Matt King (George Clooney) muss unerwartet Vaterpflichten übernehmen. Foto: 20th Century Fox
Matt King (George Clooney) muss unerwartet Vaterpflichten übernehmen. Foto: 20th Century Fox

Matt King (George Clooney) muss unerwartet Vaterpflichten übernehmen. Foto: 20th Century Fox

dpa

Matt King (George Clooney) muss unerwartet Vaterpflichten übernehmen. Foto: 20th Century Fox

London (dpa) - Weiße Strände, ewiger Sonnenschein, glückliche Menschen mit Blumengirlanden um den Hals - die Liste der Stereotype zum Thema Hawaii ist unerschöpflich. Und sonnig. Der erste Schlag kommt im neuen George-Clooney-Film «The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten» deshalb gleich zu Beginn.

So schön ist es auf Hawaii nämlich gar nicht, erklärt Clooney alias Rechtsanwalt Matt King dem Zuschauer, während in der Hauptstadt Honolulu dicke graue Regenwolken über hässlichen Wohnblocks hängen und die Armut in der Luft liegt.

Klischee Nummer eins ist gebrochen. Auch sonst räumen Clooney und Regisseur Alexander Payne in «The Descendants», der bei den Golden Globes kürzlich mit zwei Auszeichnungen belohnt wurde, mit einigen festgefahrenen Ansichten auf: Lachen und Weinen geht nämlich wirklich gleichzeitig, eine Familientragödie kann auch ohne Schmalz erzählt werden, und es gibt tatsächlich etwas, das selbst George Clooney eher unsexy aussehen lässt - Hawaiihemden nämlich.

Er sei seit langem ein Fan von Payne und habe unbedingt mit ihm zusammenarbeiten wollen, erklärte der 50-Jährige bei der Filmvorstellung in London. Das Drehbuch zu der Geschichte über einen Familienvater, dessen Frau nach einem Unfall im Koma liegt und der seine zwei Töchter ganz neu kennenlernen muss, habe ihn dann völlig überzeugt, berichtete Clooney.

Die zwei geben ein gutes Paar ab. Payne hat sein außerordentliches Händchen für Tragikkomödien schon in Werken wie «About Schmidt» und «Sideways» überzeugend bewiesen. Clooney zeigte in den vergangenen Jahren mit seiner Auswahl an teils ungewöhnlichen Stoffen, dass er beinahe gleichzeitig sowohl wahnsinnig lustig als auch herzzerreißend rührend sein kann. Die Romanvorlage der hawaiianischen Autorin Kaui Hart Hemmings war eine Steilvorlage.

Rechtsanwalt Matt King, gespielt von Clooney, muss sein Leben völlig neu ordnen, als seine Ehefrau nach einem Bootsunfall ins Koma fällt. Plötzlich muss er sich um seine 10 und 17 Jahre alten Töchter kümmern, und beide sind nicht unbedingt einfach. Dass er selbst seine eigene Frau kaum kannte, wird ihm klar, als er erfährt, dass diese eine Affäre mit einem anderen Mann hatte und sich eigentlich von ihm trennen wollte. Zu allem hinzu kommt der Ärger um geerbten Landbesitz, den Matt King und seine Familie verkaufen wollen. Ob aus dem Stück hawaiianischem Paradies ein Hotel mit Shoppingcenter wird, darf ebenfalls Matt King entscheiden.

«Ich wollte zeigen, dass Hawaii nicht das Paradies ist», erklärte Payne in London. Die Melodramatik des Wetters habe ihm dabei in die Hand gespielt. Clooney gefielen vor allem die vielen stillen Momente in «The Descendants» (zu Deutsch etwa: die Erben oder die Nachkommenschaft). Clooney: «Ich mag die stillen Momente in Filmen. Stille scheint derzeit irgendwie neu und ungewöhnlich zu sein.»

Eine Neuentdeckung des Films ist die 20 Jahre alte Shailene Woodley, die Clooneys Tochter spielt. Überzeugend gibt sie das heranwachsende Mädchen, dass sich einerseits von zu Hause abgrenzen und andererseits noch Nähe und Schutz der Eltern sucht.

Ob ihn die traurige Geschichte des Films nicht manchmal deprimiert habe, trotz aller komischen Momente, wurde Clooney gefragt. Nein, er habe eine wundervolle Zeit gehabt, erklärte er: «Wir waren auf Hawaii. Über was hätte man da traurig sein sollen?»

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