70 Jahre verschollene Kunstwerke beim U-Bahn-Bau gefunden.

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Eine Besucherin betrachtet Edwin Scharffs Bronzeskulptur „Bildnis der Schauspielerin Anni Mewes“ von 1921.

Eine Besucherin betrachtet Edwin Scharffs Bronzeskulptur „Bildnis der Schauspielerin Anni Mewes“ von 1921.

Reuters

Eine Besucherin betrachtet Edwin Scharffs Bronzeskulptur „Bildnis der Schauspielerin Anni Mewes“ von 1921.

Berlin. Ein Bauarbeiter ist über den Fund gestolpert, der Historiker, Archäologen und den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), begeistert. "Ein kleines Wunder" nannte Wowereit das "Bildnis der Schauspielerin Anni Mewes" von Edwin Scharff und die anderen zehn Werke. Die Skulpturen, die von den Nationalsozialisten als "Entartete Kunst" diffamiert worden waren, galten 70 Jahre lang als verschollen.

Ende August tauchten immer mehr Skulpturen in der Erde auf

Sie tauchten direkt vor dem Roten Rathaus aus dem Erdreich auf. Hier wird die neue U-Bahnlinie 5 gebaut. Wo heute eine große Freifläche ist, befanden sich damals Geschäftsstraßen, Gassen, Häuser mit Büros und Läden. Unter dem früheren Haus Nr. 50 entdeckte ein Arbeiter im Januar den mit Mörtel bedeckten Bronzekopf von Scharff. Ende August tauchten nur zehn Meter weiter immer mehr Skulpturen auf, geschaffen von Künstlern wie Otto Braun, Naum Slutzky und Emy Roeder. Zwei Werke können noch nicht zugeordnet werden.

"Das vierstöckige Haus ist im Spätsommer 1944 abgebrannt", sagte der Landesarchäologe Matthias Wemhoff. Erste Vermutungen gehen dahin, dass die Skulpturen aus der Wohnung des Treuhänders und Steuerberaters Erhard Oewerdieck stammen.

Es gibt nur Vermutungen, woher der Treuhänder die Werke hatte

Der 1977 mit 84Jahren verstorbene Mann hatte mit seiner Frau Charlotte während des Nazi-Regimes Juden geholfen, wurde später dafür in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem geehrt. Wie Oewerdieck an die Kunst gekommen sein könnte, ist rätselhaft. Rund 16000 Werke wurden von den Nationalsozialisten willkürlich als "entartet" eingestuft. Drei der nun gefundenen Kunstwerke waren auf der NS-Ausstellung "Entartete Kunst" 1937 in München zu sehen. Später sollten sie zur Devisenbeschaffung verkauft werden.

Diejenigen, die keinen Käufer fanden, kamen Ende 1941 ins Propagandaministerium, sagte Wemhoff. Es wird vermutet, dass viele zerstört wurden. Möglicherweise hatte Oewerdieck versucht, dies zu verhindern, als er die Werke an sich nahm. Die offenen Fragen soll demnächst ein Symposium klären, die Skulpturen sind schon jetzt im Neuen Museum, Bodestraße 1, ausgestellt.

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