Das Max Ernst Museum in Brühl zeigt die Französin Niki de Saint Phalle.

Niki de Saint Phalle
Schwungvolle Nana, 1969.

Schwungvolle Nana, 1969.

Niki de Saint Phalle 1963/64 in ihrem Atelier in Soisy-Ecole.

Niki Charitable Art Foundation, Bild 1 von 2

Schwungvolle Nana, 1969.

Brühl. Niki de Saint Phalle (1930-2002) war schön, intelligent und sensibel. Nach einer traumatisierenden Kindheit in einem Schloss bei Paris – der Vater missbrauchte sie im Alter von elf jahren – geriet sie in den Kreis der Neuen Realisten, deren Hauptvertreter Jean Tinguely sie 1971 heiratete. Ihre Nanas, Urfrauen aus farbig bemaltem Polyester, machten sie berühmt. Ihre Retrospektive im Max Ernst Museum trägt den Titel „Spiel mit mir“, der sich auf eines ihrer ersten Bilder bezieht. Denn trotz feministischer Aspekte sind ihre 80 Bilder und Skulpturen voller Humor.

Sie hatte mehrere Nervenzusammenbrüchen hinter sich, als sie mit 26 Jahren ihre ersten, scheinbar naiven Bilder schuf, mit denen die Brühler Schau beginnt. Die Autodidaktin schaute jedoch beizeiten ihren Freunden Daniel Spoerri und Yves Klein über die Schulter, holte sich Materialien vom Flohmarkt und bastelte Collagen. 1956 entstand ihr Selbstporträt: eine pinkfarbene Braut mit Kaffeebohnen im weißen Gipshaar, Brüsten mit Steinchen und dem Kopf aus einem Farbdeckel. Den Hintergrund kupferte sie von Tröpfchenbildern Jackson Pollocks ab. Kurz danach entstanden die ersten Schießbilder. Sie nähte in ihre Bilder Farbbeutel, schoss darauf und brachte sie zum farbenfrohen Weinen. 1966 erregte sie Aufsehen, als sie in Stockholm das Riesenweib Hon präsentierte. Besucher krochen durch eine Polyestervagina ins Innere des Frauenleibs und erlebten jene Mischung aus Spuk, Gruselkabinett und Spott, die die Femme fatale liebte. Dazu sind kleinere Modelle zu sehen.

Entwürfe lassen ihre Außen-skulpturen ahnen – in ihrem italienischen Tarotgarten, vor dem Pariser Centre Pompidou, in der Duisburger Einkaufsmeile und im Skulpturengarten in Jerusalem. 2000 erhielt sie den Praemium Imperiale, den Nobelpreis der Kunstwelt. 2001 schenkte sie Hannover 360 Arbeiten. Von dort, aus den Museen in Paris und Nizza sowie aus der Sammlung Würth kommen die Schätze dieser Ausstellung.

Brühl, Max-Ernst-Allee 1, bis 3. Juni, Di-So 11-18 h, Eintritt 5 Euro.

maxernstmuseum.lvr.de

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