Uralte Statuen aus 27.000 Einzelteilen zusammengesetzt.

Ausstellung
Freundlich: Der Kopf einer 3.000 Jahre alten Sphinx.

Freundlich: Der Kopf einer 3.000 Jahre alten Sphinx.

dpa

Freundlich: Der Kopf einer 3.000 Jahre alten Sphinx.

Berlin. Die Götterstatuen aus dem syrischen Tell Halaf galten als unwiederbringlich verloren: Sie waren im Krieg bei einem Bombenangriff auf Berlin völlig zerstört worden. Aus 27.000 Einzelteilen haben Forscher die wertvollen steinbilder in zehnjähriger Restaurierungsarbeit wieder zusammengefügt.

Nun werden die rund 40 Skulpturen im Berliner Pergamon-Museum erstmals der Öffentlichkeit gezeigt (bis 14. August). „Ihre Rekonstruktion ist eine Sensation, ein Wunder“, sagte Berlins oberster Museumschef Michael Eissenhauer am Donnerstag vor der Ausstellungseröffnung.

Die Basaltstatuen zerplatzten 1943 nach einer Brandbombe auf Berlin

Der sensationelle Schatz ist dem deutschen Diplomaten und Archäologen Max Freiherr von Oppenheim zu verdanken. Bei seinen Beduinenstudien hatte er vor rund 100 Jahren im Hügel Tell Halaf in Nord-Syrien einen 3.000 Jahre alten Fürstensitz mit Palast und Grabanlagen entdeckt.

Für den Teil der Funde, den er nach der Ausgrabung mit den Syrern zugesprochen bekam, eröffnete er in Berlin ein eigenes Tell-Halaf-Museum. Doch 1943 traf eine Brandbombe das Museum, die Basaltstatuen zerplatzten bei den vergeblichen Löscharbeiten in tausende Einzelteile.

Aus 80 Kubikmeter Schutt erstanden Steinchen für Steinchen die Figuren

„Glück im Unglück“, sagte Eissenhauer: Oppenheimer habe die Steinbrocken bergen und ins Pergamonmuseum bringen lassen. Dort standen sie in großen Gitterboxen 50 Jahre lang im Keller, bis bei einer Aufräumaktion erstmals der Gedanke an eine Rekonstruktion kam.

2001 beginnt die unglaubliche Aktion: Die 80 Kubikmeter Schutt werden auf 300 Holzpaletten ausgebreitet. Steinchen für Steinchen beginnen die Experten, die Stücke nach den Fotovorlagen Oppenheims einzelnen Figuren zuzuordnen. Kurator Lutz Martin: „Wir haben erst mit den äußeren Teilen angefangen, die man am Oberflächendekor erkannt hat. Nach einem Jahr war man so eingeguckt, dass man auch Steinstrukturen zuordnen konnte.“

Die einzelnen Teile wurden mit Epoxidharz zusammengefügt und unter hohem Druck verbunden. Riesige Zuggurte sorgten dafür, dass der Kleber tief in die Steinporen eindrang und möglichst wenig Ritzen ließ. „Anfangs dachten wir nur, dass wir die beiden Löwen vom Palasteingang zusammenkriegen. Aber letztlich konnten wir mehr als 90 Prozent des Materials zuordnen.“

Die Kosten für das Projekt trugen vor allem die Stiftung Oppenheim und die Deutsche Forschungsgemeinschaft – laut Eissenhauer ein „einstelliger mittlerer Millionenbetrag“.

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