Die iranische Regisseurin und Comiczeichnerin Marjane Satrapi beim 68. Filmfestival in Venedig. Foto: Andrea Merola
Die iranische Regisseurin und Comiczeichnerin Marjane Satrapi beim 68. Filmfestival in Venedig. Foto: Andrea Merola

Die iranische Regisseurin und Comiczeichnerin Marjane Satrapi beim 68. Filmfestival in Venedig. Foto: Andrea Merola

dpa

Die iranische Regisseurin und Comiczeichnerin Marjane Satrapi beim 68. Filmfestival in Venedig. Foto: Andrea Merola

Berlin (dpa) - Sie kommt aus dem Iran und erzählt in ihren Comics viel über ihr Land. Marjane Satrapi (42) lebt in Frankreich und war seit zwölf Jahren nicht in ihrer rigide regierten Heimat.

Als Ansprechpartnerin für das aktuelle Geschehen im Iran sieht sich Satrapi wegen dieser Distanz nicht. «Natürlich habe ich eine Meinung, aber das mischt sich mit Nostalgie und Melancholie», sagte sie in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. «Ich bin eine Künstlerin, mehr nicht.» Sie habe Hoffnungen und Träume und freue sich, die Entwicklung der Gesellschaft zu beobachten.

Nach der erfolgreichen Adaption des biografischen Comics «Persepolis» hat sie mit der fantasievollen Familiengeschichte «Huhn mit Pflaumen» nun ein weiteres Buch verfilmt. Diesmal nicht als Animation, sondern mit Schauspielern, darunter Stars wie Mathieu Amalric und Isabella Rossellini. «Ich wollte einfach etwas Neues ausprobieren», erklärt die Regisseurin, aus der es im Interview nur so hervorsprudelt und die - sehr französisch - im Hotelzimmer einen vollen Aschenbecher vor sich stehen hat.

Im Film, der von der Geschichte eines Großonkels inspiriert ist, gibt es nur zwei Minuten Animation. Satrapi ist sich sicher, dass der Film trotz Zensur wie «Persepolis» sein Publikum im Iran erreichen wird, sobald er auf DVD erscheint. «Er wird nicht auf der Leinwand sein, aber jeder wird ihn sehen.»

Auftritte auf dem roten Teppich liegen Satrapi nicht. «Das ist extrem langweilig.» Die Energie der Filmschaffenden am Set, die gemeinsam ein Ziel haben, mag sie jedoch. «Ich habe viele Jahre allein in meinem Studio in der Ecke gearbeitet, ohne gestört zu werden. Jetzt werde ich gerne gestört.»

Zu ihrem Beruf kam Satrapi durch Zufall, als sie bei französischen Cartoonisten in ihrem Gemeinschaftsbüro in Paris Comics für sich entdeckte. Das Zeichnen vergleicht sie mit der Meditation und dem Leben eines Mönches. Man mache stundenlang das Gleiche. «In mir gibt es einen großen Mönch, von dem ich nicht wusste, dass er existiert.»

Nostalgie und Sehnsucht kennt Satrapi. «Ich habe meine Berge.» Was für den Dichter Marcel Proust das Madeleine-Gebäck, ist für sie die gewaltige Naturkulisse vor Teheran, die auch in ihren Filmen eine Rolle spielt. Deswegen fährt Satrapi auch gerne nach Österreich - sie hat in ihrer Jugend vier Jahre in Wien gelebt. Wo sie hohe Berge sieht, fühlt sie sich wohl.

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