Armin Mueller-Stahl zeigt in Düsseldorf übermalte Drehbuchseiten zu dem Film „Die Buddenbrooks“.

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Armin Mueller-Stahl, umzingelt vom Personenschützer und Reportern.

Armin Mueller-Stahl, umzingelt vom Personenschützer und Reportern.

Judith Michaelis

Armin Mueller-Stahl, umzingelt vom Personenschützer und Reportern.

Düsseldorf. Für Armin Mueller-Stahl sind Blitzlichter und Menschenaufläufe nichts Ungewöhnliches. Wie ein Fels stand er am Freitag in der Brandung der Journalisten und Kameraleute. Ganz der Konsul Jean Buddenbrook von Thomas Mann, den er im Film verkörpert hat.

Ruhig und gelassen verfolgt er den Wirbel, der um seine Person veranstaltet wird. Seine Größe scheint in seiner Ruhe zu liegen. In diesen "Momenten der Stille", wie er nennt, zwischen den Drehzeiten die Drehpausen zum Buddenbrook-Film nennt, entstanden 357 Blätter. Davon sind 173 im NRW-Forum ausgestellt.

Am Anfang steht der Abschied von den Freunden in der DDR

Den Auftakt zur Ausstellung machen sehr persönliche Großgemälde. Das graueste kündet vom Abschied aus der DDR 1979. Wie im Nebel lässt er das Geschehen am Betrachter vorbeiziehen. Er, einst der Lieblingsschauspieler der Ossis, hatte 1976 gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR protestiert.

Als er zweieinhalb Jahre später ausreiste, erhielt er von keinem einzigen Kollegen ein Dankeswort. In den 1990er Jahren, inzwischen ein gefeierter Künstler in Hollywood, blickte er in seine Stasi-Akten und malte ein weiteres Bild: Es zeigt sechs leere Stühle. Er habe früher sechs Freunde gehabt. So viele Stühle brauche er nicht mehr. Man habe ihn verraten.

"In meinem Alter ist Abschied ein sehr bewegendes Thema", sagt er wie nebenbei. Er habe jedoch die Konsequenz gezogen und nie mehr eine Bühne betreten.

Armin Müller-Stahl, geboren 1930 in Ostpreußen, gefeierter Charakterdarsteller der DDR, 1990 Hollywood (seither "Mueller-Stahl"), lebt in Kalifornien, Berlin und Schleswig-Holstein.

Zeichnungen, Gemälde, Aquarelle aus der Zeit der Neuverfilmung der "Buddenbrooks" mit ihm als Konsul. NRW-Forum, Ehrenhof, bis 27. September di-so 11-20, fr bis 20 Uhr.

Warum er sich als Violinspieler und Maler für die Schauspielerei entschieden habe? "Es war ein sentimentaler Gedanke, meinem Vater zu folgen. Mein Vater wollte gern Schauspieler werden. Aber er musste fünf Kinder ernähren. Und am Ende des Krieges ist er umgekommen."

Die Bilder nennt er eine Art Therapie

Nach 25 Jahren Theater und 140 Filmen lasse er mit 79 Jahren das Schauspielen "langsam auslaufen" und widme sich umso lieber der Malerei: "Als ich drei Jahre alt war, habe ich damit begonnen. Meine Großmutter hielt den Kochtopf in der einen Hand und den Pinsel in der anderen. Sie hat mir beigebracht, schnell zu sein."

Heute skizziert der Künstler Silhouetten, Bewegungen und Szenen mit einem so flotten Strich, als habe er sein Lebtag nichts anderes gemacht als die menschliche Psyche zu zeichnen. Eine ungewöhnliche Nase, eine lange Pfeife können der Anlass sein. Er selbst taucht auf diesen Blättern als etwas aufgequollener Herr auf, der die jungen Mädchen und ihre Kavaliere gekonnt fixiert.

Er liebt Andeutungen, wenn sich der Galan mit dem großen Hut über das junge Mädchen beugt, als werde er es gleich auslöschen. Sein Alter ego bleibt am Bildrand und genießt es, wenn sich an sein dunkel getuschtes Gesicht eine schlafende junge Frau schmiegt.

Ganz leicht, wie hingehaucht, sind diese sensiblen Blätter. "Die Bilder sind eine Art Erholung und eine Therapie. Ich bin von der Teamarbeit befreit. Ich bin nur mit mir beschäftigt." Wenn sich die Blätter nicht sofort entziffern lassen, so habe das Methode: "In der DDR hat man trainiert, wie man die verschlüsselten Botschaften hinter den offiziellen Verlautbarungen lesen muss."

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