Staatsbibliothek zeigt seine Tagebücher.

Berlin. „Über 12 – 14 junge Crocodile zerschnitten“, schreibt Alexander von Humboldt im April 1801 in sein Tagebuch. Der Forscher ist auf dem Rio Magdalena im heutigen Kolumbien unterwegs. Das Gemetzel der Raubtiere gilt nur der wissenschaftlichen Erkenntnis: Er habe „sehr sorgfältig angestellte Versuche“ über das Atmungssystem der Krokodile unternommen, notiert der Reisende. Auf einem Blatt zeichnet Humboldt den Flussverlauf nach.

Schlüsselwerk der Wissenschaft aus dem 19. Jahrhundert

Das Experiment mit den Krokodilen und die Magdalena-Schlangenlinie auf dem Papier – sie sind Teil der „zweiten Entdeckung Amerikas“, wie sie Humboldt von 1799 bis 1804 unternahm. Ein Jahr nach Erwerb der Amerika-Tagebücher stellt die Berliner Staatsbibliothek dieses Schlüsselwerk der Wissenschaft aus dem 19. Jahrhundert zum ersten Mal für das große Publikum aus.

Auszüge der neun in Schweinsleder gebundenen Tagebücher werden im Original bis Samstag in der Potsdamer Straße gezeigt – wohl geschützt unter Panzerglas. Gleichzeitig wird der erste Teil der Tagebücher ab sofort im Internet freigeschaltet. Bekannt waren bisher vor allem die mit seinem Begleiter Aimé Bonpland (1773-1858) veröffentlichten Reiseberichte, die nur ein Drittel der Amerika-Expedition schildern. Der Stiftung Preußischer Kulturbesitz war es nach langwierigen Verhandlungen gelungen, die Tagebücher von einem Humboldt-Nachfahren für Deutschland zu sichern. Begehrlichkeiten waren auch in den USA und Mexiko laut geworden. Privatleute und Universitäten waren bereit, sehr viel Geld für das Werk zu zahlen. dpa

 

 

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