Modedesigner Wolfgang Joop spricht über Kunst, Mode, das Elend der Reichen und seine Ausstellung „Eternal Love“ in Rostock.

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Wolfgang Joop neben einer seiner Skulpturen in Rostock.

Wolfgang Joop neben einer seiner Skulpturen in Rostock.

dpa

Wolfgang Joop neben einer seiner Skulpturen in Rostock.

Herr Joop, wie läuft es bei Ihnen?

Joop: Danke, wir haben bei "Wunderkind" viel zu tun. Wir sind ja eins der Unternehmen, bei dem die Zeichen auf Überleben stehen. Überall wo man hinguckt, bröckelt es in der Industrie. Und wir sind Gott sei Dank Gruppensieger bei unseren Produzenten. Wir haben volle Bücher für den nächsten Winter, aber man muss heutzutage jeden Erfolg vorfinanzieren. Die sogenannten Investoren sind ja alle verarmt.

Was bietet Ihre Ausstellung "Eternal Love" in Rostock?

Joop: Es ist keine biographische Schau, eher eine Momentaufnahme meines Schaffens. Es ist auch ein Crossover meiner Fashion-Vergangenheit und der Kunst. Ich habe dafür aus der unglaublich erfolgreichen Sommerkollektion 2008 eine Idee weiterentwickelt. Ich habe ja Kunst studiert, Mode gemacht und gehe, ohne das Dazwischen abzuleugnen, nun wieder in die Kunst.

Wo liegen denn die Grenzen zwischen Kunst und Mode?

Joop: Seit Damien Hirst und seit Andy Warhol sind diese Grenzen im Grunde verwischbar. Was man auf den Avantgarde-Laufstegen heute sieht, das ist Installation und nicht mehr Bekleidung.

Wie nimmt das die Mode-Kundin auf? Will denn eine Frau als Kunstwerk herumlaufen?

Joop: Nein, überhaupt nicht. Also, ich finde das ganz peinlich, was so junge Design-Avantgardisten auf den Laufstegen zeigen, das nenne ich Installation. Ich weiß kein anderes Wort dafür. Die interessieren sich nicht für das tägliche Leben der Frau. Ich war immer ein Modemacher, der sich für Menschen und ihren Alltag interessiert. Ich bin kein Designer für den großen Auftritt. Mich beschäftigte eher, was Luxus eigentlich mal gewesen ist. Luxus war ja an Besitzstücke einer bestimmten Klasse von Menschen gebunden, die das nicht nach außen trugen.

"Das Unangenehme heute ist, dass selbst ein Luxusartikel ein Wegwerfmodell geworden ist. Man nennt das McLuxury."

Also eher vererbten?

Wolfgang Joop (heute 64) studierte Werbepsychologie, Restaurierung und Kunsterziehung. 1982 kam seine erste Kollektion heraus, 1985 unter dem Namen "Joop!" erweitert um Wasserhähne, Schuhe, Schmuck, Brillen, Parfums, Socken, Schals. Joop ist Maler, Buchautor und Illustrator. Nach dem Verkauf dieser kommerziellen Marke hat er sich mit der Luxuslinie "Wunderkind" einen Traum erfüllt.

Aus der geschiedenen Ehe hat er die Töchter Jette und Florentine und lebt jetzt mit einem Lebenspartner zusammen. Die Ausstellung "Eternal Love" läuft bis 28. Juni.

Joop: Ja. Die Tasche trug man, die der Mutter oder Großmutter gehörte. Das Unangenehme heute ist, dass selbst ein Luxusartikel ein Wegwerfmodell geworden ist. Man nennt das McLuxury. Man sieht identische Produkte auf der ganzen Welt. Ich habe immer versucht, Produkte zu machen, die integer sind. Darum geht es mir. Dafür habe ich nicht unbedingt die Kunst bemühen müssen oder versucht, aus einer Frau ein Kunstwerk zu machen. Die Frau an sich ohne Kleidung ist schon ein Kunstwerk. Das habe ich immer so gesehen.

Dennoch fließt Ihre Erfahrung als ja wirklich auch in den alten Techniken versierter Künstler in die Kollektion bei Wunderkind ein.

Joop: Ja. Ich habe mich damals bei Joop! bemüht, ein industrielles Produkt zu machen. Nach meinem Weggang von Joop! bin ich meinem Instinkt gefolgt und erreichte einen Punkt, an dem ich mir sagte: Noch künstlerischer, und es ist genau so untragbar wie bei den anderen. Also habe ich einen Schnitt gemacht und zeige in Rostock auch unfertige Modelle.

Also ein "Work in Progress"?

Joop: Ja genau. Und dann sieht man auch Installationen der Fashion-Shows, in denen man eben auch das Menschenbild von Wolfgang Joop sieht. Und dann gibt es da noch diese Bilder der äußersten Unschuld. Die Bilder der "Eternal Love". Das sind ganz fragile, gestickte Gemälde. Dagegen stehen Werke aus Marmor.

Sie haben Bücher geschrieben, waren schon als Schauspieler zu sehen, malen, zeichnen, bildhauern, entwerfen. Fehlt eigentlich nur noch die Musik. Kommt da was?

Joop: Ich habe mal eine Sprechplatte mit einem Countertenor zusammen aufgenommen. Aber ich selber singen? Meine Stimme wäre eher so die Bassversion von Marlene. Aber ein Lied würde ich schon gerne singen: "Wenn ich mir was wünschen dürfte" von Friedrich Hollaender: "Wenn ich mir was wünschen dürfte, möcht ich etwas glücklich sein. Denn sobald ich gar zu glücklich wäre, hätt’ ich Sehnsucht nach dem Traurigsein."

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