierung jedes sichtbaren Kontrasts.»

Die berühmten stürzenden Adler, von denen Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bekanntermaßen einen hinterm Schreibtisch hängen hatte, sind nur gerade noch zu erkennen. «Die eruptive Qualität seiner Malerei ist noch vorhanden, doch nun scheint sie auf magische Weise besänftigt», schreibt das Haus der Kunst in der Ausstellungsankündigung.

Von einer Altersmilde will der 76-jährige Baselitz selbst dagegen nichts wissen: «Das hat nichts zu tun mit Psychologie oder Alterswerk. Es ist ein Experiment», sagte er am Donnerstag bei der Präsentation der Ausstellung. «Wann man mit dem Alterswerk anfängt, weiß ich nicht. Aber ich denke, ich bin noch nicht so weit.» Fast mit geschlossenen Augen habe er die schwarzen Adler gemalt, sagt er. «Mir ging es darum, die Grenzen von einem Bild zu verschieben.» Das Motiv an sich habe bei ihm nie eine große Rolle gespielt, erklärt er. Die Anzahl der unterschiedlichen Motive sei ja auch sehr überschaubar. «Vordergründig ist die Methode», sagt er. Und: «Ich habe den Expressionisten in mir versucht, zu verstecken.»

Zweiter Schwerpunkt der Ausstellung, die bis zum 1. Februar 2015 zu sehen ist und auch auf die klassischen, auf dem Kopf stehenden Baselitz-Adler in Farbe nicht verzichtet, sind Baselitz' überlebensgroße Bronze-Skulpturen, die er erst in Holz schnitzt und dann in Bronze gießt. Die dunklen Figuren bilden fast eine ästhetische Einheit mit den «Schwarzen Bildern».

Das beeindruckendste bildhauerische Werk der Ausstellung ist die «BDM Gruppe», drei große, schwarze Figuren, die nach Angaben des Museums von Baselitz' Schwester und deren Mitgliedschaft in der Nazi-Organisation Bund Deutscher Mädel (BDM) inspiriert ist. Der Künstler selbst nennt noch eine ganz andere Motivation für die überdimensionalen Skulpturen, die seit 2011 parallel zu den «Schwarzen Bildern» entstanden: «Wenn man älter wird, wird man dumm und gibt gerne an mit physischer Kraft», sagte er. «Das ist auch mein Antrieb.»

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