Maximilian Schell in «Das Urteil von Nürnberg» von 1961
Maximilian Schell in «Das Urteil von Nürnberg» von 1961. Foto: Alfred Assmann

Maximilian Schell in «Das Urteil von Nürnberg» von 1961. Foto: Alfred Assmann

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Maximilian Schell in «Das Urteil von Nürnberg» von 1961. Foto: Alfred Assmann

Wien (dpa) - Der Tod des Oscar-Preisträgers Maximilian Schell hat bei vielen Menschen Bestürzung und Trauer ausgelöst.

Der weltbekannte schweizerisch-österreichische Schauspieler starb in der Nacht zu Samstag im Alter von 83 Jahren im Klinikum Innsbruck «an der Folge einer plötzlichen und schweren Erkrankung», teilte seine Sprecherin Patricia Baumbauer mit. «Seine Frau Iva war bis zuletzt bei ihm.»

Seine Wiener Agentur teilte mit, Schell sei «nach langwierigen Problemen mit seinem Rücken an den Folgen einer für ihn wichtigen Operation unglücklicherweise verstorben». Nähere Angaben zur Erkrankung Schells und zu seinem Ableben wolle die Familie nicht machen, erklärte seine Sprecherin.

Die Nachricht von Schells Tod kam wenige Stunden vor der Vergabe der Goldenen Kameras in Berlin. Am Rande der Preisgala bekundeten viele Kollegen des großen alten Mimen und Regisseurs ihre Trauer. Moderator Hape Kerkeling würdigte ihn als einen der größten deutschsprachigen Schauspieler. «Wir danken ihm, für seine unzähligen Filme. Vielen Dank, Maximilian Schell.»

Der Schweizer Kulturminister Alain Berset sagte, Schell habe auch dem Schweizer Film international ein Gesicht gegeben. «Maximilian Schell war über Jahrzehnte ein beeindruckender, einzigartiger Schauspieler, der internationale Erfolge feierte», sagte Berset.
In Wien würdigte dessen Amtskollege Josef Ostermayer den schweizerisch-österreichische Doppelbürger: «Mit ihm ist einer der größten Schauspieler des deutschen Sprachraums verstorben.»

Die Salzburger Festspiele bezeichneten Schell als «Weltstar, Weltbürger, Intellektuellen und Philanthrop». Schell hatte zwischen 1959 und 1985 an elf Ausgaben der Salzburger Festspiele mitgewirkt.

Der Durchbruch zum Weltruhm war für den souveränen Charmeur, der später elegante lange Schals zu seinem Markenzeichen machte, bei der Vergabe der US-Filmpreise im Jahr 1962 gekommen: Für seine Rolle als Verteidiger von Nazi-Größen im Film «Das Urteil von Nürnberg» erhielt er den Oscar als bester Hauptdarsteller. Schell war damit der erste deutschsprachige Schauspieler nach dem Zweiten Weltkrieg, dem diese Ehre zuteilwurde. Auch später feierte er in den USA Erfolge, darunter am Broadway in New York.

Nach seinem Oscar war er noch fünf weitere Male für einen der begehrten Preise der US-Filmakademie nominiert. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte er in den letzten Jahren durch zahlreiche Fernsehproduktionen eine große Fangemeinde - darunter der ZDF-Mehrteiler «Der Fürst und das Mädchen» und die Historien-Dokumentationsreihe «Terra X Imperium».

Schell, der zuletzt auf seinem Berghof in Preitenegg (Kärnten) lebte, liebte das Theater. In Deutschland wurde der Sohn des Schweizer Schriftstellers Hermann Ferdinand Schell und der österreichischen Schauspielerin Noé von Nordberg 1963 als «Hamlet» in Gustaf Gründgens letzter Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus bejubelt.

In München, Basel und Berlin brachte Schell als Regisseur unter anderem den «Hamlet» und «La Traviata» auf die Bühne. Bereits seit der Spielzeit 1952/53 arbeitete Schell als Schauspieler, Regisseur und Dramaturg an der Basler Komödie. Es folgten Engagements in Essen, Bonn, München und Berlin. 1958 trat er erstmals am Broadway auf. 1959 holte ihn Gustaf Gründgens ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. Dorthin kehrte er 1963 zurück, um zu Gründgens Abschied in der berühmt gewordene «Hamlet»-Inszenierung mitzuwirken.

Mehrfach nahm Schell Rollen in Hollywood-Produktionen («Deep Impact», «Peter der Große») an, um Geld für eigene ambitiöse Projekte zu verdienen. Dazu gehörte in den 70er Jahren die Dürrenmatt-Verfilmung «Der Richter und sein Henker». Der Dokumentarfilm «Marlene», in dem Schell 1983 ein 17-stündiges Interview mit der damals 82-jährigen Marlene Dietrich verarbeitete, ohne sie je zu zeigen, gilt vielen Cineasten als sein faszinierendstes Werk.

Furore machte der attraktive Star, der lange ein gefragter Junggeselle war, auch mit seinem Privatleben. So fand eine drei Jahre dauernde Liaison mit Soraya, der Gattin des letzten Schahs von Persien, große mediale Aufmerksamkeit. 1986 heiratete Schell die russische Schauspielerin Natalja Andreitschenko. Vier Jahre später wurde ihre gemeinsame Tochter Nastassja Schell geboren. Seit 2008 war er mit der 47 Jahre jüngeren deutschen Opernsängerin Iva Mihanovic zusammen, die er im August 2013 heiratete.

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