Katharina Fritsch, Düsseldorfs derzeit bedeutendste Bildhauerin, stellt in den Hamburger Deichtorhallen aus.

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Der Düsseldorfer Bildhauerin Katharina Fritsch ist eine große Retrospektive in Hamburg gewidmet.

Der Düsseldorfer Bildhauerin Katharina Fritsch ist eine große Retrospektive in Hamburg gewidmet.

dpa

Der Düsseldorfer Bildhauerin Katharina Fritsch ist eine große Retrospektive in Hamburg gewidmet.

Hamburg/Düsseldorf. Katharina Fritsch ist eine Künstlerin jenseits von Trends und Theorien. Mit traumwandlerischer Sicherheit ist sie seit den 80er Jahren den realen Dingen auf der Spur, die sie stilisiert, vergrößert, verfärbt und in einen strengen Minimalismus überführt.

1987 wurde sie schlagartig mit einem grünen Elefanten bekannt. Das Tier war der Abguss eines Abgusses aus dem Bonner Museum Alexander Koenig, hergestellt nach einem Original aus dem Wuppertaler Zoo.

Fritsch versah den Neuen mit einem künstlichen Farbton und stellte ihn auf ein hohes, ellipsenförmiges Podest. Als er zur Eröffnung von K 21 in Düsseldorf auftauchte, wurde er zum Liebling der staunenden Besucher. Jetzt ist der Elefant in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen.

Der stumme Diener vor der Kulisse des Schwarzwaldhauses

Die Künstlerin ist der Technik des Abgießens und Abbildens realer Dinge treu geblieben. Ihr hellgelber Koch, der am Eingang zu den Hamburger Deichtorhallen den Gast in Lebensgröße empfängt, ist leicht vornüber gebeugt. Die linke Hand hat er auf dem Rücken, mit der rechten präsentiert er den Speiseteller.

Fritsch hat die Figur von einem Foto genommen, im dreidimensionalen Scan-Verfahren millimetergenau "ausdrucken" lassen und anschließend seine Oberfläche behandelt. Der stumme Diener mit der devoten Haltung steht vor einer wandfüllenden Fotografie des Schwarzwaldhauses im Neandertal.

Von dort stammt auch der "Neandertaler" mit Knüppel, den die Künstlerin in einen grauen Polyester-Riesen verwandelte, mit einem lebensnahen, ernsten Gesicht versah und samt-grau patinierte.

Die Oberflächenbehandlung hat bei ihr eine besondere Bedeutung. Der teuflisch rote "Händler" lässt sich ebenso wenig wie der Mönch unter die Linse nehmen. Es ist, als würden alle Blicke und alle Linsen an derlei Figuren abprallen. So wirken sie wie Erscheinungen im Raum. Glasklar, präzise, makellos und trotz ihres Realismus von immaterieller Schwerelosigkeit.

Sie treten selbstverständlich auf und sind doch erschreckend. Das gilt für die "Skelettfüße" vor dem grünen Postkartenmotiv, den Totenkopf mit Zylinder, die lautlos an der Decke schwebenden Schirme und die Tischgesellschaft der 32 identischen, männlichen Figuren am endlos langen Tisch.

Die Angst, das Obsessive, die Rätselhaftigkeit, das Heilige wie das Scheinheilige, der Teufel, der Mönch und die Madonna, das Anziehende und Abstoßende, das enorm vergrößerte Gehirn oder die schimmernden, leeren Bildobjekte gehören zu dieser Kunst. Selbst die "Frau mit Hund" aus zerbrechlichen, rosaroten Muschelformen ist ein Prototyp des Unangreifbaren.

Die Künstlerin, die bislang in Münster lehrt, wird sich in diesem Jahr vermehrt auf ihre Düsseldorfer Wirkungsstätte konzentrieren. Den Auftakt machen ein Gespräch am 3. März mit Marion Ackerman in K 21, eine Schau ihrer Studenten ab 6. März im KIT und die Teilnahme an einer Quadriennale ab 11. September.

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