Julian Heynen gibt seinen Abschied mit assoziativen Bildern von Dominique Gonzalez-Foerster.

Julian Heynen gibt seinen Abschied mit assoziativen Bildern von Dominique Gonzalez-Foerster.
Dominique Gonzalez-Foerster evoziert mit eigenen und fremden Bildern Schwebezustände zwischen Erkennen und Verwunderung.

Dominique Gonzalez-Foerster evoziert mit eigenen und fremden Bildern Schwebezustände zwischen Erkennen und Verwunderung.

Julian Heynen vor der Shanghai-Biennale. Foto: Tillman Franzen/ K 21

Giasco Bertoli, Paris, VG Bild-Kunst-Bonn 2016, Bild 1 von 2

Dominique Gonzalez-Foerster evoziert mit eigenen und fremden Bildern Schwebezustände zwischen Erkennen und Verwunderung.

Düsseldorf. Julian Heynen richtet in der Kunstsammlung NRW seine letzte Ausstellung am Haus ein, die Retrospektive von Dominique Gonzalez-Foerster. Der große Ausstellungsmacher zeigt mit 30 Arbeiten der Französin aus Straßburg ein letztes Mal, wie man Räume inszeniert, Objekte zum Klingen bringt und Stimmungen erzeugt. Selbst die Grabbehalle hat er teilweise wieder geöffnet, um Luft, Licht und Leben ins Haus zu holen. Ein Meister der Räume, der sich wie kein anderer mit dieser Künstlerin der Geheimnisse auskennt.

„Gonzales-Foerster möchte mit minimalen Mitteln möglichst viele Assoziationen schaffen.“
Julian Heynen, Kurator

Wer die Grabbehalle betritt, trifft auf gelb gestrichene Etagenbetten wie in Jugendherbergen. Anstelle von Bettwäsche liegen Bücher auf den Gestellen. Die 51-jährige Künstlerin aus Straßburg hat sie vermutlich allesamt gelesen, denn sie ist ein Büchernarr. Aber in dieser hohen Halle stehen zugleich allbekannte Skulpturen wie die gelbe Madonna von Katharina Fritsch oder die Zahnbürste vom Pop-Star Claes Oldenburg herum, allesamt um ein Drittel vergrößert. Wie abgestellt, wie ein Friedhof für die Kunst des 20. Jahrhunderts sieht das Ganze aus, über dem ein Film mit viel Regen und plätschernden Tönen dahin rauscht.

Nähert man sich der Ausstellung von der anderen Seite, so wird man über einen rosaroten Teppich auf grasgrüne Auslegware geführt. Ein Raum also mit nichts als Farben, dazu die Neonschrift eines Hotelnamens an einer Wand. „Dominique Gonzalez-Foerster möchte mit einem Minimum an Mitteln möglichst viele Assoziationen schaffen, die sich aber nicht klar definieren lassen“, erklärt Julian Heynen.

Die Schau trägt den Untertitel „1887 - 2058“ und nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch Räume und Zeiten. Dabei wird es teilweise sehr persönlich, wenn die Künstlerin ihre eigenen, sehr schicken Kleidungsstücke aufreiht, zusätzlich zur Kunst ihrer Mutter und zu eigenen Selbstporträts als Performerin der skandalumwitterte Tänzerin Lola Montez. An einem Hologramm mit ihr als Klaus Kinski als Fitzcarraldo im berühmten Film von Werner Herzog vorbei geht es zu Paul Klees „Schwarzem Fürsten“. Das Bild hängt in Düsseldorf. Dazu gibt es einen Text von Enrique Vila-Matas aus dem Buch „Vorbildliche Selbstmorde“, dass die Aufsicht Rosa Schwarzer ins Leben zurückfindet und nun den „Schwarzen Prinzen“ in der Klee-Sammlung beaufsichtigt.

Eine ausgedachte Figur fügt sich zum realen Bild. In den 1990er Jahren studierte Gonzalez-Foerster kurz bei Fritz Schwegler in Düsseldorf und behielt einige Details in Erinnerung. Dazu gehört das Rosarot vom Benrather Schloss, das nun wie der Klee wiederkehrt.

Julian Heynen

(Foto: Tillman Franzen/ K 21)

Julian Heynen kuratiert zum letzten Mal in K 20. Der einstige Vize-Chef der Krefelder Museen wird pensioniert.

K 20, Grabbeplatz, Düsseldorf. Bis 7. August, Di-Fr 10 bis 18, Sa + So ab 11 Uhr. Ticket 12, ermäßigt 10 Euro

Kooperation mit Centre Pompidou, Prestel-V., 49,95 Euro kunstsammlung.de

Nach Heynens Meinung haben sich die deutschen Museen viel zu wenig um die Kunst der Franzosen in den letzten 30 Jahren gekümmert. Er sagt dies als scheidender Angestellter der Kunstsammlung, der einst das K 21 selbstständig leitete und mit dem Amtsantritt von Marion Ackermann auf „persönlichen Wunsch“ nur noch als „Kurator für besondere Aufgaben“ tätig war.

Heynen war einst Vize-Chef in Krefeld und Kommissar in Venedig

Heynen war 1981 bis 1999 Vize-Chef in Krefeld und machte die dortigen Museen zu Pilgerorten der Avantgarde, mit Premieren zu Gregor Schneider, Thomas Schütte oder Luc Tuymans. In den späten 1990er Jahren lernte er die Sammler Ackermans kennen. Inzwischen in Düsseldorf, holte er im Verbund mit seinem damaligen Chef Armin Zweite die beste Sammlung der 1980er Jahre über einen Steuerabgleich in die Kunstsammlung. Das neue, leere K 21 war auf Anhieb mit kostbarster Kunst gefüllt. 2003 und 2005 war Heynen Biennale-Kommissar des deutschen Pavillons in Venedig, 2008 Ko-Kurator der Shanghai Biennale.

Zuletzt arbeitete er an Videomagazinen und für die Webseite des Museums, wenn er sich nicht von Iwan Würth bitten ließ, Hans Arp in London zu präsentieren. Glanzvoll vereinte er für Pia Müller-Tamm in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe alte und moderne Kunst.

Nun läuft sein Vertrag mit Düsseldorf aus, er wird 65 Jahre alt. Seine erste Schau als Pensionär findet im Essener Folkwang-Museum statt. Er zeigt Zeichnungen und Grafik von Richard Deacon, einst Akademieprofessor in Düsseldorf.

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