Das Institut für Deutsche Sprache untersucht die Entwicklung und den Gebrauch des Deutschen. Dienstag wird es 50 Jahre alt.

Brötchen Illustration
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wikicommons, Montage Budinger

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Mannheim. Was ist eigentlich hochdeutscher: Brötchen oder Semmel? Heißt es: Ich habe gesessen oder ich bin gesessen? Ein Niedersachse hat da wohl eine andere Antwort parat als ein Bayer – aber wer von ihnen liegt richtig? Am Ende vielleicht beide? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich die Mitarbeiter des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim, das am 19. April dieses Jahres sein 50-jähriges Bestehen feiert. Dienstag wird auf der Jahrestagung schon einmal vorzelebriert.

Frauen in Südwestdeutschland sprechen am besten

Wenn es um Brötchen und Semmeln geht, mögen in Ludwig Eichingers Brust zwei Herzen schlagen: Der Institutsdirektor ist gebürtiger Niederbayer. Er warnt vor zu schnellen Antworten. „Wie sind denn die Mehrheitsverhältnisse?“, fragt der 63-Jährige und lächelt schelmisch. Vielleicht führt die Semmel knapp vor dem Brötchen? Ist sie deshalb hochdeutscher? Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen.

Übrigens: „Das beste Hochdeutsch sprechen südwestdeutsche Frauen, weil die sich so unglaubliche Mühe geben“, berichtet Eichinger. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) als gebürtige Sächsin könnte anderer Ansicht sein - sie ist trotzdem voll des Lobes. Zum IDS-Jubiläum schreibt sie: „Weltweit ist es bei den Sprachgermanisten als zentrale Institution für die Untersuchung und Dokumentation der deutschen Gegenwartssprache anerkannt.“

Ob Schwäbisch, Sächsisch oder Mannemerisch: Um Wertung geht es den Wissenschaftlern gar nicht. „Wir verstehen uns nicht als Tugendwächter, aber schon als Ort, an dem es darum geht, was angemessener Sprachgebrauch ist“, sagt Eichinger. Das Institut für Deutsche Sprache sei kein Vorschrifteninstitut.

Forscher erklären die Bedeutung neuer Wörter

Der Name klingt zwar zunächst recht trocken. Themen wie „Korpuslinguistik“, „Verbkomplementierung“ und „Intonationsphrase“ dürften den meisten nichts sagen. Hinter vielem, was für den Laien erst einmal wenig nach Sprachforschung und schon gar nicht nach Deutsch klingt, verbergen sich jedoch spannende Themen.

Das Institut für Deutsche Sprache in Mannheim besteht seit dem 19. April 1964. Die außeruniversitäre Einrichtung gehört zur Leibniz-Gemeinschaft und wird jeweils zur Hälfte vom Bund und vom Land Baden-Württemberg getragen. Die 100 Wissenschaftler des Instituts erforschen und dokumentieren die deutsche Sprache in ihrem aktuellen Gebrauch und ihrer neueren Geschichte. Die drei Abteilungen widmen sich der Grammatik, dem Sprachgebrauch und dem Wortschatz.

In einem Lexikon erklären die Forscher etwa die Bedeutung neuer Wörter. Wer sich fragt, was ein „Gefällt-mir-Button“ ist, erfährt hier: „Schaltfläche meist auf einer Seite eines sozialen Netzwerkes, die angeklickt wird, um Gefallen, Zustimmung zu einem Beitrag zu bekunden.“ Und eine „Strickguerilla“ ist eine „Gruppe von Personen, die in dem Wunsch, den öffentlichen Raum zu verschönern, meist nachts Gegenstände sowie Bäume mit Gestricktem versieht“.

Die Wissenschaftler haben auch herausgefunden, dass das Wort „Rollator“ vor 2006 kaum eine Rolle spielte – und seither Jahr für Jahr immer häufiger in der deutschen Sprache vorkommt. „Jammerossi“ und „Besserwessi“ waren 1991 kurz nach der Wiedervereinigung groß in Mode und tauchten später nur noch selten auf.

Entwarnung: Der Sprache droht nicht der Verfall

Die „SMS“ trat 2000 ihren Siegeszug im Sprachgebrauch an. Wer wegen ihr, Twitter und Whats-App den Verfall der Sprache befürchtet, den können die Forscher beruhigen. „Natürlich gibt es schlechten Sprachgebrauch, aber das Sprachsystem, das grundsätzliche Funktionieren der Sprache, scheint davon nicht betroffen zu sein, nach allem, was wir wissen.“

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