Zum Abschluss der 59.Filmfestspiele räumt Maren Ades Beziehungsdrama ab. Hans-Christian Schmids „Sturm“ hingegen geht leer aus.

Regisseurin Maren Ade (l.) und ihr Star Brigit Minichmayr freuen sich über ihre Bären für „Alle Anderen“.
Regisseurin Maren Ade (l.) und ihr Star Brigit Minichmayr freuen sich über ihre Bären für „Alle Anderen“.

Regisseurin Maren Ade (l.) und ihr Star Brigit Minichmayr freuen sich über ihre Bären für „Alle Anderen“.

dpa

Regisseurin Maren Ade (l.) und ihr Star Brigit Minichmayr freuen sich über ihre Bären für „Alle Anderen“.

Berlin. Ein bisschen bewegte sich die diesjährige Berlinale neben der Spur: Noch nie nahmen so viele Filme am Wettbewerb teil, die im Endeffekt für die Vergabe der Bären keine Rolle spielten, weil sie außer Konkurrenz liefen. Mit ganzen acht Produktionen, darunter dem Oscar-Kandidaten "Der Vorleser", Costa-Gavras "Eden Is West" oder Tom Tykwers Eröffnungsfilm "The International", musste sich die Jury unter der Leitung der britischen Schauspielerin Tilda Swinton nicht weiter auseinandersetzen.

Ausstattung und Effekte konnten die Jury nicht beeindrucken

Blieben von 26 Wettbewerbsteilnehmern nur 18 Filme übrig, auf die insgesamt acht zu vergebenden Bären verteilt werden konnten. Bei dieser Quote musste die Frage schon eher lauten: "Wer bekommt hier keinen Bären?"

Antwort: Hans-Christian Schmid. Sein hochgehandelter Polit-Thriller "Sturm" ging leer aus, genauso wie die neuen Werke der Regie-Größen Stephen Frears ("Chéri"), Chen Kaige ("Forever Enthralled") und François Ozon ("Ricky"). Ausstattung und Effekte konnten die Jury nicht beeindrucken. Sämtliche Filme, die am Samstagabend im Berlinale-Palast ausgezeichnet wurden, verfolgen einen eher reduzierten filmischen Stil.

Sicher spielte bei der Vergabe auch eine Rolle, was Swinton am ersten Festspiel-Tag angekündigt hatte, nämlich ein besonderes Augenmerk auf das politische Kino zu richten. Entsprechend ging der Regiepreis an das iranische Drama "About Elly", das die Alltagssituation der teheranischen Mittelschicht beleuchtet. Den Hauptpreis erhielt das peruanische Post-Bürgerkriegsdrama "La Teta Asustada". Der Film thematisiert die Leiden der vielen tausend Kinder, deren Mütter von der Guerilla-Organisation "Leuchtender Pfad" ab den 80er Jahren vergewaltigt wurden. Fausta, die Hauptfigur, versucht den Weg zurück ins Leben zu finden. Aber die Ängste, mit denen sie während ihrer Kindheit konfrontiert wurde, scheinen stärker. Der Film arbeitet mit mystischer Überhöhung und poetischer Metaphorik. Diese Mischung schlug bei der Jury ein.

Gerührt nahm Regisseurin Claudia Llosa den Goldenen Bären in Empfang. "Ich wünsche mir, dass der Preis das Thema wieder ins Bewusstsein der Menschen bringt", sagte die Tochter des peruanischen Schriftstellers Mario Vargas Llosa in ihrer überschwänglichen Dankesrede.

"La Teta Asustada" (Peru)

pezialpreis der Jury Alle Anderen" (Deutschland) "Gigante" (Uruguay) Beste Darsteller Birgit Minichmayr ("Alle Anderen") Sotigui Kouyaté ("London River") Beste Regie Asghar Farhadi ("About Elly") Bestes Drehbuch Oren Moverman/Alessandro Camon ("The Messenger") Beste Einzelleistung Sound-Design von "Katalin Varga"

"Gigante", "Tatarak" (Polen

Überhaupt nahmen sich die Geehrten bei der Preisvergabe viel Zeit, um ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Den Vogel schoss dabei der 72-jährige Burkiner Sotigui Kouyaté ab, der für seine Rolle in "London River" überraschend mit einem Bären als bester Darsteller ausgezeichnet wurde und sich mit einer zwölfminütigen (!) Aphorismensammlung bedankte.

Knapper fielen die Reaktionen der deutschen Regisseurin Maren Ade und ihrer grandiosen Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr aus, die beide mit einem Bären für "Alle Anderen" ausgezeichnet wurden. Mit lakonischem Witz und unangestrengter Wahrhaftigkeit schildert der Film die Beziehungsanalyse eines Paares um die 30, das seine Lebenskonzeption während eines Sardinienurlaubs überdenken muss. "Ich freue mich, auch wenn das gerade nicht so aussieht", versicherte die verdutzte Ade.

Auch der erfreulichen Tatsache, dass erstaunlich viele Komödien den Wettbewerb bereicherten, trug die Jury Rechnung. Zweimal durfte Adrián Biniez auf die Bühne, dessen ruhiger Liebesfilm "Gigante" (Uruguay) bereits zuvor als bester Erstlingsfilm ausgezeichnet wurde. Im Gegensatz zu seinen Vorrednern hielt sich Biniez knapp. Er konnte weder Englisch noch Deutsch.

Weiter Bilder im Internet:

www.wz-newsline.de www.rga-online.de www.solinger-tageblatt.de

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer