Lupita Nyong'o protestiert gegen Donald Trump. Foto: Eugene Garcia
Lupita Nyong'o protestiert gegen Donald Trump. Foto: Eugene Garcia

Lupita Nyong'o protestiert gegen Donald Trump. Foto: Eugene Garcia

dpa

Lupita Nyong'o protestiert gegen Donald Trump. Foto: Eugene Garcia

Los Angeles (dpa) - Die Empörung wenige Wochen vor der Oscar-Verleihung war groß. Es gab lautstarke Boykott-Rufe, Stars wie George Clooney, Spike Lee und Lupita Nyong'o meldeten sich kritisch zu Wort.

Es war die #OscarsSoWhite-Kontroverse, vor einem Jahr, als zum zweiten Mal in Folge kein einziger Afroamerikaner für Hollywoods höchste Schauspiel-Preise nominiert war.

In dieser Oscar-Saison steht nicht die eigene Branche am Pranger, der Shitstorm richtet sich gegen Donald Trump. An einem Dekret des neuen US-Präsidenten entzündet sich ein Sturm der Entrüstung, der weltweit zu spüren ist. Trumps Einreisebann für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern, darunter Syrien, Iran und Irak, betrifft - vier Wochen vor der Oscar-Gala - auch die ersten Filmschaffenden.

Der vielfach ausgezeichnete iranische Regisseur Asghar Farhadi will der Preisverleihung aus Protest fernbleiben, ebenso seine Hauptdarstellerin Taraneh Alidoosti. Ihr Film «The Salesman» ist - wie der deutsche Film «Toni Erdmann» - für den Auslands-Oscar nominiert.

Betroffen reagiert auch der deutsche Oscar-Anwärter Marcel Mettelsiefen. Sein Film «Watani: My Homeland» über die Flucht einer syrischen Familie nach Deutschland ist in der Sparte «Kurz-Doku» nominiert. Die vierfache Mutter Hala, deren Mann von der Terrormiliz IS entführt wurde, war kürzlich noch mit einem Visum zu einem Treffen bei den Vereinten Nationen nach New York gereist. Mitte Februar wollte Mettelsiefen die Syrerin nach Washington und dann nach Los Angeles bringen. «Jetzt sind alle Reisepläne auf Eis gelegt», sagte der Dokumentarfilmer der Deutschen Presse-Agentur.

Er selbst will an der Oscar-Zeremonie am 26. Februar teilnehmen. «Ein Boykott wäre ein falsches Zeichen, gerade jetzt, angesichts der immer stärker werdenden Mobilisierung der Zivilgesellschaft», meint der 38-Jährige. Der Widerstand, der sich in Hollywood formiere, sei ermutigend. «Das wird eine politische Veranstaltung», sagt er über die bevorstehende Oscar-Show.

Protest kommt auch von dem Team um den Oscar-nominierten britischen Regisseur Orlando von Einsiedel, der für die Kurz-Doku «Die Weißhelme» freiwillige Helfer in Syrien begleitete, die nach Bombenangriffen Opfer aus den Trümmern retten. Er wollte den Leiter der Weißhelme-Organisation und einen syrischen Kameramann als Ehrengäste zu den Oscars mitnehmen, schreibt Einsiedel in einem Beitrag in dem Filmblatt «Hollywood Reporter». Sie seien «schockiert und aufgebracht», dass die USA nun diesen mutigen Helfern die Einreise verbieten könnten. «Wenn sogar Helden nicht willkommen sind, wo sind wir dann?», klagen die Filmemacher.

Aus Hollywood erhalten sie Rückendeckung. Die Oscar-Akademie, die alljährlich die Preise vergibt, äußerte sich «extrem besorgt» über Trumps Dekret. Man werde Filmemacher und Menschenrechte in aller Welt unterstützen. Oscar-Anwärterin Emma Stone («La La Land») nannte die Entwicklung seit Trumps Erlass gegen Muslime «unverzeihbar und angsterregend». «Das Einreiseverbot ist ein Makel, und es ist unamerikanisch», wetterte die Schauspielerin Julia Louis-Dreyfus am Wochenende bei der Verleihung der SAG-Schauspielpreise in Los Angeles.

Auch Trumps Parteifreund, der österreichisch-amerikanische Schauspieler und Ex-Politiker Arnold Schwarzenegger, übte Kritik. Das Weiße Haus habe völlig überstürzt gehandelt, sagte der Ex-Gouverneur Kaliforniens am Montag in der Sendung «Extra». Greencard-Besitzern die Einreise zu verweigern sei verrückt und blamabel, ereiferte sich Schwarzenegger.

Oscar-Preisträgerin Meryl Streep hatte Anfang Januar die Golden-Globe-Bühne für ein leidenschaftliches und mahnendes Plädoyer gegen Trump benutzt. Bei den Oscars könnten es ihr viele Stars nachmachen, wenn das liberale Amerika vor einem Millionenpublikum im Rampenlicht steht.

Politische Proteste haben Tradition. 1973 etwa blieb Oscar-Gewinner Marlon Brando («Der Pate») der Gala fern. Stattdessen schickte der Schauspieler die indianische Aktivistin Sacheen Littlefeather mit seiner Botschaft auf die Bühne. «Preise sollten in diesem Land nicht entgegengenommen werden, bis sich die Lebensbedingungen der amerikanischen Indianer drastisch verbessert haben», hieß es in dem Statement.

Die britische Schauspielerin und engagierte Menschenrechtlerin Vanessa Redgrave handelte sich 1978 mit einer berüchtigten Dankesrede Buhrufe ein. Den Nebenrollen-Oscar erhielt sie für ihre Rolle als jüdische Widerstandskämpferin in «Julia». Auf der politischen Bühne war sie eine erklärte PLO-Anhängerin, die sich für die Anliegen der Palästinenser stark machte.

Dokumentarfilmer Michael Moore («Bowling for Columbine») nutzte seine 45 Sekunden im Jahr 2003 für harsche Kritik am Irakkrieg und dem damaligen US-Präsidenten: «Wir sind gegen diesen Krieg, George Bush! Schande über Sie, Mr. Bush! Ihre Zeit ist abgelaufen!».

Marcel Mettelsiefen, dessen Dokumentationen «Aleppo - die geteilte Stadt», «Die Kinder von Aleppo» und «Das Schicksal der Kinder von Aleppo - Neue Heimat Deutschland» schon viele Preise gewonnen haben, will das Rampenlicht bei den Oscars für die Anliegen der Flüchtlinge nutzen.

«Dieser Film ist wichtig, gerade jetzt zu Zeiten von Trump», sagt der Regisseur. Er zeige den Schmerz und die Verzweiflung der syrischen Familie, die er über einige Jahre hinweg begleitet habe. Deutschland habe mit der Aufnahme von Flüchtlingen «ein großes humanitäres Zeichen gesetzt». Das wolle er nun dem amerikanischen Publikum zeigen. «Amerika ist ein Land, das von Menschen gegründet wurde, die vor Armut und Verfolgung flüchten mussten und hierher kamen, um sich ein neues Leben aufzubauen».

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