Das Atelier von August Macke mit der Reproduktion eines Wandbildes von Macke und Franz Marc in Bonn. Foto: Henning Kaiser
Das Atelier von August Macke mit der Reproduktion eines Wandbildes von Macke und Franz Marc in Bonn. Foto: Henning Kaiser

Das Atelier von August Macke mit der Reproduktion eines Wandbildes von Macke und Franz Marc in Bonn. Foto: Henning Kaiser

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Das Atelier von August Macke mit der Reproduktion eines Wandbildes von Macke und Franz Marc in Bonn. Foto: Henning Kaiser

Bonn (dpa) - Vielleicht sind es die wunderbar leuchtenden Farben oder die idyllisch anmutenden Motive von Gärten, Familien und Flaneuren, die August Macke so begehrt machen. Die Werke voller Lebensfreude des expressionistischen Malers, der zeitweise dem «Blauen Reiter» angehörte, sind heute heiß begehrt.

Vor 125 Jahre, am 3. Januar 1887, wurde Macke in Meschede im Sauerland geboren. Viel zu jung - mit nur 27 Jahren - starb er bereits 1914 in Frankreich. Macke, der in Köln aufwuchs und seine Hauptwerke in Bonn malte, war wie kaum ein anderer ein Netzwerker der Avantgarde des beginnenden 20. Jahrhunderts. «Er war eine ganz wichtige Mittlerfigur im avantgardistischen Kunstgeschehen vor dem Ersten Weltkrieg», sagt Klara Drenker-Nagels, Direktorin des August-Macke-Hauses in Bonn.

Trotz seines frühen Todes hinterließ Macke ein riesiges Werk von fast 600 Ölgemälden, 600 Aquarellen und rund 9000 Zeichnungen und Skizzen. In der Bonner Nordstadt steht das Haus, in dem der Maler der «heilen Welt» seine produktivste Phase hatte. Er musste nur aus dem Fenster seines Ateliers im Dachgeschoss in den parkähnlichen Garten schauen, um Motive zu finden. Die ehemalige Bundeshauptstadt aber ging recht stiefmütterlich mit dem ehemaligen Wohnhaus um.

Nach dem Tod von Mackes Frau Elisabeth 1978 interessierte sich niemand für das Haus. Das riesige türkis-grüne Wandbild «Paradies», das Macke mit seinem Freund Franz Marc gemeinsam auf den Putz gemalt hatte, kaufte das Westfälische Landesmuseum Münster für 400 000 Mark. Auf einem Tieflader wurde es 1980 abtransportiert. Erst seit Beginn der 90er Jahre ist das Haus mit dem Atelier als Museum zugänglich und wird heute von einer Stiftung getragen.

Sein Studium an der im Jahr 1904 noch rückwärtsgewandten Kunstakademie in Düsseldorf erfüllte Macke nicht, er hasste das fortwährende «Kopieren von Gipsklamotten» und besuchte parallel Abendkurse an der Kunstgewerbeschule. Aufregender war auch der Kontakt zum Düsseldorfer Schauspielhaus, wo er bald schon Kostüme und Bühnenbilder entwarf.

Macke heiratete seine Jugendliebe Elisabeth und lebte ein Jahr (1910/11) mit ihr am Tegernsee. In Bayern lernte er auch Franz Marc kennen und schmiedete mit ihm Strategien für die Verbreitung der Avantgarde-Kunst in Deutschland. Zwar beteiligte sich Macke an zwei Ausstellungen des «Blauen Reiters» und sorgte dafür, dass die erste Schau auch nach Köln kam. Doch wurde er mit Kandinsky und dessen Streben nach Vergeistigung und Abstraktion nie so recht warm.

Auch ein «typischer» Expressionist war Macke nicht. Ihm fehlte die innere Zerrissenheit und Radikalität, er provozierte nicht mit seiner Kunst. «Aus ihm quoll es unablässig heraus», sagt Drenker-Nagels. «Er liebte das Leben und war ihm zugewandt.»

Viel stärker als Deutschland prägte Frankreich den Maler. «Macke übersetzte die französische Kunstsprache ins Deutsche», sagt Drenker-Nagels. Katalysator war die große Matisse-Ausstellung in München 1910. Vor allem aber prägte ihn der Kontakt zu Robert Delaunay, der ihn in Bonn auch mal zu einem feuchtfröhlichen Abend besuchte. Die strahlkräftigen, zersplitterten Farbkompositionen bei Delaunay sind eine Offenbarung für Macke. Sie inspirierten ihn bei seinen Schaufenster-Bildern und abstrakten Kompositionen.

Macke wollte die Expressionisten im Rheinland zusammenbringen und Düsseldorf als Kunstzentrum zu neuem Glanz verhelfen. Als Mitorganisator der berühmten Sonderbund-Ausstellung in Köln 1912 kam er auch in Kontakt mit dem kubistischen Werk Picassos - und war begeistert.

Pflichtschuldig zog Macke in den Krieg - «das Grausigste was ein Mensch erleben kann», schrieb er an Elisabeth kurz vor seinem Tod. Auf dem Soldatenfriedhof in Souain wurde er beigesetzt. Kunst war für Macke «das Äquivalent für die Schönheit der Welt», sagt Drenker-Nagels. Franz Marc sagte in seinem Nachruf: «Er hat von uns allen der Farbe den hellsten und reinsten Klang gegeben, so klar und hell wie sein ganzes Wesen war.»

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