Anime, die japanischen Trickfilme, halten Einzug in die Kunst: In Dortmund und Bonn gibt es Zeichnungen, Skizzen und Animationen zu sehen.

Stilprägend: Der „Astro Boy“ von Tezuka Osamu.
Stilprägend: Der „Astro Boy“ von Tezuka Osamu.

Stilprägend: Der „Astro Boy“ von Tezuka Osamu.

Bundeskunsthalle

Stilprägend: Der „Astro Boy“ von Tezuka Osamu.

Bonn/Dortmund. „Speed Racer“ kam 1971 als erste japanische Animationsserie ins deutsche Fernsehen. Nach drei Folgen wurde sie abgesetzt. Zu viel Action, hieß es. Und selbst bei der „Biene Maja“ gab es 1975 noch Elternproteste. 40 Jahre später haben japanische Zeichentrickfilme, „Anime“, die Welt erobert. In Japan genießen ihre Macher eine Wertschätzung wie Maler. Zwei Ausstellungen in Bonn und Dortmund rehabilitieren die Filmart und feiern sie als Kunstform.

Bonner Ausstellung gibt Überblick über die Geschichte des Anime

Der Siegeszug begann 1965 mit „Kimba, der weiße Löwe“. Einer Figur von Tezuka Osamu, dem „japanischen Walt Disney“. Europa brauchte Stoff, um TV-Programme zu füllen. Nippon lieferte billig Serien. Es folgten „Wickie“ (1972), „Heidi“ (1974) und „Pinocchio“ (1976). Aus der Not wurde eine Tugend, die Reduziertheit zum Prinzip. Posen ersetzten Bewegungsabläufe, weil so weniger Bilder zu zeichnen waren, Filme damit billiger wurden.

Die Bundeskunsthalle gibt in der 2008 in Frankfurt gezeigten und überarbeiteten Schau „Anime! High Art – Pop Culture“ einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Anime. Von Tezuka Osamus „Astro Boy“, dessen schwarze Kulleraugen stilprägend für eine ganze Gattung wurden, bis zu „Sailor Moon“ oder „Mila Superstar“.

In einer Peep Show für Erwachsene gibt es „Hentai“ mit pornographischem Inhalt. Ihr Erfolg als Exportschlager führte in den 80er Jahren dazu, dass viele dachten, Animes seien generell sexuell motiviert. Neben Filmen, die gezeigt werden, widmet sich eine andere Abteilung der Vernetzung zwischen Manga, dem japanischen Comic, Anime und Spielzeugindustrie.

Im Dortmunder U werden postapokalyptische Welten gezeigt

Der Hartware Medien Kunstverein im Dortmunder U setzt mit „Proto Anime Cut“ auf nur ein Genre und konzentriert sich auf Science-Fiction-Anime der 90er Jahre. Gezeigt werden Skizzen, Storyboards und Filme von Hideaki Anno oder Takashi Watabe. In abgedunkelten Sälen gediegen präsentiert entfaltet sich eine fremde Welt. Figuren irren durch postapokalyptische Welten. Eine faszinierende Mischung aus Futurismus und Melancholie. Sinnbild für die Vereinsamung des Menschen in der Moderne. Nicht aus Zufall dominieren mit den USA und Japan zwei Wirtschaftsnationen den Trickfilm-Markt.

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