Sechs Künstler der Gruppe "HobbypopMuseum" persiflieren deutsche und indische Kultur. Sie verulken Hindu-Götter und Pop-Stars.

HobbypopMuseum in Bochum
Die sechs Künstler der Gruppe "HobbypopMuseum".

Die sechs Künstler der Gruppe "HobbypopMuseum".

Matthias Lahme

Die sechs Künstler der Gruppe "HobbypopMuseum".

Bochum. Im Kunstmuseum Bochum ist das Indien-Fieber in einem flippigen Verschnitt der Künstlergruppe "HobbypopMuseum" ausgebrochen. Sechs Künstler revanchieren sich mit einer Ulknummer für ihren Aufenthalt in der indischen Metropole Mumbai (auf Einladung der Kunststiftung NRW), indem sie indische Götter und europäische Pop-Kultur tüchtig miteinander vermischen. Schon auf der Treppe zur alternativen Schau begrüßt eine winkende Göttin Shiva, die der Dragqueen Conchita Wurst verteufelt ähnlich aussieht. Die Diva mit Vollbart und androgynem Körper scheint vom Siegertreppchen nach dem Gewinn des ESC direkt ins Gewand der hinduistischen Gottheit geschlüpft zu sein und winkt nun mit mehreren Armen.

Die quirlige, ideenreiche Gruppe, die einst aus der Kunstakademie Düsseldorf entstanden ist, gibt sich naiv, aber hat es faustdick hinter den Ohren. Ihr scheinbar flüchtiger Realismus ist voller subversiver Töne. Sie kennt sich aus im Schön-Malen, um die darniederliegende Malerei zu persiflieren. Dass sie das Museum auf die Schippe nimmt, wird in Bochum überdeutlich angesichts einer betulichen Indien-Ausstellung. Dagegen inszenieren die sechs Künstler ihr eigenes Atelier, wo alles anders ist als in einer normalen Ausstellung.

Gleich das gezackte Entree ist ein Verweis auf den Taj Mahal, nur nicht in weißem Marmor, sondern in weißem Papier. Die Farbtöpfe und sonstigen Utensilien stehen auf Malerfilz zur Schau. Mittenmang ist eine große Leinentasche abgestellt, in der die Künstler ihre fein gefalteten und verstauten Leinwände nach Bochum brachten.

rn als Rüssel. Daneben trifft der Besucher auf eine Männersippe, die die Brüste einer Frau anbetet. Das Bild geht aus einem Erlebnis im Eisenbahnwaggon zurück, wo sich die Männer recht liebevoll der Marie-Céline Schäfer näherten. Vis à vis tuckert eine Eisenbahn, die von der Bochumer Musical-Bühne kommen könnte, spielt man doch in der einstigen Opel-Stadt nun schon seit 26 Jahren Starlight Express. Auf der Hobbypop-Bahn grüßt Krischna als Cartoonfigur.

Hobbypop besteht aus Selbstversorgern. Da man vor Ort malt oder alles in der Tragetasche mitbringt, fallen weder Transport- noch Personalkosten an. Marie-Céline Schäfer konstruiert den Ventilator und hängt ihn unter der Kastendecke als fantastisches Objekt. Klangkünstler Christian Jendreiko loopt die ersten zwei Gitarrenakkorde von George Harrison aus dem Hit „My Sweet Lord“ in den Raum. Harrison war der erste, der Indien in die Jugendkultur einschleuste.

Es gibt scheinbar romantische Töne, wenn Sophie von Hellermann Badende im Ganges am Sterbe-Ort Varanasi malt und über die diesige Atmosphäre eine stechend rote Sonne aufgehen lässt. Matthias Lahme klebt eine große, fette Papierfliege neben das Gemälde. Dietmar Lutz, Schnellmaler wie Sophie, zaubert einen Freddy Mercury aus der Rockgruppe „Queen“ an die Wand, im bauschigen Oberteil und mit langem Finger gen Himmel. Freddy war einer der ersten Aids-Toten.

Die Hobbypopkünstler sind Profis. Sie arbeiten auch allein, sind Dozenten für Musik, Architekten und bildende Künstler. Gleich nach der Vernissage flogen Sophie & Lutz zur eigenen Schau nach London. Sophie war 2001 vom Galeristenguru Saatchi entdeckt worden. Die Tochter eines Kernphysikers hatte Ende der 1990er Jahre ihr Maleratelier in Düsseldorf mit Clochards geteilt. Sie malt seitdem Bilder mit atmosphärischer Luft, wobei man nicht genau weiß, ob dies von der stickigen Luft am Ganges oder von ihrem zugigen Loft in London stammt. Und Lutz zaubert mal eben den Dschungel oder den Niederrhein auf die Wand.

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