Kulturstaatsminister Bernd Neumann wird 70 Jahre alt - von Amtsmüdigkeit noch keine Spur. Foto: Britta Pedersen
Kulturstaatsminister Bernd Neumann wird 70 Jahre alt - von Amtsmüdigkeit noch keine Spur. Foto: Britta Pedersen

Kulturstaatsminister Bernd Neumann wird 70 Jahre alt - von Amtsmüdigkeit noch keine Spur. Foto: Britta Pedersen

dpa

Kulturstaatsminister Bernd Neumann wird 70 Jahre alt - von Amtsmüdigkeit noch keine Spur. Foto: Britta Pedersen

Berlin (dpa) - Als Bernd Neumann vor sechs Jahren zum neuen Kulturstaatsminister berufen wurde, waren die Vorbehalte unüberhörbar: Mann ohne kulturellen Stallgeruch, spröder CDU-Apparatschik, konservativer Strippenzieher.

Doch in der Kreativszene ist aus der Skepsis längst Zuneigung geworden, bis ins gegnerische Lager hinein erntet Deutschlands oberster Kulturhüter Respekt. An Heilig-Drei-König (6. Januar) wird Neumann 70 Jahre alt - von Amtsmüdigkeit noch keine Spur.

«Ich denke, es kommt nicht auf das Lebensalter an, sondern auf die Verfassung, die Kraft und Energie, die man hat», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. «Mir macht es Freude und Spaß, für die Kultur zu wirken.» Tatsächlich hat der «Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien», so der offizielle Titel, in seinen sechs Amtsjahren viel erreicht.

Trotz Wirtschaftskrise und knapper Kassen konnte er den Kulturetat um insgesamt mehr als 15 Prozent steigern - das ist europaweit derzeit einmalig. Das ständige Tauziehen um die Kulturhoheit der Länder ist befriedet. Und vor allem die Filmbranche liebt den Kinofreak: Der 2007 geschaffene Filmförderfonds mit jährlich 60 Millionen Euro aus der Staatskasse kurbelt die Produktion kräftig an. Selbst internationale Hits wie «Inglourious Basterds» und «Operation Walküre» wurden in Deutschland gedreht.

«Bernd Neumann hat sich als ein absoluter Glücksfall für den Kulturbereich erwiesen, er macht einen richtig guten Job», sagt Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, der mehr als 200 Bundeskulturverbände vertritt. «Nach Bernd Neumann wird niemand mehr ernsthaft an diesem Amt rütteln können.»

Und selbst Neumanns SPD-Gegenspielerin im Kulturausschuss, die stellvertretende Ausschusschefin Angelika Krüger-Leißner, sagt trotz mancher Einschränkungen: «Grundsätzlich muss ich Staatsminister Neumann Respekt und Anerkennung für seine Arbeit zollen.» Nachholbedarf sieht sie etwa beim Schutz des Filmerbes und bei der sozialen Absicherung von Kulturschaffenden. Auch die Reform des Urheberrechts ist noch nicht unter Dach und Fach, der Wiederaufbau der Berliner Schlosses noch nicht einmal begonnen.

Was manche bei Neumann anfangs für ein Manko hielten, gilt inzwischen als Pluspunkt. Obwohl der biedere Hanseat im kleinen Kreis ausgesprochen unterhaltsam und witzig sein kann, gilt er nicht gerade als begnadeter Redner. Er stößt keine großen kulturpolitischen Debatten an, sondern wirkt - oft hinter den Kulissen - als geschickter Makler.

So vermittelte er erfolgreich im langjährigen Konflikt um die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Nach mühseligen Debatten brachte er ein Gedenkkonzept auf den Weg, förderte die Suche nach NS-Raubgut in deutschen Museen. Und wenn es um die Durchsetzung kultureller Interessen auch in anderen Ressorts geht - etwa bei den Haushältern -, weiß er rechtzeitig eine Hausmacht hinter sich zu bringen.

Strippenziehen hat er schließlich gelernt: Fast 30 Jahre stand der gebürtige Westpreuße, seit 1987 im Bundestag, an der Spitze der Bremer CDU, ehe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihn Ende 2005 überraschend in das attraktive Staatsminister-Büro hoch oben im Kanzleramt berief. Seine drei Vorgänger - Michael Naumann, Julian Nida-Rümelin und Christina Weiss - hatten allesamt nicht eine volle Legislaturperiode in dem Amt durchgehalten, das die CSU einst für so überflüssig hielt wie einen «Marineminister für die Schweiz».

Um seinen Geburtstag will Neumann nicht viel Aufhebens machen: Er trifft sich mit Freunden privat in den österreichischen Bergen. «Groß gefeiert habe ich meinen Sechzigsten in Bremen», sagt er. «Helmut Kohl und Angela Merkel gehörten zu den Gästen. Das ist ja gar nicht mehr zu toppen. Deshalb mache ich es diesmal anders.»

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer